Neujahr in Eisenhüttenstadt: Hoffnungen und Wünsche – was die Menschen 2024 erwarten

Süße Leckerei zum Jahreswechsel: Mit Pfannkuchen sowie Sekt und Feuerwerk haben die meisten Menschen in der Silvesternacht das Jahr 2024 begrüßt. Welche Erwartungen gibt es für die nächsten zwölf Monate, welche Hoffnungen und Wünsche? (Symbolbild)
Sören Stache/dpaDer Beginn eines neues Jahres ist immer auch der Zeitpunkt neuer Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen. Wie blicken die Menschen in und um Eisenhüttenstadt auf das Jahr 2024, das auch mehrere Wahlen bringt? Wir haben uns in Brieskow-Finkenheerd, Eisenhüttenstadt und Müllrose umgehört.
„2024? Das wird toll!“, antwortet Silke Heinke auf die Frage, was sie vom neuen Jahr erwartet. Warum? „Ich bin der größte Depeche-Mode-Fan hier in der Region. Mindestens!“, sagt die junge Frau freudestrahlend, „und im Februar kann ich Depeche Mode endlich live erleben, in Berlin!“ Sie sei überglücklich, die Karten bekommen zu haben, „und für mich gibt es bis dahin nichts anderes. Ich freue mich wahnsinnig auf das Konzert!“
Depeche Mode und Frieden
Mit Depeche Mode hat Manfred Hamann nichts am Hut. Der Eisenhüttenstädter ist Rentner. Was 2024 ihm bringen wird? „Die Renten werden wohl im Sommer erhöht“, hat er gelesen, „wohl um 3,5 Prozent.“ Ist das für ihn ein Grund zur Freude? „Ganz ehrlich? Nicht wirklich“, so der Mittsiebziger. „Die Preise steigen ja immer weiter, Benzin und das Heizen werden teurer werden – unterm Strich werde ich trotz Rentenerhöhung sogar weniger Geld zur Verfügung haben. Aber was soll’s – ich habe das Sparen und Verzichten in meiner Kindheit gelernt. Und letztlich geht es uns in Deutschland trotzdem noch sehr gut.“
Ganz anders gehe es den Menschen in der Ukraine und im Gazastreifen, betont Manuela Schmieder. „Das klingt vielleicht ein wenig abgedroschen“, sagt die Mutter zweier Kinder, „aber ich wünsche mir für das neue Jahr vor allem Frieden. Frieden für die Menschen in der Ukraine und Frieden für die Menschen im Gazastreifen.“ Und um Frieden zu erreichen, „müssen wir auch damit aufhören, immer mehr und immer schwerere Waffen in die Ukraine zu liefern“. Sie möchte nicht, betont sie, „dass meine Kinder irgendwann Angst vor einem Krieg haben müssen“.
Sorgenvoller Blick aufs Wahljahr
Vom neuen Jahr erwarte er „nichts Gutes“, sagt Holger Nessler. „Unser Leben wird auch 2024 teurer werden – die Inflation ist ja nicht weg, die Preise steigen nur etwas langsamer“, betont der 58-Jährige. Mit Blick auf das Wahljahr 2024 „ahne ich Böses. Anders kann man das nicht sagen. Viele Menschen sind so unzufrieden, dass sie aufhören zu denken. Und die aktuellen Umfragen zeigen ja, dass immer mehr Leute diesen rechten Gesellen, deren Namen ich nicht nennen möchte, ihre Stimme geben wollen. Das ist nicht gut für Deutschland. Hoffentlich wachen diese Leute noch rechtzeitig auf.“
Auch Jeannette, die ihren Nachnamen nicht nennen möchte, schaut auf das Wahljahr – aber mit anderen Beweggründen. Bei der Landtagswahl wolle sie erstmals ihr Kreuzchen bei der AfD machen, sagt sie. Warum? „Aus Protest. Diese Bundesregierung ruiniert unser Land“, erklärt sie. „Die haben 2023 und davor so viel Unsinn beschlossen, der uns das Leben schwer macht – irgendwann reicht es!“ Mit dem Programm der Rechtspopulisten habe sie sich zwar nicht beschäftigt, „aber ich will weder die Regierungsparteien wählen noch die CDU, die ja jahrelang regiert hat. Da bleibt ja nicht mehr viel.“ Allerdings: „Wenn die neue Partei von Sarah Wagenknecht antritt, wähle ich vielleicht lieber die.“
Start in den Traumberuf
Er freue sich aufs neue Jahr, erklärt Jakob, 16 Jahre alt. „Ich bin jetzt in der 10. Klasse und beginne nach den Sommerferien meine Ausbildung – in meinem Traumberuf“, erzählt er. Lokführer werde er – „das wollte ich schon immer werden und man verdient da auch gutes Geld“, so der erklärte Bahn-Fan.
