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: Vemieter erlässt in Brieskow-Finkenheerd Miete wegen Corona

Der Finkenheerder Hauseigentümer des Friseursalons von Monique Siebke setzt wegen Corona Miete und Betriebskosten aus.
Von
Jörg Kotterba
Brieskow-Finkenheerd
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  • Wolfgang Heinke ist Besitzer der Immobilie Karl-Marx-Straße 23 in Brieskow-Finkenheerd. Der Finkenheerder Hauseigentümer des Friseursalons von Monique Siebke setzt wegen Corona Miete und Betriebskosten aus.

    Wolfgang Heinke ist Besitzer der Immobilie Karl-Marx-Straße 23 in Brieskow-Finkenheerd. Der Finkenheerder Hauseigentümer des Friseursalons von Monique Siebke setzt wegen Corona Miete und Betriebskosten aus.

    Jörg Kotterba
  • Das Rollo der Eingangstür des Pflegesalons in Brieskow-Finkenheerd, Karl-Marx-Straße 23, ist geschlossen. Monique Siebke, Meisterin des Friseurhandwerks, macht gute Miene zum traurigen Spiel.

    Das Rollo der Eingangstür des Pflegesalons in Brieskow-Finkenheerd, Karl-Marx-Straße 23, ist geschlossen. Monique Siebke, Meisterin des Friseurhandwerks, macht gute Miene zum traurigen Spiel.

    Jörg Kotterba
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Vor zwölf Jahren, im Oktober 2008, machte sich die damals 30-jährige gebürtige Frankfurterin mit ihrem Pflegesalon in Brieskow-Finkenheerd selbstständig. „Meine damalige Chefin Birgit Neumann hatte mir Anfang der 2000er-Jahre vorgelebt, wie man einen Salon führen kann. Das wollte ich auch.“

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Und nun der Killer-Virus. „Natürlich habe ich für mein Team sofort Kurzarbeit beantragt. Von der Arbeitsagentur, mit der ich im engen Kontakt stehe, weiß ich: Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent des während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettolohns, Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind 67 Prozent. Für mich war es sofort klar, dass keiner aus meinem Fachpersonal Miese machen darf. Ich stocke also aus eigener Tasche auf hundert Prozent auf.“

Soforthilfe Corona beantragt

Monique Siebke zahlt ihren Mitarbeiterinnen mehr als die 9,35 Euro Mindestlohn. Auch aus diesem Grunde hat sie bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg eine, wie es heißt, „Soforthilfe Corona“ beantragt.

Wolfgang Heinke, ein Nachbar von Monique Siebke, zieht symbolisch den Hut vor der couragierten Frau. Heinke, Jahrgang 1944 und gelernter Schlosser, war in DDR-Zeiten langjähriger Chef des Großkraftwerkes in Finkenheerd.

Nach dem Mauerfall verdiente er sein Brot bis zur Rente als Personalchef beim Stromanbieter E.DIS AG. Er ist Eigentümer der zweigeschossigen Immobilie an der Karl-Marx-Straße 23. Oben wohnt Sohn Mike, ein Elektromeister. Parterre ist Monique Siebkes Pflegesalon. „Mike hat mir beim Bier gesagt, dass das Handwerk zusammenhalten muss. Vor allem in ernsten Zeiten.  Er hat mir quasi im doppeldeutigem Sinne durch die Blume ans Herz gelegt: Denk‘ mal an Moniques Miete. Sie hat doch keine Einnahmen.“

Erlass ist auch für Mai und Juni möglich

Was dann passierte, ist nachahmenswert. Wolfgang Heinke wurde von einem Tag auf den anderen zum Vermieter mit Herz. „Monique Siebke muss für den Monat April weder Miete noch Betriebskosten zahlen. Sie hat es so schon schwer genug.“ Sollte auch der Mai und gar Juni der Finkenheerder Salon geschlossen bleiben, gelte die gleiche Regelung. „Wolfgang Heinke ist von Beginn an ein Vermieter, den sich wohl jeder wünschen würde. Die moderate Miete wurde auf zehn Jahre festgesetzt. Wer macht das schon. Und nun diese tolle Geste. Ich bin überglücklich“, sagt Monique Siebke beim MOZ-Vorort-Termin – freilich im gebotenen Abstand.

Wolfgang Heinke erzählte, dass er am 10. Oktober 1998 Augenzeuge der spektakulären Sprengung der beiden letzten Schornsteine des Kraftwerkes war. „Kein guter Tag!“ Das Ereignis war in der Show-TV-Sendung „Wetten dass“ mit Thomas Gottschalk sensationell eingebunden. Wie geplant, berührten sich während der Sprengung die beiden einstürzenden Schlote im freien Fall.

Monique Siebke hofft, dass sie und ihr Fachpersonal nach dem 20. April wieder Anfragen nach modischen Trendhaarschnitten, Haarfarben und Strähnen-Techniken nachkommen kann. Und andere Mitarbeiterinnen sich um die Kosmetik, Fußpflege, Nagelmodellage und Massage ihrer Kunden kümmern. „Eins ist sicher“, erklärt die zweifache Mutter, die mit Ehemann Jürgen seit Jahren in Brieskow-Finkenheerd lebt: „Wolfgang Heinkes Bart wird von mir auf Lebenszeit gepflegt.“ Kopfhaare hat der sympathische Brandenburger schon lange nicht mehr.

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