Hochwasser an der Oder
: Höchste Alarmstufe in Ratzdorf am Wahl-Sonntag erwartet

UPDATE 18 Uhr: Deutschland schaut auf Ratzdorf. Die Lage an der Oder in Brandenburg wird nach aktuellen Prognosen ab Mitte der Woche kritischer. Zur Landtagswahl wird die höchste Alarmstufe  vorausgesagt.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Ratzdorf am 16. September 2024, Noch ist die Lage an der Oder enstapnnt, doch das könnte sich in wenigen Tagen ändern, Zusammenfluss von Oder- und Lausitzer Neiße, Maik Liebelt bleibt ruhig, Pegel am 16.9., 14 Uhr bei etwa 2,79 Meter

Ratzdorf am 16. September 2024: Noch ist die Lage dort, wo Oder und Neiße zusammenfließen, entspannt. Doch es wird ein deutlicher Anstieg erwartet. Die Neiße (r.) führt schon jetzt wesentlich mehr Wasser als gewöhnlich.

Janet Neiser
  • Höchste Alarmstufe am 22. September in Ratzdorf erwartet.
  • Pegelstände könnten 6 Meter erreichen, Alarmstufe IV.
  • Ursache: Dauerregen seit 12. September, bis zu 360 mm in Polen.
  • Deiche und Hochwasserschutzanlagen sollen Funktionsfähigkeit gewährleisten.
  • Evakuierungspläne und Katastrophenvorbereitungen laufen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch ist es ruhig an der Oder in Ratzdorf (Oder-Spree). Dort, wo Lausitzer Neiße und Oder zusammenfließen, bewegt sich der Pegel des Grenzflusses noch im Mittelbereich. Hochwasser? Noch nicht!  2,79 Meter hieß es am 16. September 2024 auf dem Pegelhäuschen gegen 14 Uhr. Dieses Pegelhäuschen war im Jahr 1997 weltberühmt geworden – beim sogenannten Jahrhundert-Hochwasser. Bis auf 6,91 Meter stieg der Pegel damals. Nach neuesten Prognosen des Landesamtes für Umwelt (LfU) geht es 27 Jahre später erneut in Richtung sechs Meter.

Frühestens am 18. September, wahrscheinlicher am 19. September, werden demnach die Richtwerte der Alarmstufe I erreicht.

Hochwasser-Alarmstufen in Ratzdorf und Eisenhüttenstadt

  • Alarmstufe I – 4,65 m (Ratzdorf), 4,75 m (EH): Wasserstandsmeldedienst
  • Alarmstufe II – 5,20 m (Ratzdorf), 5,45 m (EH): Kontrolldienst
  • Alarmstufe III – 5,60 m (Ratzdorf), 5,85 m (EH): Wachdienst
  • Alarmstufe IV – 5,90 m (Ratzdorf), 6,30 m (EH): Katastrophenabwehr Hochwasser

Quelle: Pegelportal Brandenburg

„Anschließend werden an den Pegeln Ratzdorf, Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) die Wasserstände zügig ansteigen“, heißt es in der Mitteilung des LfU. In den prognostizierten Wasserständen könnte am 22. September in Eisenhüttenstadt und in Ratzdorf die Alarmstufe III erreicht werden. In Ratzdorf sogar die IV und damit die höchste. 5,92 Meter sind bislang für 11 Uhr vorausgesagt.

Ratzdorf am 16. September 2024, Noch ist die Lage an der Oder enstapnnt, doch das könnte sich in wenigen Tagen ändern, Zusammenfluss von Oder- und Lausitzer Neiße, Maik Liebelt bleibt ruhig, Pegel am 16.9., 14 Uhr bei etwa 2,79 Meter

Ratzdorf am 16. September 2024: Gegen 14 Uhr zeigt das Pegelhäuschen 2,79 Meter an.

Janet Neiser

Deutlicher Anstieg der Oder-Pegel erwartet

Der Grund für den rasanten Anstieg sind die fast ununterbrochenen Niederschläge in den Hochwasserentstehungsgebieten der Oder seit 12. September. Dabei wurden laut LfU an den Niederschlagsmessstationen in Polen zwischen 100 und 360 mm gemessen. Inzwischen schwäche sich das zuvor wetterbestimmende Tief ab. Viele Zuflüsse zur Oder seien auf vergleichbare oder höhere Wasserstände als 1997 angestiegen.

