Abwerbungsversuche gibt es immer wieder, in vergangener Zeit immer mehr. Denn Hebammen sind inzwischen sehr begehrt. Das städtische Krankenhaus musste in den vergangenen Monaten die Arbeit auf der Geburtsstation zeitlich deutlich einschränken, weil Mitarbeiterinnen fehlen.
Der Personalmangel war ein Problem, was jüngst im städtischen Krankenhaus bei einem Besuch der beiden Landtagsabgeordneten von Bündis90/Die Grünen, Sahra Damus und Clemens Rostock, zur Sprache kam. Die beiden Politiker wollten aus erster Hand wissen, mit welchen Schwierigkeiten das Krankenhaus in diesem Bereich zu kämpfen hat.
Dass ein Mangel herrscht, hängt zum einen damit zusammen dass zu wenig ausgebildet wird. "In Brandenburg gibt es nicht viel Hebammenschule", sagte Dirk Hinz, ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Da die Krankenhäuser auch nicht selber ausbilden können, besteht die Verbindung zu den Häusern nicht. Sylvia Karls erinnert sich, dass es zu DDR-Zeiten, als die Geburtenzahlen auch noch höher waren,  zwölf Hebammen gab. "Jetzt sind wir vier Hebammen, zwei in Vollzeit, zwei in Teilzeit." Damit könne der Kreißsaal von 6 bis 20 Uhr offen gehalten werden. Damit eine Versorgung rund um die Uhr gewährleistet wäre, müssten mindestens 5,5 Vollzeitstellen besetzt werden.
Keine Abhilfe aus Polen
Doch nicht nur Eisenhüttenstadt hat das Personal-Problem, weshalb es eine Lösung wohl so schnell nicht geben wird. Auch benachbarte Kliniken haben Schwierigkeiten, Personal zu finden. Als der Personalmangel im vergangenen Jahr in Eisenhüttenstadt besonders groß war, gab es keinerlei Unterstützungsangebote von benachbarten Kliniken, sagte Till Frohne, Geschäftsführer des Krankenhauses. Eher umgekehrt: Als vor einiger Zeit die Eisenhüttenstädter in Frankfurt aushalfen, weil es dort einen Engpass gab, sei die Hebamme gleich abgeworben worden. Auch Abhilfe aus dem Ausland ist eher unwahrscheinlich. Till Frohne drückt es drastisch aus: "Polen ist leergeräumt." Auch dort werden inzwischen Mitarbeiter gesucht.
"Die seit einigen Jahren bestehende Hebammenausbildung in Eberswalde bringt nun Absolventinnen hervor, das hilft den weiter entfernten Regionen jedoch nur begrenzt, denn es gelingt kaum, die frisch ausgebildeten Hebammen in Brandenburg zu halten, geschweige denn in weiter entfernte Gegenden zu locken", erklärt Sahra Damus. Eine Ausbildung nah an den Klinikstandorten könne da helfen. Sie spricht auch noch ein anderes Problem an, was den Hebammenberuf belastet, die horrenden Versicherungsprämien für Hebammen. Hier sei der Bund gefragt. Dass da noch nichts passiert sei, sei ein Armutszeugnis.