Mit einem Marsch durch die Stadt und einer anschließenden Kundgebung haben am Donnerstag mehrere Hundert Mitarbeiter der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH und weiterer Unternehmen die Unterstützung der Politik bei der Zukunftssicherung der Stahlstandorte in Eisenhüttenstadt und in ganz Deutschland eingefordert. Der Aktionstag stand unter dem Motto „Unser Herz aus Stahl hat eine grüne Zukunft“ und wurde von der IG Metall Ostbrandenburg veranstaltet.
Luca Hoffmann ist „EKOianer“ der dritten Generation. Oder besser gesagt: Der 18-Jährige ist dabei, einer zu werden. Seine Großeltern haben als Elektriker im EKO gearbeitet und sich dabei auch kennengelernt. Seine Mutter war Kran- und Gabelstaplerfahrerin im Werk. Und er selbst, von Geburt an Eisenhüttenstädter, hat im September bei ArcelorMittal eine Ausbildung zum Industriemechaniker begonnen. „Ich fühle mich wohl in Eisenhüttenstadt“, betont Luca, der im Ortsteil Fürstenberg (Oder) lebt. „Ich wollte auf jeden Fall bei ArcelorMittal meine Ausbildung machen und ich möchte nach der Lehre auch hier im Werk arbeiten.“
Damit er hier am Stahlstandort Eisenhüttenstadt auch tatsächlich eine berufliche Perspektive hat, reiht sich Luca Hoffmann am Donnerstag ein in den Demonstrationszug Hunderter Metaller. Am Stahlaktionstag, initiiert von der IG Metall Ostbrandenburg, ziehen Mitarbeiter von ArcelorMittal gemeinsam mit Beschäftigten anderer Unternehmen, die auf dem großen EKO-Gelände ihren Sitz haben, vom Tor 2 in der Grubenbahnstraße zur Grünfläche am Denverbrunnen, wo seit den 1990er-Jahren die große schwarze Stahlbramme mit der Aufschrift „Dieser Stahl ist hier gekocht. So wird es bleiben“ steht – als Symbol für den gemeinsamen Kampf um den Erhalt des Stahlstandortes Eisenhüttenstadt.

Metaller fordern faire Wettbewerbsbedingungen

„Stahl ist Zukunft!“, rufen die Frauen und Männer, die mit dem Marsch und der anschließenden Kundgebung eine aktive, eine verlängerte Mittagspause gestalten und keinen Streik durchführen, wie Holger Wachsmann von der IG Metall betont.  „Stahl ist Zukunft“ ist auch auf vielen roten Alltagsmasken im Demonstra­tionszug zu lesen, welcher für kurze Zeit den Fahrzeugverkehr auf der B 112 lahmlegt. Und auf Klatschpappen, die von den Metallern mitgeführt werden.
„Wir brauchen eine Lobby der deutschen und europäischen Stahlindustrie in der Europäischen Union“, betont Eisenhüttenstadts Bürgermeister Frank Balzer in seinem Grußwort an die Metaller. Denn die ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH steht vor großen Herausforderungen: Spätestens 2050 soll auch hier Stahl klimaneutral produziert werden. Mit ihrem Aktionstag, der unter dem Motto „Unser Herz aus Stahl hat eine grüne Zukunft“ steht, bekennen sich die Metaller dazu. Allerdings: Um einerseits dieses Ziel erreichen und andererseits die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlin­dustrie in Deutschland erhalten zu können, sind aber faire Wettbewerbsbedingungen und eine erhebliche Unterstützung der Bundesregierung und der Europäischen Union nötig.
Konkret werden am Donnerstag Hilfen bei den nötigen Investitionen sowie Maßnahmen für den Schutz vor einer möglichen Überschwemmung des europäischen Marktes mit billigem, klimaschädlich produzierten Stahl aus anderen Teilen der Welt gefordert. „Wir brauchen keinen Stahl aus China oder Russland, der schmutzig ist und der unter deutlich schlechteren Arbeitsbedingungen produziert worden ist als hier bei uns“, so Frank Balzer.

Stahlmarkt muss vor Billigimporten geschützt werden

Auch Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall, betont, dass der europäische Stahlmarkt geschützt werden müsse. Es sei richtig, dass auch die Stahlindustrie einen Beitrag leisten müsse zur Kohlendioxidreduzierung. Dafür seien „sehr schnell Innovationen und Investitionen nötig“ und es müsse Geld fließen für Forschung und Entwicklung. Aber: „Wenn wir hier Vorreiter sind und dann alles billiger kommt aus Asien, dann ist das kein Weg in die Zukunft.“
Dass die Landesregierung zur Stahlindustrie im Land steht, betont Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). „Ihr müsst hier bleiben, müsst hier produzieren“, ruft er den Metallern zu. Die Umstellung auf eine klimaneutrale Stahlproduktion werde „ohne Unterstützung und staatliche Beihilfen nicht gelingen“ – das wisse die Landesregierung. „Wir werden uns bemühen, dafür Geld aus der Europäischen Union hierher zu holen.“

Minister lädt Betriebsrat zum Gespräch ein

Spontan lädt Minister Steinbach für die Woche ab dem 12. Oktober den Betriebsrat der Ferrostaal Maintenance Eisenhüttenstadt GmbH zu einem Gespräch in sein Ministerium nach Potsdam ein. In dem Unternehmen droht wegen einer geplanten Betriebsveränderung der Verlust etlicher Arbeitsplätze. Nach den Plänen der Gesellschafter solle das Unternehmen künftig keine Schlosserdienstleistungen mehr für ArcelorMittal und andere Unternehmen durchführen, erläutert Mirko Christoph vom Ferrostaal-Betriebsrat am Rande der Kundgebung. „Damit drohen im Unternehmen ein Stellenabbau und außerdem die Tarifflucht – auch deshalb sind wir heute auf der Straße.“
Begonnen hatte der Stahlaktionstag am Vormittag mit einer Aktion der IG-Metall-Jugend. Auszubildende und junge Beschäftigte forderten vor allem die Sicherung der Ausbildung und des dualen Studiums auch während der aktuellen Corona-Krise. „Wenn ich sehe, wie viele Jugendliche heute hier sind, ist mir um die Zukunft des Stahlstandortes Eisenhüttenstadt nicht bange“, kommentierte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach das Engagement der jungen Leute. Und er betonte: „EKO Stahl muss Ausbildungsbetrieb bleiben!“