Die 2,79 Meter, die das Pegelhäuschen am 16. September anzeigt, beeindrucken Maik Liebelt noch nicht. Noch beunruhige ihn das alles nicht, sagt der Mann, der in Ratzdorf aufgewachsen ist, mittlerweile in Wellmitz lebt und gerade mit seinem Hund auf dem Oderdeich Gassi geht. „Ab vier Meter könnte man schon unruhige Nächte haben und öfter mal gucken gehen.“ Die neuen Deichschutzanlagen, die nach dem Jahrhundert-Hochwasser 1997 errichtet wurden, beruhigen ihn aber auf jeden Fall, versichert er. „Es ist wichtig, dass der Staat da reagiert hat.“

Vertrauen in Deiche

Die Deiche, wie sie jetzt stehen, die gab es 1997 so nicht. Da konnte das Wasser, vor allem im Bereich der Neiße noch ungehindert ins Landesinnere. Doch nun steht da ein Schutzwall. Die Oder drückte 1997 vor allem im Bereich der Kajüte. Auch dort wurden die Deiche erhöht und im weiteren Verlauf sogar versetzt. Für den Bereich am Pegelhäuschen gibt es zudem eine mobile Spundwand. Damals halfen nur Tausende Sandsäcke. Dennoch stand das Wasser bis zur Kirche. „Mit Stiefeln konnte man da noch durch“, erinnert sich Liebelt.

Dass die Neiße mittlerweile schon gut gefüllt ist, das sehe man sofort, sagt er mit Blick auf den Fluss, der an Ratzdorf ziemlich breit und schnell vorbeiströmt. „Normalerweise kann man da durchlaufen.“ Und die Neiße bringt auch jede Menge Treibgut mit, das kurz darauf von der Oder aufgenommen wird.

In welchem Zustand die Deiche sind, ob es irgendwo Schwachstellen gibt, das sollte die jährliche Deich- und Gewässerschau an Oder und Lausitzer Neiße zeigen. Doch die ist ausgerechnet für kommende Woche geplant. Eine Anfrage an das Landesamt für Umwelt läuft.

Während Oder-Anrainer wie Maik Liebelt noch ruhig sind, tut sich hinter den Kulissen im Amt Neuzelle einiges: Absprachen mit dem Kreis, bei dem der Katastrophenschutz angesiedelt ist, gibt es – beispielsweise zu Sandsäcken. Auch der Amtswehrführer sei schon zu Gesprächen eingeladen gewesen. Da sei es unter anderem um die Deichläufer gegangen, die ab der Alarmstufe III zum Einsatz kommen. Und aktuell werde zudem geprüft, wohin Menschen im Notfall evakuiert werden können.

Hochwasser: Katastrophenabwehr ab Alarmstufe IV

Sobald die Alarmstufe I ausgerufen wird, kommt eine strenge Maschinerie in Gang: Dann werden zunächst einmal die Wasserstände in bestimmten Zeitabständen gemeldet und es gibt zusätzliche Pegelablesungen. Außerdem wird die Funktionsfähigkeit der Hochwasserschutzanlagen überprüft. Auch die Evakuierung von Tieren und Räumen von Geräten und Material aus den Überschwemmungsgebieten wird kontrolliert.

Mit der Alarmstufe II wird der Kontrolldienst eingeführt. Es erfolgt die tägliche Kontrolle der Deiche und wasserwirtschaftlichen Anlagen und die Vorbereitung für einen durchgehenden Wachdienst an den Deichen.

Bei Alarmstufe III wird der ständige Wachdienst auf den Deichen ausgerufen. Hochwasserschutzmaterialien werden an bekannte Gefahrenstellen und vorbereitete Zwischenlagerplätze gebracht.

Die letzte, IV. Alarmstufe, bedeutet: Katastrophenabwehr Hochwasser. Diese Stufe kann auch schon unabhängig vom Richtwert ausgerufen werden, und zwar bei einer akuten Gefährdung der Funktionssicherheit der Hochwasserschutzanlagen. Spätestens ab dieser Alarmstufe werden Gefahren aktiv bekämpft und Evakuierungen vorbereitet.