Natürlich schreibe ich noch Briefe und Postkarten." Für Christina Chvosta aus Eisenhüttenstadt ist es selbstverständlich, dass sie hin und wieder zum Stift greift und jemandem Grüße schickt, und zwar nicht nur aus dem Urlaub. "Ich gehe dann auch zum Briefkasten, meist zu dem an der Post, und stecke sie selbst ein." Doch es gibt immer mehr Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Briefmarke in der Hand hatten. E-Mails und Kurznachrichten auf dem Smartphone haben längst den Siegeszug angetreten und verdrängen Nachrichten auf dem traditionellen Postweg.
Die Briefmengen gehen zurück
"Bei mir sind es fast nur noch Rückantworten an Behörden, die ich zum Briefkasten bringe und Postkarten aus dem Urlaub", berichtet Rosi Schneider. Außerdem habe ihre Tochter jüngst ganz traditionell Bewerbungsunterlagen verschickt.
"Die beförderten Briefmengen sind in den letzten Jahren rückläufig – wir beobachten einen Rückgang der Briefvolumina und gehen davon aus, dass diese Entwicklung anhalten wird", bestätigt Anke Blenn von der Pressstelle der Deutschen Post DHL in Berlin. Aktuell befördere die Deutsche Post bundesweit täglich rund 57 Millionen Briefsendungen. Davon sind seien zirka 6.Prozent Sendungen von Privatpersonen an Privatpersonen und rund 8.Prozent von Privatpersonen an gewerbliche Kunden/Behörden. "Die Mehrzahl der Briefe wird damit von gewerblichen Absendern verschickt."
Doch wenn immer weniger Briefe verschickt werden, sinkt dann auch die Zahl der Briefkästen? Gegenwärtig sind nach Angaben von Anke Blenn keine Veränderungen des bestehenden bundesweiten Briefkastennetzes geplant. In Einzelfällen könne es – wie im Falle von örtlichen Baumaßnahmen – jedoch notwendig sein, im betreffenden Bereich befindliche Briefkästen vorübergehend außer Betrieb zu nehmen. "Sollte ein Briefkasten aus bestimmten baulichen Gründen nicht mehr am bisherigen Ort wieder aufgestellt werden können, sucht die Deutsche Post im nahen Umfeld nach einem Ersatzstandort", teilt sie mit.
Bundesweit unterhält die Deutsche Post aktuell rund 110.000 .Briefkasten-Standorte. Detailzahlen für einzelne Städte, Landkreise oder Bundesländer gibt es aus der Pressestelle nicht. Aber, das betont Anke Blenn, unabhängig von der tatsächlichen Auslastung halte die Deutsche Post die Vorgaben zur Grundversorgung mit Briefkästen in allen Regionen konsequent ein und stelle damit für alle Kunden bundesweit möglichst kurze Wege zum nächstgelegenen Briefkasten sicher. Die Pressesprecherin erklärt: "Der Gesetzgeber gibt der Deutschen Post bei der Gestaltung des Briefkastennetzes vor, dass für die Kunden der nächstgelegene Kasten in zusammenhängend bebauten Wohngebieten in maximal 1000 Metern erreichbar sein muss."
Wer wissen möchte, wo ein Briefkasten steht, der kann auf der Internetseite www.postfinder.de suchen. Gibt man dort Eisenhüttenstadt ein, tauchen 50 Einträge auf. Allerdings treffen nur 23 davon tatsächlich auf Briefkästen zu, die in der Stadt und den Ortsteilen zu finden sind. Wobei Rechtschreibfehler nicht ausgeschlossen sind. So ist zum Beispiel von der "Cottbusser Straße" die Rede und von der "Diehlower Straße". 27 Einträge listen die Briefkästen im Umland auf, von Göhlen bis Fünfeichen.
Der Weg führt über Berlin
Einmal pro Werktag, also von Montag bis Sonnabend, werden die Briefkästen mindestens geleert – auch auf dem Land, erklärt die Pressesprecherin. "Ein Brief, der beispielsweise vor 17.30 Uhr in Eisenhüttenstadt in den Briefkasten Straße der Republik 26 eingeworfen wird, erreicht – zu statistisch 93 Prozent – bereits am folgenden Werktag seinen Empfänger in Frankfurt (Oder). Damit das überhaupt funktionieren könne, habe die Post in den 1990er-Jahren ihre Brieflogistik gänzlich neu aufgestellt, informiert Anke Blenn. Herzstück seien bundesweit 82.Briefzentren. Die Brieflogistik für das östliche Brandenburg, den Postleitzahlenbereich 15 – und damit auch Eisenhüttenstadt und der Landkreis Oder-Spree – werde über das Briefzentrum Berlin-Schönefeld abgewickelt.