Lindenallee: Laufkundschaft wird vermisst
Allein bei der Gewi gibt es aktuell zwei leere Geschäfte, ein drittes kommt hinzu, wenn in einigen Wochen ein Haushalts- und Geschenkeartikelladen seine Pforten schließt. Wieder ein treuer Mieter weniger, und vor allem ein Kunden-Magnet.
„Klar, ist das schade. Und natürlich macht man sich da Sorgen. Wenn jemand geht, spüren das die anderen Einzelhändler auch“, betont Doreen Dehne (42), Chefin vom Buchhaus Jachning, das nach gut 50 Jahren gar nicht mehr wegzudenken ist aus der einstigen Prachtstraße der Planstadt. Doch gleich neben dem Buchladen steht ein Laden seit etwa zwei Jahren leer. "Früher sind die Kunden von dort auch mal zu uns rübergekommen“, sagt sie, zuckt resigniert mit den Schultern und schaut auf die andere Straßenseite, wo vor einigen Monaten ein Geschäft für Kindertextilien geschlossen hat. „Hier fehlt einfach die Laufkundschaft“, findet Doreen Dehne. „Schön wäre es, wenn die Menschen hierherkommen würden, um zu schlendern. Doch dazu braucht es auch die Angebote.“ Und ja, hin und wieder sei ihr schon der Gedanke gekommen, aufzugeben und sich woanders einen Standort zu suchen. „Aber wo denn? Das hier ist nun mal die Einkaufsstraße von Eisenhüttenstadt.“
Es gibt auch Erfolgsmeldungen
„Wir sind da dran“, versichert Oliver Funke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft. „Wir haben auch Interessenten“, fügt er hinzu und spricht davon, dass er gern „lebenddes Gewerbe“ in den Räumlichkeiten hätte. Die Gewi selbst stehe auch in Verbindung zur Abteilung Wirtschaftsförderung im Rathaus.
Mit der Rathausspitze wird demnächst Dirk Lehmpuhl-Ponta reden, der Vorsitzende der Händlerinitiative Pro City. „Der Bürgermeister habe um einen Termin gebeten“, sagt er. Das Anliegen wurde vorgebracht, nachdem Pro City bei der diesjährigen City-Offensive der IHK Ostbrandenburg den zweiten Platz in der Kategorie „Kampagne“ belegt hatte. Pro City überzeugte dabei mit dem neuen Digitalkonzept "Digital mitreden – Zukunft sichern“.
Auch andere Vermieter – nicht nur die Gewi – sind bereits oder bald vom Leerstand betroffen. So gibt es beispielsweise bei einer Berliner Immobilienfirma in den Glaspavillons am Ende der Lindenallee schon mindestens einen leeren Laden. Über einen weiteren Auszug werde gemunkelt, heißt es von Pro City.
Hier und da gibt es auch Erfolgsmeldungen. So standen bei der BGB-Gesellschaft Tuchen zwei Läden, die vor Jahren geteilt wurden, leer, weil der Schreibwarenladen keine so große Verkaufsfläche mehr benötigte. Mitte 2018 machte das Fachgeschäft ganz dicht. Nach Monaten der Suche fand sich ein neuer Mieter, ein Küchenstudio.
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Von der Leninallee zur Lindenallee
Planstraße H hieß sie bis 1954, dann Leninallee, heute Lindenallee. Über die Grenzen von Eisenhüttenstadt hinaus ist das Wandbild aus Mosaiksteinen mit der Friedenstaube an der Fassade des einstigen Kaufhauses "Magnet" bekannt. Das 16 mal zehn Meter große Kunstwerk von Walter Womacka, das zum 25-jährigen Stadtjubiläum noch eine 20-Pfennig-Briefmarke zierte, hat mehrere Namen. Der wohl bekannteste lautet "Arbeit für den Frieden". Womacka selbst nennt es "Gemeinschaftsarbeit der sozialistischen Länder". Das Natursteinmosaik aus dem Jahr 1965 hat bis heute überlebt. Drumherum hingegen hat sich einiges verändert. Springbrunnen, Blumenbeete und Bänke, so sah die Magistrale mit ihren Wohn- und Geschäftsbauten bis zur Wende aus. Die vier Wasserbecken mit ihren Fontänen sind mittlerweile ebenerdigen Brunnen gewichen, statt der Blumenbeete gibt es Rasenflächen. Auch das, was hinter den Schaufenstern zu sehen und zu haben ist, hat sich im Laufe der Jahre verändert.⇥ja


