Naturparkleiterin
: Angekommen im Grünen

Inka Schwand hat sich als Naturparkleiterin im Schlaubetal einiges vorgenommen.
Von
Janet Neiser
Grunow
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Sie liebt Wanderungen: Inka Schwand ist seit September Leiterin des Naturparks Schlaubetal. Auch in ihrer Freizeit geht sie gern auf Entdeckungstour in dem zirka 228 Quadratkilometer großen Areal.

Uwe Rada

Da, wo andere freie Tage verbringen und entspannen, da arbeitet Inka Schwand. Und ihr permanentes Lächeln zeigt, dass sie sich mächtig wohlfühlt – mitten im Wald des Schlaubetals. Besucher werden von einem Vogelkonzert empfangen und auch die Farbe kehrt so langsam zurück in die Natur. Ein Genuss für Augen und Ohren – auch für Inka Schwand.

Seit September ist die 55-Jährige die Leiterin von Brandenburgs östlichstem und zweitkleinstem Naturpark. Für sie ein echter Traumjob. Um nicht jeden Tag viele Kilometer zwischen Berlin und dem Schlaubetal pendeln zu müssen und vor allem, um vor Ort sein zu können, haben sie und ihr Mann sich in Grunow niedergelassen. „Wir sind sehr gut aufgenommen worden“, freut sich die studierte Landschaftsplanerin. Wobei ein herzliches Willkommen bei Inka Schwand sicherlich nicht so schwerfällt: Sie ist offen für Neues, redet gern mit Menschen, kann zuhören und ist sich auch nicht zu schade, mal eben eine Bockwurst am Imbiss nebenan zu genießen oder Gummistiefel anzuziehen.

„Mein Mann und ich, wir gehen, seitdem wir hier sind, fast jedes Wochenende raus in die Natur“, erzählt Inka Schwand und stellt gesprächsbegleitend erst einmal ein paar Kekse von der Bäckerei Schlüter in Müllrose auf den Tisch, die sie bereits für sich entdeckt hat. Schließlich sollen sich Gäste bei ihr wohlfühlen. Und regionale Produkte liebt und schätzt sie. Zu entdecken gab es in den vergangenen Monaten viel für sie – unter anderem in der Natur im Schlaubetal. Für seine Fläche sei der Naturpark der artenreichste im Land, sagt sie.

Und damit sie ja nichts verpasst, hat sie mit dem Frühlingsbeginn ihr Fahrrad herausgeholt: „Wenn es nicht gerade stürmt, fahre ich von Zuhause bis hierher. Ich bin froh, dass es jetzt wieder länger hell ist.“ Siebeneinhalb Kilometer sind es von Grunow bis zu dem Häuschen der Naturparkverwaltung in unmittelbarer Nachbarschaft des Forsthauses Siehdichum. Regen stört sie nicht. Lediglich Stürme, Glatteis und Dunkelheit können sie stoppen. „Ich muss hier allerdings mehr mit dem Auto fahren, als ich gedacht habe“, gibt sie zu. „Aber das lässt sich nicht vermeiden.“ Der Naturpark sei etwa 35 Kilometer lang, und da sie Dinge nicht gern am Telefon erörtert, sondern lieber selbst vor Ort und draußen ist, muss sie diesen Kompromiss eingehen.

Inka Schwand versucht, nachhaltig zu leben. „Das ist ein großes Thema für mich. Ich mag keine Verschwendung.“ Als Beispiel führt sie Strom an: „Ich finde, wir müssen nicht so viel neue Energie erzeugen, sondern wir sollten schauen, ob wir nicht mit weniger auskommen können.“ So etwas bewegt sie, so etwas treibt sie an.

Ihre Liebe zur Natur hat Inka Schwand in die Wiege gelegt bekommen. Sie ist bei Prieros, inmitten des Naturparks Dahme-Heideseen groß geworden. "Auf dem Dorf und im Grünen.“ Die Bilder, Gerüche und Geräusche haben sich in ihr Gehirn eingebrannt. Natur sollte auch zu ihrer beruflichen Zukunft gehören. Bevor sie im Landesamt für Umwelt tätig war, gehörte beispielsweise die Hochschule in Eberswalde zu ihrer Vita. Sogar in einem Ökoinstitut in Mexiko hat sie etliche Monate gearbeitet und später auf Yucatán Meeresschildkröten beobachtet. „Das war grandios und eine unschätzbare Zeit, um den eigenen Horizont zu erweitern“, schwärmt sie. Damals sei jeder Tag eine Herausforderung gewesen. Und Inka Schwand mag Herausforderungen. Die findet sie auch im Naturpark. So hat sie sich vorgenommen, für das Schlaubetal endlich ein Besucherinformationszentrum einzurichten. Alle anderen elf Naturparks des Landes hätten so etwas bereits. Da wird die Naturparkleiterin nicht mehr lockerlassen.

Fünf Fragen an Inka Schwand

Wer oder was hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten geprägt?

Eher was, würde ich sagen. Meine Kindheit in der Natur war besonders prägend. Und die Wendezeit: So eine Zäsur im Leben zu haben, wo sich alles veränder und wo sich neue Möglichkeiten auftun, das ist schon etwas Besonderes.

Was würden Sie als Erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeisterin Ihres Ortes wären?

Ich würde mich auf jeden Fall darum kümmern, dass Marinas Einkaufsquelle in Grunow  erhalten bleibt.

Wollen Sie noch einmal 17 Jahre alt sein?

Nein, ich genieße es, jetzt von den vielen Erfahrungen meines Lebens zu profitieren. Alles, was ich bisher gemacht habe, kann ich in meinen jetzigen Job einbringen. Das möchte ich nicht missen.

Träumen Sie gern?

Ja, nachts schon. Das weiß ich dann bloß am Morgen meist nicht mehr. Es gibt aber auch noch Tagträume.

Was haben Sie sich schon immer gewünscht?

Einen Arbeitsplatz wie den jetzigen. Ich wollte schon immer viel draußen sein, konzeptionell arbeiten und mit Menschen zu tun haben. Diese Vielseitigkeit im Job, das habe ich immer geliebt und das habe ich hier als Naturparkleiterin im Schlaubetal gefunden.