Malende Schülerin
: Tierporträts erfüllen den Traum vom Schuljahr in den USA

Eine Schülerin aus Müllrose will mit Zeichnungen ihr Auslandsschuljahr in Amerika finanzieren helfen.
Von
Frank Groneberg
Müllrose
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  • Junge Künstlerin: Lilli Rutschke sitzt zu Hause in Müllrose und zeichnet mit Buntstiften einen Dackel. Die Besitzer des Tieres haben der Schülerin das Foto ihres Lieblings als Vorlage geschickt. Mit den Tierporträts verdient die 16-Jährige Geld für die Finanzierung ihres Auslandsschuljahres in den USA.

    Junge Künstlerin: Lilli Rutschke sitzt zu Hause in Müllrose und zeichnet mit Buntstiften einen Dackel. Die Besitzer des Tieres haben der Schülerin das Foto ihres Lieblings als Vorlage geschickt. Mit den Tierporträts verdient die 16-Jährige Geld für die Finanzierung ihres Auslandsschuljahres in den USA.

    Frank Groneberg
  • Sehr schönes Hundeporträt: Lizzy heißt dieses Tier, das Lilli im November 2018 für dessen Besitzer gezeichnet hat.

    Sehr schönes Hundeporträt: Lizzy heißt dieses Tier, das Lilli im November 2018 für dessen Besitzer gezeichnet hat.

    Lilli Gutschke
  • Der Anfang: Dieses Porträt eines Stallhasen entstand im Urlaub.

    Der Anfang: Dieses Porträt eines Stallhasen entstand im Urlaub.

    Lilli Gutschke
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Lilli Rutschke ist eine Zauberin. Sie zaubert Tiere auf Zeichenpapier. Und diese Tiere wirken so lebensecht, als würden sie sich im nächsten Augenblick von dem A4–Blatt erheben und ihrem Frauchen oder Herrchen freudig entgegenlaufen. Oder ihnen entgegenhoppeln oder -fliegen. Je nachdem, um welche Art Tier es sich handelt. Für ihre Zaubereien benutzt Lilli Buntstifte. Diese haben jedoch keine magischen Kräfte. Es sind ihre eigenen geschickten Hände, mit denen die Schülerin aus Müllrose zauberhafte Tierporträts auf Papier bringt. Und dass sie das macht, ist einem Zufall zu verdanken. Doch der Reihe nach.

Es ist jetzt gut ein Jahr her, dass die Zehntklässlerin, die am Gauß-Gynasium in Frankfurt lernt, sich ein spezielles Ziel gesetzt hat: Sie möchte nach der 10. Klasse ein Auslandsschuljahr einlegen. „Ich will das unbedingt“, betont sie, „und ich will es unbedingt englischsprachig.“ Denn: In Englisch sei sie gut. Anfangs habe sie sich vorstellen können, dieses Jahr in England oder Irland zu verbringen. Was deutlich kostengünstiger gewesen wäre. „Aber irgendwann habe ich gedacht: Wennschon, dann in den USA.“ Warum? „Ich möchte unbedingt auf eine High School“, erklärt Lilli. „Dort lernt man vor allem Praktisches fürs Leben. Und ich muss mich auch nicht vordergründig auf den Lernstoff konzentrieren — die 11. Klasse muss ich hier ohnehin wiederholen.“

Doch so ein Jahr in den USA kostet viel Geld. Mit 10 000 Euro muss man rechnen, mindestens. Dass allein ihre Eltern, die nicht nur für sie, sondern auch für ihre vier Geschwister zu sorgen haben, diese Kosten tragen, kommt für Lilli aber nicht in Frage. „Ich will mich auf jeden Fall beteiligen“, sagt sie. Und zwar nicht nur mit einer symbolischen Summe. „Ich will mehrere Tausend Euro dazugeben“, betont die 16–Jährige. Woher sie dieses Geld nehmen möchte? Zum einen von ihrem Sparbuch. Denn, und das bestätigt auch ihre Mutter, Lilli ist sehr, sehr sparsam. „Meine Uroma hat mir regelmäßig Geld geschenkt“, erzählt sie, „das habe ich gespart. Das Geld sollte eigentlich für mein Studium sein, aber nun brauche ich es für das Schuljahr in den USA.“

Zum anderen bewirbt sich Lil­li bei verschiedenen Agenturen und Organisationen um Stipendien. Sie besucht Bildungsmessen, spricht an ihrer Schule mit ehemaligen Austauschschülern, nimmt an Austauschschülertreffen teil, um zu erfahren, welche Möglichkeiten der Förderung es gibt. Das alles macht sie komplett selbstständig. Auch beim Parlamentarischen Patenschafts–Programm des Bundestages (PPP) bewirbt sie sich um ein Stipendium. Eine Entscheidung darüber, ob sie ein PPP–Stipendium bekommt, steht noch aus.

Darüber hinaus überlegt Lil­li lange: Was könnte ich noch machen, womit könnte ich Geld verdienen? Und jetzt kommt der Zufall ins Spiel. Im Sommer 2018 verbringt sie mit der Familie ein paar Urlaubstage auf einem Bauernhof in Mecklenburg–Vorpommern. Sie nutzt die Zeit dort für eines ihrer Hobbys, das Zeichnen. Sie porträtiert einen Stallhasen. Das fertige Bild sieht der Hofbesitzer und es gefällt ihm so gut, dass er anderen Urlaubern davon erzählt. Diese bitten Lilli, ihre Hunde zu porträtieren, was die Schülerin gern macht.

Wieder zu Hause in Müllrose, weiß Lilli: Tierporträts zeichnen — das ist es. Sie macht einen Aushang in einer Kaufhalle, sofort melden sich Interessenten bei ihr. Anfang November stellt sie ihre Kunst auf dem „Kreativzauber“ in Müllrose vor, erzählt den Besuchern vom bevorstehenden Auslandsschuljahr — und erhält weitere Aufträge. Die Vorgehensweise ist ganz einfach: „Die Leute schicken mir als Vorlage Fotos von ihrem Haustier, ich zeichne diese“, sagt Lilli. Etwa 20 Tierporträts hat sie bisher gezeichnet, die meisten vor Weihnachten. Das Geld, das sie zum Dank erhält, kommt immer sofort aufs Sparbuch.

Auch Familie Rutschke hat ein Haustier. Einen Kater mit dem Namen Kalli Karlchen. Den hat Lilli noch nicht gezeichnet. „Obwohl mich meine Mama schon mehrfach darum gebeten hat“, gibt Lilli zu. Irgendwie habe sie das noch  nicht geschafft. Aber: Im März hat ihre Mama Geburtstag. „Vielleicht finde ich ja bis dahin Zeit für Kalli Karlchen“, sagt Lilli. Und dabei lächelt sie augenzwinkernd.

Kontakt für Interessenten per Mail: haustierportraits@gmx.de