Heimat
: Wiesenau gibt‘s auch in Kanada

Schon vor 15 Jahren sorgten Jutta und Dieter Schulze für mehr Internationalität ihrer Gemeinde. Jetzt verewigten sie das einstige Krebsjauche.
Von
Dietmar Puttins
Wiesenau
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  • Retroperspektive. Jutta und Dieter Schulze hielten ihre Urlaubs-Erinnerungen an "Wiesenau in Kanada" sehr aufwändig und informativ in Fotoalbum und Niederschrift fest.

    Retroperspektive. Jutta und Dieter Schulze hielten ihre Urlaubs-Erinnerungen an "Wiesenau in Kanada" sehr aufwändig und informativ in Fotoalbum und Niederschrift fest.

    Dietmar Puttins
  • Geschichtsbewusstsein. Im "Sign Post Forest" im kanadischen Watson Lake brachten Jutta und Dieter Schulze dieses extra in Eisenhüttenstadt gefertigte Ortsschild an.

    Geschichtsbewusstsein. Im "Sign Post Forest" im kanadischen Watson Lake brachten Jutta und Dieter Schulze dieses extra in Eisenhüttenstadt gefertigte Ortsschild an.

    privat
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Im Sommer 2005 verewigten die beiden Globetrotter im Ruhestand ihren Heimatort mit einem kleinen Denkmal jenseits des Atlantiks: Im Schilderwald des Städtchens Watson Lake befestigten sie während ihrer Kanada–Alaska–Reise ,,Northern Lights II"  ein in Eisenhüttenstadt gefertigtes Ortsschild. Darauf steht zu lesen. „Bis 1919 Krebsjauche — Germany. Danach Wiesenau; D–15295“.

Vier Wochen lang hatten Jutta und Dieter Schulze 9258 Kilometer bei einer geführten Wohnmobil–Tour zurückgelegt, bei der sie selbst nicht fahren mussten. Auf ihrer Tour stoppten sie beim „Sign Post Forest“. So heißt die Hauptattraktion der Stadt Watson Lake, die etwa 24 bis 25 Stunden Autofahrt nördlich von Vancouver entfernt liegt.

„Wir wussten von diesem Schilderwald und wollten dort auf alle Fälle Station machen. So kam uns die Idee, ein Wiesenau–Schild anzubringen“, erzählt Jutta Schulze. Sie unterrichtete bis 2000 als Lehrerin zuletzt Deutsch, Mathematik und Geografie bis zur sechsten Klasse an der Grundschule in Ziltendorf. „Im Internet“, ergänzt ihr Ehemann, der bis 2003 bei der Deutschen Post in Frankfurt (Oder) tätig war, „haben wir uns das vorher angesehen und wussten welche Dimension das Areal hat.“

Rund 50 000 Schilder zu sehen

„Dieser Schilderwald ist ein Riesenkomplex“, zeigt sich Jutta Schulze noch heute beeindruckt. „Es ist wie ein Dorf, durch das man geht. Als wir am 1. August 2005 Watson Lake besuchten, waren dort rund 50 000 Städte und Orte verewigt. Stab an Stab, Schild an Schild — viele gelbe Ortsschilder auch aus Deutschland, etwa aus Köln.

Heimweh war der Auslöser

Den Anfang hatte 1942 der US–Soldat Carl K. Lindley (1919—2002) aus Danville (US–Bundesstaat Illinois) gemacht. Aus Heimweh brachte er ein Ortszeichen seiner Heimatstadt an. Lindley war einer von mehr als 10 000 Militärs und Zivilisten, die von April bis November 1942 unter härtesten Bedingungen den Alaska Highway bauten. Die Trasse führt von Traffic Circle in Dawson Creek in Kanada über 2288 Kilometer weit bis nach Delta Junction in Alaska.

Das Bauprojekt realisierten im Zweiten Weltkrieg Amerikaner und Kanadier gemeinsam zum Schutz Alaskas — insbesondere unter dem Eindruck japanischer Angriffe auf Pearl Harbour (Dezember 1941) und der japanischen Besetzung zweier westlicher Inseln der Aleuten (Juni 1942). Die Amerikaner konnten so auch viel einfacher Waffen und Flugzeuge für die russischen Streitkräfte über Sibirien an die Ostfront bringen lassen.

In Nordamerika waren Schulzes seither nicht mehr, aber dennoch immer auf Achse — in Südafrika, Grönland, Russland und sie lieben Flusskreuzfahrten sehr. „Voriges Jahr“, erzählt Jutta Schulze, „hielten wir mit einem kleinen Segelschiff Kurs entlang der kroatischen Küste von Zadar bis Dubrovnik.“

Beide lassen nicht nur „schippern“, sondern sind selbst auch aktiv. „Wir machen gerne Radtouren und haben schon in voller Länge Elbe, Donau und Oder abgefahren“, sagt ihr Mann frohgemut. „Also, bis jetzt toi, toi, toi. Es läuft einwandfrei“ — so wie damals in Watson Lake.