Immobilien in Neuzelle
: Abriss oder Sanierung? Umfrage zum Schützenhaus gestartet

Die Zukunft vom einstigen Kultur- und Schützenhaus in Neuzelle ist seit Jahren ungewiss. Nun gibt es eine Umfrage mit überraschenden Ansätzen.
Von
Janet Neiser
Neuzelle
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Ehemaliges Schützen- bzw. Kulturhaus in Neuzelle

Das ehemalige Schützen- bzw. Kulturhaus in Neuzelle thront an der B112. Das Kultur- und Schützenhaus Neuzelle ist derzeit nicht nutzbar, heißt es seitens einer Arbeitsgruppe, die das ändern will.

Janet Neiser
  • Neuzelle startet Umfrage zur Zukunft des Kultur- und Schützenhauses – Sanierung oder Abriss möglich.
  • Bürger können online oder per Flyer bis 5. September 2025 teilnehmen und Ideen einbringen.
  • Vorschläge reichen von Veranstaltungsort bis Gesundheitsangeboten wie Gemeindeschwester.
  • Ideenwerkstatt mit Führungen und Diskussion am 13. September 2025 geplant.
  • Architektin Leonie Ederer betonte den emotionalen Wert und die gute Bausubstanz des Gebäudes.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als Lost Place, also als vergessenen Ort, kann man diese Immobilie in Neuzelle kaum noch bezeichnen. Denn vergessen kann das ehemalige Schützen- beziehungsweise Kulturhaus so gut wie keiner. Spätestens wer daran vorbeifährt – und das tun viele, denn die Immobilie liegt direkt an der B112 kurz hinter dem Ortseingang –, der wird unweigerlich mit dem Haus konfrontiert.

Hinzukommt, in den vergangenen Monaten, haben Amt und Gemeinde einiges getan, um die Aufmerksamkeit auf das Mehrzweckhaus zu lenken. Eine Giebelfassade wurde durch Studenten bunt gestaltet und in einem Bereich ist ein Jugendtreff eingerichtet worden. Denn obwohl Neuzelle das größte und wohl auch bekannteste Dorf des gleichnamigen Amtes ist, gibt es dort seit etlichen Jahren keinen offiziellen Jugendclub.

Doch in Stein gemeißelt ist bezüglich der Immobilie gar nichts. Ende 2023 hatte Neuzelle das ehemalige Schützenhaus aus der Insolvenzmasse des letzten Eigentümers herausgekauft, der dort einen Hotel- und Wohnkomplex errichten wollte. Kostenpunkt für die Gemeinde? 50.000 Euro.

Umfrage zum Schützenhaus gestartet – jeder kann teilnehmen

Für dieses Jahr sind 10.000 Euro für das Schützenhaus im Gemeinde-Haushalt eingestellt. Davon wurden bislang eine Dachreparatur und die Farben für die Fassadengestaltung bezahlt. Der Jugendtreff selbst sei ausschließlich aus Spenden finanziert worden, heißt es seitens der Arbeitsgruppe (AG) Schützenhaus, die unter anderem aus den Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung und dem Amtsdirektor besteht.

Eben diese Arbeitsgruppe, die sich regelmäßig trifft, hat nun eine Bürgerumfrage zur Zukunft des Kultur- und Schützenhauses Neuzelle gestartet. Teilnehmen kann jeder.

Die Umfrage ist bis zum 5. September online auf der Internetseite des Amtes verfügbar. Wer lieber analog unterwegs ist, der kann sich einen Flyer aus der Amtsverwaltung am Lindenpark mitnehmen und diesen ausfüllen. „Ihre Teilnahme hilft, die Bedürfnisse und Wünsche unserer Gemeinschaft bestmöglich zu berücksichtigen“, heißt es seitens der Arbeitsgruppe, die auf möglichst viele Anregungen hofft.

