„Nichts ist so volatil wie das Gesundheitswesen“, sagt Till Frohne, Geschäftsführer des städtischen Krankenhauses. Und tatsächlich: Aussagen, die heute gültig sind, sind es morgen schon nicht mehr. Momentan ist die Arbeit besonders unbeständig und sprunghaft – das heißt nämlich volatil – durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie.
Bislang, so Frohne, bekommt das Krankenhaus pro nicht belegten Bett in Folge der Corona-Pandemie 360 Euro Ausgleichszahlung. Dieser staatliche Rettungsschirm hat nicht nur dem städtischen Krankenhaus in Eisenhüttenstadt geholfen. Was passiert wäre, wenn es das Geld nicht gegeben hätte, formuliert Frohne so: „Wir hätten ohne die Prämie und den staatlichen Rettungsschirm in diesem Jahr Millionen-Verluste gemacht.“

Unterstützung läuft Ende September aus

Wobei das Corona-Thema nicht erledigt sein wird, wenn die staatliche Unterstützung Ende September ausläuft. Vielmehr merkt das Krankenhaus, wie übrigens auch andere Einrichtungen, jetzt noch die Vorbehalte von Patienten, sich in einem Krankenhaus behandeln zu lassen. Das kann lebensgefährlich sein. „Das Corona-Thema hat Menschen mit akutem Schlaganfall oder Herzinfarkt dazu gebracht, nicht ins Krankenhaus zu gehen“, sagt Till Frohne und zitiert eine Studie, zu der 600 Krankenhäusern befragt wurden, und wo die Einschätzung vorherrschte: Bis weit in das kommende Jahr werden viele Einrichtungen mit weniger Fällen zu tun haben. Der Geschäftsführer rechnet mit einem Minus von mehr als zehn Prozent bei den Behandlungsfällen, was deutlich weniger Einnahmen bedeutet. Das kommende Jahr werde wohl mit einem Minus in der Bilanz abschließen.

Strukturprobleme

Das Corona-Thema, das ja auch viele andere Branchen trifft, kommt auf einen Packen Strukturproblemen oben drauf, die kleinere Häuser wie Eisenhüttenstadt sowieso schon haben. Nachdem vor einiger Zeit die beiden Landtagsabgeordneten Sahra Damus und Clemens Rostock von Bündnis90/Die Grünen im Krankenhaus zu Gast waren, hatte sich kürzlich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Adler ein Bild vor Ort gemacht. Tatsächlich gibt es ein ganzes Bündel von Problemen: Angefangen von der Frage, wie man Fachpersonal nach Eisenhüttenstadt locken kann bis dahin, dass bei der derzeitigen Finanzierungsstruktur über die sogenannte Fallpauschale kleiner Häuser benachteiligt werden. Dazu kommen Bundesgesetze, die gut gedacht sind, in der Praxis aber dazu führen, dass Personal vorgehalten werden müsste, das zum einen nicht da ist und zum anderen aus den Einnahmen auch nicht finanziert werden kann. Die Folge, wie auch in anderen Häusern: Betten können nicht belegt werden, obwohl es Patienten gibt.  Matthias Kretzschmar, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, vermutet, dass dahinter auch das Interesse steckt, kleiner Krankenhäuser zu schließen.

Geburtsstation schreibt rote Zahlen

Davon ist in Brandenburg nicht die Rede. Das Land bekennt sich zu allen Standorten. Doch die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind unterschiedlich. Frohne verweist darauf, dass das Krankenhaus ein breites Spektrum anbietet und sich nicht alle Kliniken wirtschaftlich betreiben lassen. So schreibt etwa die Geburtsklinik wöchentlich einen fünfstelligen Euro-Betrag Minus. Es fehlen Geburten. Da es den Willen des Gesellschafters Stadt gibt, auch diese defizitären Bereich zu erhalten, muss an anderer Stelle das Geld erwirtschaftet werden. Für Frohne ist es deshalb in der derzeitigen Tarifauseinandersetzung ausgeschlossen, bis über eine gewisse Grenze hinauszugehen.

Der kleinste Regelversorger in Brandenburg


- Die Städtisches Krankenhaus Eisenhüttenstadt ist ein Krankenhaus der Regelversorgung mit 284 vollstationären Betten und 70 Tagesklinikplätzen, davon entfallen auf die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie 72 vollstationäre Betten und 39 Tagesklinikplätze sowie 31 geriatrische Tagesklinikplätze.

- Vollstationär Bereiche sind: Innere Medizin, Geriatrie, Frauenheilkunde/Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Unfallchirurgie und Allgemeine Chirurgie, Psychiatrie.

- Teilstationär gehören folgende Bereiche zum Krankanhaus: zwei Tageskliniken Geriatrie sowie zwei Psychiatrische Tageskliniken lö