Leihgabe im Gepäck: Ururenkel übergeben Erinnerungsstück der Schlaubetaler Forstgeschichte
Nachfahren des Forstmeisters Wilhelm Reuter (1836—1913) haben jetzt das Schlaubetal besucht und an den Familiengräbern auf dem Försterfriedhof Siehdichum ihrer Ururgroßeltern gedacht. Im Schlaubetal finden sich noch heute Spuren Wilhelm Reuters, namentlich der von ihm 1891 angelegte Försterfriedhof Siehdichum. 1870 erhielt er die unter dem Ministerium für geistliche Angelegenheiten stehende, vom Staat verwaltete Oberförsterei Siehdichum verliehen. Dazu gehörten die Bezirke Schönfließ, Fünfeichen, Kupferhammer, Rautenkranz, Riessen und Callinenberg. Die Gewinne wurden für Kirche und Schulen verwendet. Neben den Kiefern– und Eichenbeständen widmete er sich der Fischwirtschaft im Schlaubetal, denn er hatte zahlreiche Gewässer aus dem Bestand des Stiftes Neuzelle gepachtet. Aus der Fischwirtschaft erzielte er beträchtliche Einnahmen.
Letzte Ruhe auf Försterfriedhof
Sein Bestreben, dass Wasser so weit wie möglich in der Landschaft zu halten, entspricht vollkommen den heutigen Auffassungen. Zu Reuters Verdiensten gehört beispielsweise die Klärung der Lebensweise und der Fortpflanzung des Zanders, über die damals noch ziemliche Unklarheit herrschte. Er starb 1913 und wurde auf dem Försterfriedhof beerdigt.
Die beiden Ururenkel sind Bruder und Schwester, sie wurde von ihrer Tochter bei dem Aufenthalt im Schlaubetal begleitet. Dabei sprachen sie auch mit der Heimatgruppe Schernsdorf. In der Heimatstube überreichten sie der Schernsdorferin Gudrun Hänschen als Dauerleihgabe ein rund 24 cm langes Jagdmesser — die Klinge bringt es auf elf cm — aus dem Nachlass von Wilhelm Reuter. Der Griff zeigt auf der einen Seite die Angabe „Forstm Reuter“, auf der anderen die Jahreszahl 1895. Der Schriftzug sei sicher als Forstmeister Reuter zu lesen, erläuterte Gudrun Hänschen, sie leitet die dortige Sammlung und ist Sprecherin der Heimatgruppe.
Angaben zur Jahreszahl sind nicht überliefert. Denkbar wäre, dass es eine Gabe für Wilhelm Reuter anlässlich seines 25–jähriges Dienstjubiläums war.
Der Ururenkel war bereits vor einigen Jahren einmal in der Region und hatte Siehdichum besucht, die Kenntnis vom Wirken Wilhelm Reuters ist in der Familie noch präsent. Wer sich für den Forstmeister und sein Jagdmesser interessiert, kann sich an die Heimatstube wenden, lud Gudrun Hänschen ein. Die Heimatgruppe Schernsdorf trifft sich Anfang November wieder zu einer Versammlung im Forsthaus Siehdichum; ein wichtiger Beitrag zur Heimatpflege ist der alljährliche Arbeitseinsatz der Heimatgruppe auf dem Försterfriedhof. Auch 2019 wird die Anlage in den Tagen vor dem Ewigkeitssonntag, allgemein auch als Totensonntag bezeichnet, gereinigt.
Dieses Datum dient in den evangelischen Kirchen dem Gedenken an die Verstorbenen, es ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr und somit auch der letzte Sonntag vor dem ersten Advent. Der Tag wird üblicherweise Ende November begangen. Rund zehn Freiwillige der Heimatgruppe säubern daher meistens am Novemberanfang den Försterfriedhof und schmücken die alten Gräber.