Gesundheit und Ende aller Kriege
„Ich erwarte, dass 2024 endlich wieder Einiges besser wird in Deutschland„, sagt eine junge Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Schlechter geht es ja wohl nicht mehr.“ Wegen der permanent steigenden Preise müsse sie sich immer weiter einschränken. „Mancher kann das vielleicht nicht nachvollziehen, aber ich lebe allein mit zwei Kindern und da merkt man jeden Tag, dass alles immer teurer wird. Vor drei, vier Jahren ging es uns jedenfalls besser.“ Aber sie jammere nicht, sagt sie: „Ich liebe meine zwei Kinder, wir sind eine tolle Familie. Und das zählt vor allem!“
Er wünsche sich mit Blick auf 2024 vor allem, „dass meine Frau und ich und unsere Kinder und Enkel gesund bleiben“, betont Herbert Schulze. „Ich bin seit drei Jahren Rentner, meine Frau jetzt ebenfalls, und wir genießen jeden Tag, den wir gemeinsam verbringen können. Gesundheit ist das Wichtigste. Und natürlich Frieden. Der unsinnige Krieg in der Ukraine muss endlich beendet werden – und dafür müssen beide Seiten zu Kompromissen bereit sein, das ist jedenfalls meine Meinung.“ Über weiter steigende Lebenshaltungskosten wolle er nicht nachdenken: „Wir werden das schon irgendwie meistern. Hauptsache ist, dass wir gesund bleiben.“

Kino ohne Filme: Der einstige Filmpalast in Eisenhüttenstadt ist seit fast vier Jahren geschlossen. Wird das Kino im Jahr 2024 wieder in Betrieb genommen? In einer Umfrage wird auch die Wiedereröffnung des Kinos gewünscht. (Archivbild)
Janet NeiserFamilientreffen als größter Wunsch
Gesundheit für sich und ihre Familie wünscht sich auch Angela Hofmann. „Wir haben drei erwachsene Kinder, die alle nicht mehr hier in der Region leben, sondern zum Teil weit entfernt, bis in die Schweiz“, erzählt sie. „Für uns ist es immer das Schönste, wenn wir unsere Kinder sehen, wenn sie uns besuchen. Leider können nie alle gemeinsam kommen. Und deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr, dass wir es wieder schaffen, dass sich die ganze Familie für ein paar Tage zusammenfindet – das würden für mich die schönsten Tage im Jahr 2024 sein!“
Kino soll wieder öffnen
Einen Wunsch nur für Eisenhüttenstadt hat Carl Müller, 19 Jahre jung. „Bei mir läuft alles, ich bin eigentlich fast wunschlos glücklich“, sagt er und lacht. „Aber einen Wunsch habe ich. Ich gehe gern ins Kino und muss dafür immer nach Frankfurt oder Beeskow fahren. Für 2024 wünsche ich mir deshalb, dass unser Kino in Hütte endlich wieder eröffnet wird!“



