Interview mit Pfarrerin: Warum sprach Gott zuerst mit Hirten?

Lebt in Ziltendorf: Pfarrerin Dr. Elisabeth Rosenfeld.
Gerrit FreitagFrau Dr. Rosenfeld, was ist denn die Botschaft des Engels?
Der Engel überbringt den Hirten die gute Nachricht, dass in der Nähe in einem Stall der Heiland geboren ist. Dies altmodische Wort „Heiland“ sagt schon, worum es geht: Um den Sohn Gottes, der die Welt heilen soll.
Der Engel spricht vom „Retter“, es ist „Christus, der Herr“. Aber warum spricht Gott zuerst mit den Hirten?
Gott will damit – wie auch mit der Geburt im Stall – zeigen, dass er den Armen und Schwachen helfen will. Die Hirten standen zur Zeit Jesu am Rande der Gesellschaft, und genau deshalb geht der Engel zu ihnen und nicht zum Dorf–Bürgermeister. Gott wollte die gesellschaftlichen Verhältnisse auf den Kopf stellen. Heute würde er sicher den Engel zu Weihnachten bei uns nicht in die Kirche schicken, sondern zu denen, die einsam zu Hause sitzen.
Im Stall erfuhren viele ja jetzt erst, um wen es sich bei den Knaben handelt: „...sie staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde.“ Aber seit wann wusste Maria von dem Auftrag ihres Sohnes?
Maria wusste das die ganze Schwangerschaft über. Sie hatte es auch von einem Engel erfahren. Aber was das bedeutet, ist ihr frühestens mit der Geburt Jesu bewusst geworden.
Welche Bedeutung hat Heiligabend in unserer Zeit? Johannes hat das Jesus–Wort überliefert: „Ich bin der Weg und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“
Für mich ist Gott kein höheres Wesen, das irgendwo im Himmel wohnt, sondern er hat sich auf die Erde begeben, um uns selber Verantwortung zu übertragen. Er hat uns in Jesus gezeigt, wie wir gut und menschenfreundlich leben können. Jedes Jahr zu Weihnachten feiern wir das.
