Motorsport: Beim Enduro wird zum großen Teil im Stehen gefahren
Beim Kids-Cup war ein Berliner gestürzt und dabei mit dem Bauch auf dem Lenker gelandet. Da der Rennarzt keine Diagnose wegen innerer Verletzungen stellen konnte, sollte der Verunfallte nach Berlin. „Die Eltern haben sich bei mir bedankt, dass wir so schnell reagierten. Das war aus ärztlicher Sicht eine reine Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Knofe, der auch einenTag später das Ausmaß der Verletzung nicht kannte.
So nahmen die Erwachsenen mit dem 53-jährigen Groß Lindower Roger Begerow mit einer einstündigen Verspätung Fahrt auf. "Durchkommen“, lautete dabei das Ziel des Routiniers vom MV REW/EKO Stahl, der in einer Woche bei den Deutschen Meisterschaften im Motorradbiathlon mitfährt. Das will auch Mario Hille, der dieses Mal wegen einer beim vor einer Woche auf dem Bergring erlittenen Rippenprellung passte. Mit dem Team unter die ersten Fünf lautet sein Ziel.
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So hatte Hille genügend Muße, dem neunjährigen Ziltendorfer Carlo Krüger in dem Rennen in der Klasse bis 65 Kubikzentimeter zuzuschauen. Schließlich hatte er ihn vor sechs Jahren für den Motorsport begeistert, ein Jahr später saß er bereits laut seinem Vater René auf einem „No-Name-Krad“. Über eine 50-Kubikzentimeter-Husqarna steigerte Carlo sich auf eine 65-er Kawasaki, derzeit ist es eine KTM. „Die KTM war ein Schnäppchen, daher der Wechsel. Sportliche Gründe hatte es keine“, sagt Vater René, der zusammen mit seiner als Posten am Streckenrand stehenden Frau Doreen das Hobby finanziert. Selbst ist der Tischler nie sportlich Motorrad gefahren, doch mit Hilfe seines Freundes Mario Hille kniete er sich in die Materie. Auf etwa 2000 Euro jährlich beziffert er die Kosten dafür. Das setzt voraus, das er das meiste am Motorrad repariert und schraubt. „Die groben Dinge wie Ölwechsel und die Kette macht Carlo schon selbst. Er säubert auch das Motorrad nach dem Rennen“, nimmt der Vater seinen Sohn in die Pflicht.
In höherer Klasse im Mittelfeld
Auf der Strecke ist natürlich vor allem das Können des Neunjährigen gefragt. Nachdem er im vergangenen Jahr in der 50-Kubikzentimeter-Klasse Zweiter geworden war, hatte er dieses Mal in der 65-er mit 20 Fahrern wesentlich stärkere und vor allem größere Konkurrenz. Schließlich dürfen in diesem Limit bis 13-Jährige mitfahren. „Ich habe zu ihm gesagt, es ist nicht verboten zu gewinnen“, erklärt René Krüger, dabei wohl wissend, dass dieses Mal nicht mehr als ein Mittelfeldrang möglich ist. Bei einem Rennen dieser Serie vor einigen Wochen war Carlo 14.
„Man muss sich seine Kräfte gut einteilen. Enduro ist zu 75 Prozent im Stehen. Aber Carlo will unbedingt. Bereits zwei Tage vor dem Wettkampf ist er voll angespannt, am Morgen musste ich ihn fast zwingen, etwas zu essen. Ich glaube, er holt auf.“ Genau wusste es der Vater während des Wettbewerbes nicht, da drei Klassen gleichzeitig unterwegs waren. Nach einer Dreiviertelstunde stoppte Carlo Krüger zum Tanken. „Ich kann nicht mehr“, entfuhr es ihm, dabei die Handschuhe ausziehend und einige Schlucke trinkend. In dieser Zeit waren die drei Liter in den Tank geflossen. „Ich habe den neuen Kick-Starter verloren.“ Vorerst kein Problem. Während der Filius den 2. Gang einlegte, schob der Vater das Krad an und los gings. "Man muss dabei die Ruhe bewahren. Vor zwei Jahren wäre es das Ende des Rennens gewesen, er hätte nur daran gedacht.“
Diese Sorge hatte der Vater dieses Mal nicht. Zu Recht. Als guter Achter erreichte der Ziltendorfer vor den Augen von Oma, Opa und Cousine das Ziel. Hille: „Er hat Ausdauer. Fahrerisch muss er noch lernen, gerade im Enduro-Bereich. Aber heute war es ein ziemlich anspruchsvoller Kurs für die 65-er.“ Am schwersten war dabei Carlo ein sandiger steiler Anstieg im Wald gefallen, beim Überspringen eines 40 Zentimeter über den Weg liegenden Baumstammes hatte Hille Reserven gesehen. Viel war dem Drittklässler unmittelbar nach dem Rennen nicht zu entlocken, außer das der neue Kickstarter weg ist und das Rennen Spaß gemacht hat. Freude hatte ihm auch das Radcross-Training beim MSV Diehloer Berge bereitet, „doch eine Sache geht nur. Er hat sich für den Motorsport entschieden. Einmal wöchentlich übt er in der Schule auch Karate“, informiert der Vater. Am Wochenende startet Carlo bei der Biathlon-DM, in der nächsten Saison wollen sich Vater und Sohn mangels Biathlon-Konkurrenz auf den Enduro-Sport konzentrieren.


