Gesundheit
: Mücken fliegen auf Schweiß

Derzeit gibt es entlang der Oder viele Blutsauger. Von einer Plage könne man aber noch nicht sprechen, sagt eine Biologin.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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  • Die Nachfrage ist enorm: Mückenschutzmittel, aber auch Produkte zur Behandlung von Stichen sind derzeit landesweit begehrt. Apotheken sind da eine Anlaufstelle – so wie hier in Eisenhüttenstadt.

    Die Nachfrage ist enorm: Mückenschutzmittel, aber auch Produkte zur Behandlung von Stichen sind derzeit landesweit begehrt. Apotheken sind da eine Anlaufstelle – so wie hier in Eisenhüttenstadt.

    Gerrit Freitag
  • Autsch! Mücken – hier ein Symbolfoto – fühlen sich derzeit pudelwohl.

    Autsch! Mücken – hier ein Symbolfoto – fühlen sich derzeit pudelwohl.

    Armin Weigel
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„Bei uns ist es vor allem abends schlimm, wenn die Sonne untergeht“, klagt der Inhaber des italienischen Restaurants in der Straße der Republik in Eisenhüttenstadt. Dann suchen sich die Mücken überfallartig ihre Opfer — jedenfalls draußen auf der Terrasse. Aber auch Laubenpieper und Freibad–Gäste kommen meist mit juckenden roten Flecken oder aber Beulen nach Hause.

„Seit dem Pfingst–Wochenende ist das so extrem“, sagt Apothekenmitarbeiterin Daniela Lübbe. Seitdem kommen täglich etliche Kunden, die Mückenschutzmittel brauchen oder aber Produkte, die den Juckreiz mindern. „Wir mussten schon nachbestellen“, sagt sie. Die erste Charge an Schutzmitteln sei fast komplett weg.

Haben wir nun eine Mückenplage? „Ich bin fernab davon zu sagen, dass wir eine Plage haben“, erklärt Doreen Werner, Mückenexpertin und Diplom–Biologin am Leibniz–Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. „Ich würde das eher als normal einstufen. Wir sind durch die letzten beiden Jahre einfach verwöhnt.“ Die seien aus Sicht der Mücken schlecht gewesen, das würden viele lediglich vergessen. „Wir hatten damals kaum Anflüge, weil es so trocken war“, erinnert sich die Expertin. In diesem Jahr sieht das allerdings anders aus. Da habe es bereits zahlreiche Regengüsse gegeben. Hinzu komme die Hitze, sodass sich die Mücken nicht verkriechen müssen. Beste Bedingungen für die Minivampire. Sie benötigen Blut zur Fortpflanzung, das sie dann erst einmal ein paar Tage verdauen müssen, bevor sie ihre Eier legen. Dann gehen sie wieder auf Blutsuche.

Aktuell stechen Wald– und Wiesenmücken zu, aber auch die Hausmücken, deren beste Stunde eigentlich im Juli und August schlägt, sind laut Doreen Werner bereits dabei, Populationen aufzubauen. Hinzu kommen die Überschwemmungsmücken, die aufgrund der schwankenden Wasserpegel auch beste Bedingungen vorfinden. „Wir haben also gerade eine Dreifachbelastung“, sagt sie.

Die Biologin aus Müncheberg geht davon aus, dass die Blutsauger, von denen es deutschlandweit etwa 50 Arten gibt, uns noch ein paar Wochen erhalten bleiben. Möglicherweise werden es auch noch mehr, wenn die Hausmücken sich potenzieren. Sollte eine Witterungskomponente nicht mehr mitspielen, würden die Mücken zwar bleiben, könnten sich aber nicht mehr so schnell entwickeln.

Doreen Werner weiß natürlich, auf was Mücken fliegen. Da sei zum einen das von uns beim Ausatmen produzierte Kohlendioxid und zum anderen Schweißgeruch.

Kernseife könnte helfen

Da würden ganz feine Nuancen, die wir mit der Nase gar nicht wahrnehmen, den Unterschied ausmachen und uns für Mücken unwiderstehlich machen. Ihr Tipp? Den Körper mal mit richtiger Kernseife waschen. Duschbad und Flüssigseife würden den Schweißgeruch nur überdecken, nicht aber entfernen. Haben Stechmücken, Kriebelmücken oder Gnitzen aber erst einmal gestochen, sollte man Doreen Werner zufolge nicht kratzen, auch wenn es schwerfalle. Der Mückenstich könnte sich ansonsten entzünden.

Neben verschiedenen Gels, die den Juckreiz mindern, empfehlen Experten auch elektronische Stichheiler, die den Juckreiz durch Hitze beenden, weil das Eiweiß, das die Mücke mit ihrem Speichel hinterlässt und gegen das das Immunsystem ankämpft, dann gerinnt.