"Der Sommer 2019 ist zwar nicht so konstant heiß gewesen wie 2018, aber der Juni war für uns mit seiner extremen Wärme und Trockenheit der ,Killer-Monat‘, sagt Stefan Rothe, der gemeinsam mit Roman Reincke die Geschäfte führt. Das Klima hätte sich auf alle Kulturen negativ ausgewirkt.
Folge: Die Ernteergebnisse sanken allesamt deutlich unter den fünfjährigen Jahresdurchschnitt. So etwa brachte die Gerste nur 58 Doppelzentner je Hektar Ertrag (-12 Prozent). Normal sind 66 Doppelzentner je Hektar. Verluste gibt es zu beklagen beim Weizen mit 65,58 Doppelzentnern je Hektar (-15 Prozent) und Raps mit etwas mehr als 25 Doppelzentnern pro Hektar (-30 Prozent).
Beim Silo-Mais, der Ende Juni wegen der Hitze bereits am Absterben war, erzielte die Bauerngesellschaft nur 30 Tonnen je Hektar (-20 Prozent). Das Agrarunternehmen produziert mit rund 2500 Kühen in einer 2015 bei Wiesenau neu gebauten Milchviehanlage bis zu 27 Millionen Kilogramm Milch pro Jahr. Neben Gerste-Körnern als Zugabe sind kurz gehäckselter Mais aus dem Silo, Gras und Luzerne die eigentlichen drei Hauptfutter-Komponenten der Tiere.
Mais-Reserve zu gering für 2020
Die erneuten Ernteverluste schmälern hier  – neben dem Betriebsergebnis  – mehr  und mehr die Arbeitsabläufe, denn "der Anbau des Silo-Maises für die Kühe und die Biogasanlage wird nicht reichen", weiß Stefan Rothe. "Wir kommen nicht bis zur nächsten Maisernte im September 2020, weil wir wegen der schlechten Ernte 2018 schon weniger Vorrat hatten. Die Silo-Mais-Reserve genügte damals für drei Monate, halbierte sich jedoch, sodass die Mais-Vorräte ab jetzt keine 13 Monate mehr reichen. "Uns fehlen 6000 bis 7000 Tonnen Mais", sagt er.
Da die Milchwirtschaft das Hauptgeschäft bildet, planen die Geschäftsführer, den Mais komplett an die Kühe zu verfüttern. Folglich müssen in der Biogasanlage, die hauptsächlich mit Gülle, Stalldung und bisher Mais betrieben wird, die fehlenden 6000 bis 7000 Mais Tonnen ersetzen werden. Stefan Rothe: "Wir können alternativ Weizen oder Gerste, die für den Verkauf vorgesehen waren, in der Biogasanlage mit einsetzen." Einnahmen, die fehlen werden.
Künstliche Beregnung ist teuer
Hitze und Dürre bescherten der Bauerngesellschaft allein beim Mais einen Umsatzverlust von knapp 300­ 000 Euro und lösen auch sonst höhere Betriebskosten aus. Beispiel Beregnungsanlagen: Mit diesen bewässert das Agrarunternehmen aktiv 300 Hektar von insgesamt 4200 Hektar Gesamtfläche. Das schlägt sich in relativ hohen Diesel-Kosten für die Pumpen nieder, die das Wasser aus Brunnen befördern. Ein Liter Beregnung pro Quadratmeter kostet zwei Euro. "Mit der Beregnung sichern wir unser Feldgras", sagt Geschäftsführer Roman Reincke, während das normale Grünland einen schwachen Ertrag abwarf.
Wie könnte man die Ernteverluste ausgleichen? "Wenn man so eine Witterung wie 2018 und 2019 hat,",sagt Stefan Rothe, "bekommt man die Defizite nicht dauerhaft ausgeglichen. Wir hoffen, dass das Jahreseffekte gewesen sind. Wenn dies künftig das Wetter hier bei uns werden wird, na dann ,Gute Nacht‘".
Stefan Rothe und Roman Reincke überlegen, ob sie "zur Absicherung der Tier-Fütterung noch in weitere Beregnungsanlagen für einen Teil der Maisfelder investieren."