Lindenallee: Die Magistrale am Leben halten
Mit einer Tüte der Chocolata–Filiale in der Lindenallee verlässt Inge Fritzschke zufrieden die Confiserie. Die 86–Jährige hat nach einem Geburtstagsgeschenk gesucht und ist auch fündig geworden. Aus ihrer Tüte fischt sie eine von durchsichtiger Plastikfolie überzogene Zusammenstellung verschiedener Süßigkeiten. „Käsemaus und Käsegebäck“, erläutert die Eisenhüttenstädterin, die von der Magistrale aus keinen weiten Heimweg hat und deswegen gerne zum Bummeln dorthin herkommt.
Schade findet sie, dass sich in der vergangenen Zeit viele schöne Geschäfte aus der Magistrale verabschiedet haben. „Wir hatten es schon einmal besser“, so drückt es die 86–Jährige aus. Die Ladenfläche gleich gegenüber von der Chocolata–Filiale steht schon seit fast zwei Jahren leer. In dem Kosmetiksalon, der sich einst dort befunden hat, hat sich auch Inge Fritzschner häufig verwöhnen lassen.
Nun hat auch Dietmar Felscher angekündigt, seinen Haushaltswarenladen in diesem Jahr aus Altergründen schließen zu wollen. Einige Interessenten hat der 64–Jährige gehabt. „Doch daraus ist nichts geworden.“ Obwohl es den gebürtigen Beeskower auch etwas traurig macht, den Laden aufzugeben, freut er sich durchaus auf etwas Ruhe. Der Einzelhandel sei mit der Zeit nicht leichter geworden. „Man muss den Nerv der Kunden treffen.“ Regelmäßig hätten er und seine Mitarbeiter sich deswegen auf Messen über aktuelle Trends informiert. Da hätten auch seine Mitarbeiterinnen ein gutes Fingerspitzengefühl bewiesen, lobt der Geschäftsführer. Auch mit Aktionen versucht er Kunden zu locken und so dem Internethandel zu trotzen.
Verlässt der Haushaltswarenladen die Magistrale, trifft das auch andere Händler. Davon ist Doreen Dehne, Geschäftsführerin des Buchhandels Jachning überzeugt. Weniger Geschäfte, die zum Bummeln einladen, hätten auch weniger Kundenströme zur Folge. „Trotz guter Lage“, sagt sie und nennt etwa die kostenlosen Parkplätze, gepflegten großen Bürgersteige, die sowohl rollstuhl– als auch kinderwagengerecht seien. Diese Top–Lage will auch die Gebäudewirtschaft (Gewi) am Leben halten, wie Geschäftsführer Oliver Funke betont. Doch auch hier mache sich die demographische Entwicklung bemerkbar. „Eisenhüttenstadt schrumpft.“ Das habe auch Auswirkungen auf den Handelsstandort. Am wichtigsten sei ihm hingegen, langfristige Mieter für die leeren Flächen zu finden. „Wir setzen eher auf Qualität als auf Quantität.“
Die Inhaberin des Kindermodegeschäfts gleich neben der Chocolata–Filiale hat ihr Geschäft zum Beispiel nur zwei Jahre nach Eröffnung wieder geschlossen. Gähnende Leere herrscht seit fast zwei Jahren auch dort, wo sich einst der Kosmetiksalon befunden hat. Mit Interessenten sei die Gewi jedoch im Gespräch, wie Oliver Funke sagt.

