Häuser in Eisenhüttenstadt: Kalender bricht mit Klischees über DDR-Plattenbauten

Blick ins Grüne: Der Architekt und Fotograf Martin Maleschka zeigt in seinem Fotokalender „Großtafelbauweise in der DDR“ Bilder von DDR-Neubauten in mehreren ostdeutschen Städten. Auf dem Dezemberblatt ist ein Haus in Eisenhüttenstadt zu sehen, das es längst nicht mehr gibt.
Frank Groneberg- Neuer Fotokalender zeigt Vielfalt von DDR-Neubauten und bricht mit dem Klischee vom Einheitsgrau.
- „Großtafelbauweise in der DDR“ wurde für die Ausstellung „Platte Ost / West“ zusammengestellt.
- Verkauf im Stadtmuseum Dresden, zudem exklusiv in Eisenhüttenstadt am 11./12. April.
- Motive aus Städten von Greifswald bis Suhl – teils mit Schindeln, Holzloggien oder farbigen Fassaden.
- Dezemberblatt zeigt einen Blick aus einem Abrisshaus in Eisenhüttenstadt, viele gezeigte Bauten existieren nicht mehr.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Blick aus dem Wohnzimmer lässt das Ende erahnen. Fenster und Balkontür sind bereits entfernt, Blumenkästen hängen an der Balkonverkleidung aus Beton auch nicht mehr. Die Wand des Wohnzimmers ist nackt und grau.
Gegenüber ist der Giebel eines ebenfalls für den Abriss bestimmten Wohnblocks zu erkennen. Die Fassade des Blocks ist genauso grau wie die jenes Hauses, in dem sich der Fotograf befindet. Farbtupfer setzen nur die immergrünen Kiefern vor dem Haus und der Innenanstrich des Balkons.
Der Kontrast könnte größer kaum sein. Hier der graue Wohnblock, da die romantisch verschneiten Bäume. Hier das trostlose, von der Tapete befreite Grau der Wohnzimmerwand, da das helle Grün der Balkonverkleidung. Wer hier gewohnt hat, der hat in schöner Umgebung gewohnt.
DDR-Plattenbau in Eisenhüttenstadt: Kalender bewahrt verlorene Blicke
Nachzuerleben ist der beschriebene Blick heute nicht mehr. Die Häuser in der Straße Mittelschleuse in Eisenhüttenstadt stehen schon lange nicht mehr. Der Architekt und Fotograf Martin Maleschka aus Eisenhüttenstadt hat ihn aber festgehalten. Und er hat ihn verewigt – in einem besonderen Kalender für das Jahr 2027.
„Großtafelbauweise in der DDR“ heißt der Fotokalender. Zusammengestellt hat Martin Maleschka ihn speziell für die sehenswerte Sonderausstellung „Platte Ost / West“, die bis Ende November 2026 im Stadtmuseum Dresden geöffnet ist. Verkauft wird er dort im Museumsshop. Und nur am 11./12. April 2026 ist der Kalender exklusiv auch in Eisenhüttenstadt zu bekommen.
Neubauten in der DDR: Kalender zeigt mehr als Einheitsgrau
Abgebildet sind besondere Ansichten von Neubauten, wie die heute abwertend als „Plattenbauten“ bezeichneten Häuser in der DDR genannt wurden, in ostdeutschen Städten von Greifswald bis Suhl. Und wer den Kalender durchblättert, erkennt schnell: Die in Großtafelbauweise errichteten Häuser waren vielfältiger, als heute gern behauptet wird. Von einem „Einheitsgrau“ kann keine Rede sein.

Titelblatt: Das Dezemberblatt des Fotokalenders von Martin Maleschka zeigt den Blick aus einem Abrisshaus in der Straße Seelower Kehre in Frankfurt (Oder). Zu sehen sind in der Ferne fünf 15-stöckige Hochhäuser und der Oderturm.
Frank Groneberg„Mein Kalender zeigt die regionalen Unterschiede, die es im Wohnungsbau der DDR gab“, sagt Martin Maleschka. Jedes Wohnungsbaukombinat habe seine eigenen Haustypen und eigene, regionale Gestaltungsvarianten gehabt. „Auch die Fassaden waren unterschiedlich. Es gab verschiedenfarbige Kacheln, verkleidete oder mit Anstrichen versehene Fassaden und sogar eingefärbten Beton.“
Fotokalender zu DDR-Wohnungsbau: Regionale Unterschiede statt Klischee
Zu sehen ist etwa ein Neubau in Suhl, der mit Schindeln verkleidet und mit Loggien aus Holz versehen ist. In Schwedt hat Martin Maleschka Einfamilienhäuser aus Fertigplatten an einem Waldrand fotografiert. Daneben enthält sein Kalender aber auch Fotos von riesigen Wohnbauten wie etwa dem Hochhausensemble „Am Knie“ in Hoyerswerda, in dem Gerhard Gundermann einst lebte.
Die meisten der Häuser existieren längst nicht mehr. So wie der Block in der Seelower Kehre in Frankfurt (Oder) auf dem Titelblatt. Aus einem seiner Fenster fällt der Blick auf fünf 15-stöckige Hochhäuser. Auch der 89 Meter hohe Oderturm ist zu sehen.
Plattenbau-Kalender: Exklusives Angebot in Eisenhüttenstadt
Während des Abschiedsfestivals „Platte Platte“ in Eisenhüttenstadt, Mittelschleuse, wird der Kalender zum Preis von 25 Euro angeboten. Geöffnet ist das Festival am Wochenende 11./12. April von 12 Uhr bis 20 Uhr.