Verschiedene Fragen werden gestellt

Das Kultur- und Schützenhaus Neuzelle sei derzeit nicht nutzbar, heißt es in den einleitenden Worten. „Die Gemeinde steht vor der Entscheidung, ob das Gebäude saniert, neu gebaut oder anders genutzt werden soll.“ Wer an der Umfrage teilnimmt, kann sich dazu äußern. Aber es geht nicht um Erhalt und Sanierung, Neubau, Abriss und/oder eine andere Nutzung.

Unter anderen folgende Fragen werden gestellt:

  • Halten Sie einen Veranstaltungsort wie das Kultur- und Schützenhaus für wichtig für unsere Gemeinde?
  • Welche Nutzungen sind Ihnen besonders wichtig?
  • Welche Nutzungsmöglichkeiten wünschen Sie sich für ein saniertes oder neu gestaltetes Kultur- und Schützenhaus?
  • Haben Sie Vorschläge für Angebote, die dort regelmäßig stattfinden könnten?

Auch die medizinische Versorgung spielt eine Rolle

Gerade bezüglich der Nutzung wird aber weiter gedacht. Da tauchen nicht nur Optionen wie mietbare Räume für Veranstaltungen, Treffpunkt für Jugendliche und/oder Senioren auf, sondern es geht beispielsweise auch um Angebote für die Gesundheitsvorsorge.

  • Würden Sie eine Gemeindeschwester oder soziale Anlaufstelle im Kultur-/Schützenhaus begrüßen?
  • Wie bewerten Sie aktuell die ärztliche Versorgung in der Gemeinde Neuzelle?

Doch es bleibt nicht bei der Umfrage. Die AG Schützenhaus lädt anschließend zu einer Ideenwerkstatt vor Ort ein, und zwar am 13. September 2025 ab 14 Uhr. An diesem Tag sind auch Führungen durch das Gebäude an der Bahnhofstraße geplant, bei denen sich Besucher einen Eindruck vom aktuellen Zustand der Immobilie verschaffen können. Auch für einen Imbiss wird gesorgt. Kaffee und Kuchen soll es geben.

Laut der Arbeitsgruppe wolle man im Rahmen der Ideenwerkstatt gemeinsam mit Einwohnern „über die Zukunft des Hauses ins Gespräch kommen, Ideen sammeln und konkrete Vorstellungen entwickeln“.

Junge Frau aus Neuzelle brachte Bewegung in den Lost Place

Es ist nicht das erste Mal, dass das Gespräch mit Einheimischen zur weiteren Nutzung gesucht wird. Leonie Ederer, die in Neuzelle aufgewachsen ist, hatte sich 2023 im Rahmen ihrer Abschlussarbeit des Architekturstudiums mit DDR-Kulturhäusern beschäftigt. Dem Kulturhaus an der Bahnhofstraße schenkte sie dabei eine besondere Aufmerksamkeit.

In der Immobilie realisierte die junge Frau die Ausstellung „Mit alt wird neu – Kulturhausgeschichten“ und lockte zahlreiche Einheimische und Besucher an, die nicht nur über die Vergangenheit, sondern auch über die Zukunft des Hauses philosophierten.

Nachdem sich 2024 herausgestellt hatte, dass das ehemalige Kulturhaus nun der Gemeinde gehört, erklärte Leonie Ederer: „Ich finde es super, dass die Gemeinde das Gebäude gekauft hat. Schon der Bau dieses Kulturhauses war ein Gemeinschaftswerk. Da haben viele Menschen aus Neuzelle Zeit und Geld investiert.“

Das leerstehende Objekt als Schrottimmobilie zu bezeichnen, dagegen wehrte sie sich vehement: „So etwas als Schrott zu bezeichnen, tut weh. Das Gebäude hat bei vielen in Neuzelle noch emotionalen Wert, es einfach kleinzureden, ist nicht richtig.“ Zudem betonte sie, dass ein bedeutender Anteil der baulichen Substanz noch gut erhalten sei und keineswegs aussichtslos verloren scheint. Fast scheint es so, als hätte Leonie Ederer den Stein ins Rollen gebracht.