Lernen in Eisenhüttenstadt: Denkmalgeschützte Grundschule Erich Weinert feiert 70. Geburtstag

Die Grundschule Erich-Weinert in Eisenhüttenstadt feiert am 1. Oktober ihr 70-jähriges Bestehen: Zu den Besonderheiten dieser im Stil der nationalen Bautradition der 1950er-Jahre errichteten Schule gehören unter anderem fünf Keramik-Brunnen unter anderem mit Märchenmotiven. Diese hatten von 1953 bis 1957 Heiner-Hans Körting und Walter Wichmann aus der Keramik-Werkstatt Dornburg geschaffen.
Hagen BernardAm 1. Oktober feiern Lehrer, Schüler und viele Ehemalige 70 Jahre Grundschule Erich Weinert in Eisenhüttenstadt. Eigentlich wurde diese innerhalb eines Jahres errichtete Schule bereits am 1. September 1954 als Oberschule II eröffnet. „Aus organisatorischen Gründen ging es nicht anders. Nach den Sommerferien benötigten wir einen Monat Vorbereitungszeit“, erklärt Schulleiterin Katja Knespel. Derzeit werden in dieser seit 1991als reine Grundschule betriebenen Einrichtung 295 Schüler in zwölf Klassen von 19 Lehrern unterrichtet.
Großer Schultanz mit allen Schülern
Die Feier ist von 14 bis 17 Uhr geplant. Unter anderem werden die Erst- bis Sechstklässler eine großen Schultanz auf dem Hof aufführen, finden zwei geführte Besichtigungen statt, gibt es ein Streicherkonzert, werden Theater-Stücke aufgeführt, sind Spiele von gestern und heute geplant, ist ein Raum mit Erinnerungs-Gegenständen eingerichtet und wird eine Hüpfburg aufgebaut. Dazu wird bei Kaffee, Kuchen, Grillwürstchen, roter Brause, einem Pizzawagen und Erlesenes aus der DDR auch für das kulinarische Wohl gesorgt.
Interessante Architektur und Innenausstattung
Ein Rundgang durch die Schule lohnt sich auch für welche, die keinen direkten Bezug zu dieser Einrichtung haben. Laut der langjährigen Eisenhüttenstädter Stadtplanerin Gabriele Rogge-Haubold hatten die ersten vier Schulen in der Planstadt (heutige Gesamtschule, Gymnasium, Astrid-Lindgren-Grundschule, Grundschule Erich Weinert) einen ganz individuellen Zuschnitt erhalten, sind kein Typen-Bau.
Architektonisch errichtet im Stil der nationalen Bautradition der 1950er-Jahre, weist auch die Innenausstattung viele Besonderheiten auf. Nicht umsonst wurde im Frühjahr 2017 ein Teil des Films „Das Schweigende Klassenzimmer“ im heutigen Raum 117 gedreht, der unter anderem mit den holzverkleideten Heizkörpern die Aura der 1950er-Jahre ausstrahlt.
Trinkbrunnen mit Märchenmotiven
Auffällig sind die mit Terrakotta-Fliesen ummantelten Pfeiler im Erdgeschoss mit unterschiedlichen Motiven aus Flora und Fauna, unter anderem Meerestieren, Unterwasserwelt, Hecht und Frosch. Ins Auge fallen die fünf Keramikbrunnen mit den Märchenmotiven aus Hänsel und Gretel, Frau Holle, Froschkönig, Frau Holle und Bremer Stadtmusikanten und einem Aquarium-Motiv.

Die Anfänge: Schulleiterin Katja Knespel blättert in der Schulchronik.
Hagen Bernard„Jede Schule musste einen Trinkbrunnen haben. Wahrscheinlich wurden sie später aus hygienischen Gründen stillgelegt, schließlich gab es dann ja auch die Schulmilch. Bei der Motivwahl haben pädagogische Gesichtspunkte den Ausschlag gegeben“, erklärt Gabriele Rogge-Haubold, die mit ihren Eltern aus dem damaligen Karl-Marx-Stadt nach Eisenhüttenstadt gekommen war und damit zu den ersten Bewohnern dieses Ortes gehört. Bereits vor der Wende wurde dieses Gebäude mit seiner Innenausstattung unter Denkmalschutz gestellt.
Seit 1964 mit dem Ehrennamen Erich Weinert
Aus allen Teilen der Republik kamen damals auch die 27 Lehrer, die Handarbeitslehrerin, der Pionierleiter und die 585 Mädchen und Jungen in den 24 Klassen. Das war der Beginn mit einer Aula, einer Turnhalle und einem Speisesaal. Die Schule hat eine wechselvolle Geschichte. Im zehnten Jahr ihres Bestehens erhielt sie den Ehrennamen Erich Weinert.
Der 1953 verstorbene Schriftsteller und Schauspieler hat unter anderem das als Schullektüre verwendete Gedicht „John Schehr und Genossen“ verfasst und die aus der Fibel bekannte lustige Segelbootpartie mit der Familie Igel geschrieben. Er wirkte als Propagandist für die Sowjetunion, war ab 1943 Präsident des Nationalkomitees Freies Deutschland und ab 1946 Vizepräsident der Zentralverwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone.
Olympiasieger Udo Beyer spielte hier Handball
Auch Kultur und Sport spielen eine Rolle. So rief der langjährige Schulleiter Volker Kamolz das Projekt Streicherklasse ins Leben, in dessen Rahmen Fünft- und Sechstklässler das Geigen- und Cello-Spiel erlernen und auch regelmäßig auftreten. Auch gute Sportler sind dort groß geworden. Unter anderem spielte in der Schülermannschaft der 1976-er Kugelstoß-Olympiasieger Udo Beyer Handball, gehörten zu seiner Mannschaft auch die in Eisenhüttenstadt vielfach aktiven Peter Hammer und Bertram Kahlisch. Geher Udo Schaeffer brachte es bis zu Länderkämpfen mit der DDR-Auswahl über 50 Kilometer und ist als Mittsiebziger immer noch Titel-Anwärter bei Deutschen Meisterschaften.
Auch beeinträchtige Kinder dürfen hier lernen
Seit einem Jahr leitet die in Steinsdorf aufgewachsene Katja Knespel diese Schule. Die Spezialistin für Sonderpädagogik hatte zuvor an der Förderschule in Fürstenwalde gearbeitet. Seit Anfang der 1990er-Jahre können auch körperlich beeinträchtigte Kinder an dieser Grundschule lernen. So ist dort eine Auffahrrampe für Rollstuhl-Fahrer, ein Fahrstuhl und ein behindertengerechtes WC eingerichtet.

