Nachdem nach der Wende das alte Kraftwerk in der Fährstraße außer Betrieb ging und abgerissen wurde, das bis dahin Fernwärme lieferte, musste für Gewi-Wohnungen in der Innenstadt ein neues Konzept gefunden werden. Damals entschied man sich, die Heizungen über Gaskessel in den Wohnblöcken zu betreiben. Das Warmwasser wurde über elektrische Durchlauferhitzer in den einzelnen Wohnungen erzeugt. Angesichts steigender Strompreise ist dieses Modell nicht mehr attraktiv. Außerdem sind die Gaskessel in die Jahre gekommen, müssen ausgetauscht werden.
Die Gewi und die Stadtwerke verhandeln deshalb schon länger darüber, die rund 1900 betroffenen Wohnungen auf Fernwärme umzustellen. Doch das Vorhaben wurden zwischenzeitlich wieder zu den Akten gelegt, weil die Umbaukosten zu hoch sind. Denn es müssen nicht nur Kessel ausgebaut und durch eine Fernwärmestation ersetzt werden. Gleichzeitig müssen in die Wohnungen Warmwasserleitungen verlegt werden, die derzeit noch nicht vorhanden sind, weil die Warmwasservesorgung nicht zentral war. Ein erheblicher Eingriff in die Wohnung und das Bad wären erforderlich.
Erfahrungen gesammelt
Vor einem Jahr kam dann die Kehrtwende von der Kehrtwende. In der Eichendorffstraße wurde damit begonnen, in  70 Wohnungen eine zentrale Warmwasserversorgung zu installieren. Bei diesem Projekt sollten Erfahrungen gesammelt werden, mit welchem Aufwand die Umstellung verbunden ist.
Nach einem Jahr fällt die Bilanz so ernüchternd aus, dass die ursprüngliche Strategie der Umstellung auf eine zentrale Warmwasserversorgung so nicht weiter verfolgt wird. "Es hat sich gezeigt, dass mit den Baumaßnahmen sehr tief in die bauliche Substanz eingegriffen werden musste", erklärt Oliver Funke. Da waren neue Fliesen noch das kleinste Problem. Auch die Toiletten mussten ausgetauscht werden, ebenso die Heizkörper. Für die Mieter war die Maßnahme ebenfalls mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Einzelne Wohnungen waren in der sechsmonatigen Bauphase nur zwei Wochen uneingeschränkt nutzbar.
Darüber hinaus haben die Kosten den Geschäftsführer dazu bewegt, das ursprüngliche Konzept so nicht weiter zu verfolgen. Allein der Umbau für die neuen Warmwasserleitungen aus dem Keller in die Wohnungen hat 4000 Euro pro Wohnung gekostet. Dazu kommen die Umbauarbeiten für die neuen Fernwärmestationen im Keller mit 150 000 Euro, die umgelegt, noch einmal 2000 Euro pro Wohnung ergeben.
Derweil muss die Gewi die Gaskessel nach und nach austauschen, weil sie in die Jahre gekommen sind. Da ein Fernwärmevorrang besteht, können keine neuen Gaskessel eingebaut werden, sondern muss auf Fernwärme umgestiegen werden. Ganz ausschließen möchte Oliver Funke nicht, dass auch eine zentrale Warmwasserversorgung installiert werden kann. "Wir werden das nach finanziellen und nachhaltigen Gesichtspunkten prüfen." Wo das nicht gegeben ist, sollen zumindest die alten Durchlauferhitzer durch moderne Geräte ersetzt werden.

Investitionen in das Fernwärmenetz


Die Stadtwerke Eisenhüttenstadt GmbH investieren kontinuierlich in das Fernwärmenetz in Eisenhüttenstadt. So heißt es im Geschäftsbericht für das Jahr 2018: "Die Investitionstätigkeit in Höhe von insgesamt 977 000 Euro konzentrierte sich auf den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes sowie die Ertüchtigung der vorhandenen Fernwärmetechnik. Dabei bildeten der Innenstadtkern der Wohnkomplexe I bis IV die Schwerpunkte für Leitungsneubau und Neuanschlüsse. Diese Investitionen wurden in Abstimmung mit den Modernisierungsbestrebungen der Wohnungsbaugesellschaften vollzogen." lö