Einigkeit und Miteinander in der Lokalpolitik sind keine Selbstverständlichkeit. Reibereien gibt es allen Kommunen immer wieder und verschiedene Meinungen. Letzteres muss ja nicht unbedingt kontraproduktiv sein, solange der Ton stimmt. Auch das Amt Brieskow-Finkenheerd ist da keine Ausnahme. Aber in einer Sache sind sich jetzt alle im dortigen Amtsausschuss einig. Sie wollen helfen, und zwar den Menschen in den von der Juli-Hochwasser-Katastrophe betroffenen Gebieten. Sie wollen etwas Konkretes für den Wiederaufbau tun.

Eine Kontonummer allein reicht nicht

„Die Situation in diesen Gebieten  ist schon für Erwachsene kaum zu verstehen, was mag dann wohl in den Köpfen der Kinder vorgehen, als plötzlich der Kindergarten, die Schule oder das gewohnte Umfeld weg war. Vielfach unbeachtet wurden Kinder traumatisiert im Ergebnis dieser Naturkatastrophe“, heißt es in einem Spendenaufruf des Amtes.
Ja, auch das Amt Brieskow-Finkenheerd hat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Doch eine Kontonummer, auf die man eine bestimmte Summe überweisen kann, reichte den Verantwortlichen dort nicht. Geld sei schnell überwiesen, aber man wolle doch auch wissen, wo es wirklich hingeht, meint Ivo Kiesewetter, der Bauausschussvorsitzende der Gemeinde Brieskow-Finkenheerd.

Kita, Schule oder öffentlicher Platz kommen infrage

Ein konkretes Projekt sei da wesentlich besser. Und Kiesewetter hatte die Idee,  möglicherweise einen Spielplatz zu errichten. Denn durch die Überflutung sind nicht nur Wohnhäuser, Geschäfte sowie Straßen kaputtgegangen, sondern auch Schulen, Turnhallen und eben Spielplätze. „Vielleicht könnte in einer Kita, einer Schule oder auf einem öffentlichen Platz ein neuer Spielplatz entstehen“, sagt er und kann sich auf die Zustimmung aller ehrenamtlichen Gemeindebürgermeister verlassen.
Angedacht sei, dafür 100.000 Euro zusammenzubekommen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat der Amtsausschuss jüngst entschieden, die bereits laufende Spendenaktion in Brieskow-Finkenheerd bis zum 30. Oktober 2021 zu verlängern.

Ingenieurbüro aus Eisenhüttenstadt hat die Planung fertig

Nun mag sich manch einer sagen, dass von der Planung über den Bau bis hin zur Fertigstellung eines Spielplatzes im Normalfall mehrere Jahre vergehen. Aber immerhin, das Amt hat bereits mit dem Ingenieurbüro H.-W. Richter in Eisenhüttenstadt gesprochen. Das hat nämlich schon einen Spielplatz für Brieskow-Finkenheerd geplant, und zwar an der Straße der Jugend. Dort soll es neben einem Großspielgerät unter anderem eine Doppelschaukel und Federwippen geben.
Die Spielgeräte seien aus recyceltem Kunststoff, ist aus der Verwaltung zu hören. Das Material habe sich anderswo bewährt. Die bereits vorhandene Spielplatz-Planung würde das Ingenieurbüro auch für die Hilfsaktion zur Verfügung stellen. „Wenn der Bedarf da ist, dann machen wir das gern, zumal es für Kinder ist“, sagt Verena Nicolaus, die Geschäftsführerin.

Betroffene der Hochwasser-Katastrophe von 1997 helfen

Was den Bedarf angeht, da stünden natürlich noch Gespräche aus, erklärt Amtsdirektor Dirk Wesuls. Und Ivo Kiesewetter fügt hinzu. „Es gibt bereits diverse Kontakte, aber nichts Konkretes.“ Natürlich benötige man dann für die spätere Umsetzung Partner vor Ort.
„Es ist jedenfalls toll, dass das hier bei allen Anklang gefunden hat“, sagt Wesuls und erinnert an das Jahr 1997, als die Oder über die Ufer getreten war und großen Schaden anrichtete. Da hätten die Menschen in der Oder-Region große Hilfe erfahren, nun sei es Zeit, zu zeigen, dass man das nicht vergessen habe. Man wolle einen Beitrag für die Wiederherstellung einer gewissen Normalität leisten. Und möglicherweise ergibt sich aus all dem ja auch eine neue Partner-Gemeinde.

Auch Bewohner außerhalb des Amtes sind angesprochen

Die Spendenaktion trägt zwar das Label Brieskow-Finkenheerd und soll vor allem die Bewohner der fünf Amtsgemeinden Groß Lindow, Vogelsang, Ziltendorf, Brieskow-Finkenheerd sowie Wiesenau ansprechen. Aber man sage natürlich nicht Nein, wenn Bürger anderer Gemeinden für dieses Projekt etwas spenden wollen, macht Amtsdirektor Dirk Wesuls klar.
Letztlich zählt, dass das Geld zusammenkommt und irgendwann ein neuer Spielplatz in den Hochwassergebieten steht, der mit Geldern aus Brandenburg und auf Initiative aus Brieskow-Finkenheerd entstanden ist. Spenden für das Spielplatz-Projekt gehen bis 30. Oktober an das vom Amt Brieskow-Finkenheerd eingerichtete Spendenkonto: IBAN: DE19 1705 5050 2000 0000 80, BIC: WELADED1LOS, Zahlungsempfänger ist das Amt Brieskow-Finkenheerd. Wer eine Spendenbescheinigung benötigt, müsse dies unter Angabe der Adressdaten bei der Überweisung angeben, teilt die Verwaltung mit.

Die MOZ hilft mit

Die Märkische Oderzeitung (MOZ), die Lausitzer Rundschau (LR), der Landkreis Märkisch-Oderland sammeln Spenden für die Hochwasserhilfe.
Für die Spenden aus Brandenburg wurde ein Konto eingerichtet: Landkreis Märkisch-Oderland, IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95, Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021