Punkt 11 Uhr sollen am Donnerstag die Sirenen in den Kommunen losheulen. Dann ist der erste bundesweite Warntag. Die Frage ist nur, welche Sirenen sollen ertönen? Denn längst nicht überall gibt es welche. Beispielsweise Eisenhüttenstadt, Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und sogar Fürstenwalde sowie Erkner sind sirenenfrei. Etliche der Warnmeldeanlagen wurden nach der Wende abgebaut. „Ich kann mich noch daran erinnern“, sagt Michael Lyszczok, Amtswehrführer in Brieskow-Finkenheerd. „Der Kreis hat die damals von den Dächern holen lassen.“ Im Falle eines großen Brandes würde er Sirenen zur Warnung der Bevölkerung aber sehr gern einsetzen, sagt er.

Kosten für Sirenen waren zu hoch

Auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung bestätigt Christian Strauch: „Es stimmt, das Netz war damals größer.“ Vor allem aufgrund der hohen Kosten für die Wartung der Anlagen habe man sich entschieden, das Sirenennetz zurückzubauen. „Das Land hat das damals sogar gefördert.“ Die Gefährdungslage sei nach dem Ende des Kalten Krieges zudem anders eingeschätzt worden, der Abbau ein Prozess gewesen.
Michael Lyszczok erzählt, dass es zu DDR-Zeiten zwei bis drei solcher Sirenen in den Orten gegeben habe. In seinem Amtsbereich ertönen nach Kreisangaben offiziell keine Sirenen mehr. Der Amtswehrführer erklärt aber, dass es zumindest noch zwei gebe: in der Thälmann-Siedlung und in Vogelsang. Allerdings würden diese über die Leitstelle in Frankfurt gesteuert und nicht von der Kommune selbst. Ob diese zwei Anlagen am Donnerstag heulen? Er könne das nicht mit Sicherheit sagen, meint er. Schließlich würden dann automatisch alle Feuerwehrleute aktiviert.

Probelalarm der Leitstelle um 11.22 Uhr

Aus dem Amt Neuzelle berichtet Wehrführer David Schulz, dass bis auf Neuzelle selbst und bis auf Ossendorf noch Sirenen in den Orten vorhanden seien. Dort würden am Donnerstag Mitglieder der Feuerwehren stehen, um zu kontrollieren, ob und wie die Sirene funktioniert. Theoretisch sollten da keine Probleme auftreten: „Es gibt ja jeden ersten Mittwoch im Monat um 18 Uhr einen Probealarm der Regionalleitstelle.“ Schulz erklärt noch mal, dass der Sirenenton am Donnerstag um 11 Uhr starten soll – mit einem auf- und abschwellenden, einmütigen Warnton, wie man ihn bei Feuerwehreinsätzen hat, um 11.20 Uhr gebe es dann Entwarnung durch einen einminütigen Dauerton. Um 11.22 Uhr stehe zudem ein Probealarm der Leitstelle an.

Ortschaften im Schlaubetal haben Sirenen

Dieser Alarm um 11.22 Uhr wird auch im Schlaubetal zu hören sein, sagt Marcel Lehmann, der dortige stellvertretende Amtswehrführer. Die Töne davor hingegen nicht. zwar seien alle Ortschaften mit mindestens einer Sirene ausgestattet, diese können aber am Donnerstag in der ersten Runde nicht ertönen, weil die Sirenensteuergeräte nicht den aktuellen technischen Richtlinien entsprechen würden. „Wir wollen aber nachrüsten, sodass sie beim nächsten Warntag erklingen können.“
Zu DDR-Zeiten gab es neben dem entwarnenden Dauerton, einen Feueralarm (eine Minute lang, 3 mal 15 Sekunden Dauerton mit 5 Sekunden Pause dazwischen), einen Katastrophenalarm (30 Sekunden Dauertöne mit 10 Sekunden Pause dazwischen, insgesamt drei Minuten), einen Atom- und Luftalarm (drei Minuten auf- und abschwellender Ton in Fünf-Sekunden-Intervallen) sowie einen Chemischen Alarm (10 Sekunden Dauerton, dazwischen 15 Sekunden Pause, insgesamt drei Minuten). Dazu wurden Handlungsanweisungen herausgegeben.

10.000 Mal Nina in Oder-Spree

„Wüssten Sie, was Sie bei einem Sirenenalarm heutzutage machen müssen?“, fragt ein Feuerwehrmann aus Eisenhüttenstadt. Die meisten wüssten es nicht. Da sei in den vergangenen Jahren vieles vernachlässigt worden, findet er. In Eisenhüttenstadt werde es jedenfalls am Donnerstag keinen Sirenenalarm geben. Die vorhandene Anlage auf dem Schlauchturm vom Löschzug Fürstenberg ist laut Rathaus nicht funktionsfähig, weil sie im Zuge der Digitalisierung von Alarmketten innerhalb der Feuerwehren abgeschaltet worden sei.
Unabhängig von den Sirenen sollen Warn-Apps wie Nina anschlagen. Nach Angaben der Kreisverwaltung sei diese in Oder-Spree auf zirka 10.000 Endgeräten installiert. Insgesamt leben im Kreis 140.000 Menschen. Wer kein Smartphone hat, könnte im Radio gewarnt werden oder durch Lautsprecheransagen eines Feuerwehrautos. „Ja, wir haben so einen Einsatzwagen“, sagt Amtswehrleiter David Schulz. Aber der komme am Donnerstag nicht zum Einsatz.

1. Bundesweiter Warntag


Die Bundesregierung hat für den 10. September Hinweise herausgegeben:

„1. Was passiert am Warntag?  Um 11 Uhr werden alle verfügbaren Warnmittel ausgelöst und eine Probewarnung von der Warnzentrale herausgegeben, die über wichtige Verteiler verschickt wird. um 11.20 Uhr erfolgt die Entwarnung.
2. Wie wird gewarnt?  Über Sirenen, Warn-Apps wie NINA, Radiosender, Fernsehsender, lokale Werbetafeln, Fahrgastinformationssysteme und online z.B. unter www.warnung.bund.de
3. Muss ich mich vorbereiten? Nein. Damit Sie aber vorab gut informiert sind, erkundigen Sie sich, welche Warnmittel Ihre Kommune auslöst. Informieren Sie auch Freunde und Angehörige.“ red

https://warnung-der-
bevoelkerun
g.de