Progroup Eisenhüttenstadt
: Weltrekord in Papierfabrik und was das mit Fußball zu tun hat

Mit geradezu unglaublicher Geschwindigkeit ist in Eisenhüttenstadt Papier produziert worden. Mal wieder ein Weltrekord bei der Progroup AG. Wie das gelingen konnte?
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Das Progroup-Team aus Eisenhüttenstadt, das den Weltrekord erreicht hat.

Progroup

Eisenhüttenstadt ist immer mal gut für Rekorde. Nun wurde ein neuer Weltrekord aufgestellt und zwischenzeitlich auch bestätigt. Die Progroup hat in der dortigen Papierfabrik mit der atemberaubenden Geschwindigkeit von 1.801 Metern pro Minute eine bestimmte Papiersorte produziert, und zwar über einen Zeitraum von 25 Stunden. Umgerechnet flitzte das Papier „WS 80g“ also mit mehr als 108 Kilometer pro Stunde über die Papiermaschine PM2.

Diese Geschwindigkeit sei bei der Herstellung dieses Papiers nie zuvor erreicht worden, teilt das Unternehmen mit. Es handele sich um einen neuen Weltrekord, wie auch der Hersteller der Papiermaschine inzwischen bestätigt habe.

Großer Dank an das Team der Progroup

„Fabelrekord“ nennt die Progroup das, was dort bereits am 21. Februar 2024 gelungen war. „Basierend auf einem ausgeklügelten Versuchsplan haben wir die Vorgehensweise für den Speedtest definiert“, erklärt Detlef Weidlich, Standortleiter in Eisenhüttenstadt. Das Ergebnis, also der Weltrekord sei „eine herausragende Leistung des gesamten Teams“ gewesen. „Meinen Dank an alle Kolleginnen und Kollegen, auf dieses Ergebnis könnt ihr sehr stolz sein!“

Detlef Weidlich erklärt weiter: „Es ist wie im Sport: Ein wichtiger Faktor ist die gründliche Vorbereitung und Planung. Wir hatten uns bereits seit Ende November überlegt, wann ein geeigneter Zeitpunkt sein kann. Dazu haben wir einen Plan aufgestellt, wie die Maschine eingestellt und gefahren werden soll, welche Risiken, wie zum Beispiel Stromspitzen, betrachtet werden müssen sowie weitere technologische Vorüberlegungen getroffen. Die notwendige Stabilität haben wir im Dezember 2023 und Januar 2024 erreicht.“

Was der Rekord mit Fußball zu tun hat

Und wie gute Fußballtrainer haben Weidlich und sein Team auch die Mannschaft für den Speedtest aufgestellt und vorbereitet, heißt es in der Mitteilung aus dem Unternehmen. „Nach einem Stillstand und dem Bespannungswechsel am 1. Februar sowie dem folgenden Einfahren, sind wir in der dritten Woche auf volle Geschwindigkeit gegangen. Danach noch ein Check, ob alle Voraussetzungen technisch und organisatorisch vorhanden sind — und dann einfach machen!“

Die 300 Meter lange Papiermaschine, die für die Herstellung leichter Papiere optimiert wurde, gelte mit einer Arbeitsbreite von 10,20 Metern bis heute in der Branche als Meilenstein bei der Herstellung von Wellpapprohpapieren, teilt die Progroup mit. Seit dem Jahr 2010 gibt es eine Papierfabrik der Progroup AG in Eisenhüttenstadt, wo mit der Papiermaschine PM2 sehr erfolgreich Wellpappe produziert wird. Es handelt sich um super–leichtgewichtige Papiere mit einem Flächengewicht von 58 bis 90 Gramm auf Altpapierbasis. Rund 650.000 Tonnen Wellpappenrohpapier verlassen die Papierfabrik PM2 pro Jahr.

Wie ein Airbus A380

An dem Standort werden rund um die Uhr gleichzeitig entweder vier Papierrollen à 2,50 Meter oder drei Papierrollen à 3,35 Meter produziert. Die Leistungs– und Ausstattungsmerkmale entsprächen denen von Maschinen im grafischen Bereich. Die PM2 werde mit der vierfachen Menge an Regel– und Steuerkreisen betrieben wie etwa ein Airbus A380.

Ein Mitarbeiter arbeitet im Werk der Papierfabrik der Progroup Paper PM2 GmbH in Eisenhüttenstadt.

Patrick Pleul/dpa

Die unter der Marke next fibre® vertriebenen Wellpappenrohpapiere haben trotz weniger Rohstoff– und Fasereinsatz die gleichen Festigkeitswerte wie klassische, schwere Qualitäten. Allein die Herstellung spare durchschnittlich bereits rund 50 Prozent Kohlendioxid ein, gegenüber herkömmlichen Papieren, so das Unternehmen. Hinzu kommt, die fertigen Wellpappformate und die daraus entstehenden Verpackungen sind leicht und dünnwandig und können — im Vergleich zu schweren Qualitäten — beim Transport bis zu 24 Prozent CO₂ einsparen.

Der jetzige Weltrekord ist nicht der erste aus Eisenhüttenstadt. Schon kurz nach dem Produktionsstart ging die Jagd auf Rekorde los.