Praxis-Nachfolge: Die Suche hat ein Ende

Die Nachfolge ist gesichert: Zunächst war Manuela Herrlett noch unentschlossen, doch folgte dann ihrem Bauchgefühl. Im März übernimmt die 39-Jährige die Zahnarztpraxis von Harald Möller.
Patrizia CzajorVor zwei Jahren hat Harald Möller den Entschluss gefasst, sich in absehbarer Zeit in den Ruhestand zu verabschieden. Bis vor zwei Monaten hat der Zahnarzt noch gedacht, dass mit diesem Schritt auch seine Praxis geschlossen wird, die der 64-Jährige nach der Wende aufgebaut hat. Denn es fand sich einfach kein Interessent. Nach Ansicht des Dorfarztes zieht es viele ohnehin in die Ballungszentren. Zudem glaubt er, dass viele junge Kollegen ein Angestelltenverhältnis bevorzugen.
Mit Blick auf die Statistik wird sich diese Situation im kommenden Jahrzehnt noch einmal verschärfen. In Brandenburg sind die Vertragszahnärzte nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im Schnitt 57 Jahre alt. Mit Aktionen wie „Landzahnarzt oder Stadtaffe“ versucht die Zahnärztekammer Brandenburg, über die auch Harald Möller nach einem Nachfolger gesucht hat, mit als Affen verkleideten Schauspielern oder Papp-Aufstellern Nachwuchs-Dentisten aufzurütteln. Doch Harald Möller ist der Überzeugung, dass man höchstens diejenigen auf die Dörfer und aufs Land locken kann, die auch hier aufgewachsen sind.
Dieses Argument spielte zumindest bei Manuela Herrlett eine Rolle, die seit einigen Jahren wieder in Müllrose lebt und in der Region zu Hause ist. So kehrte sie nach ihrem Studium in Greifswald auch wieder zurück und arbeitete zuletzt in Fürstenwalde als Zahnärztin. Ende des vergangenen Jahres hat sich die 39-Jährige dann nach langem Überlegen schließlich dazu entschlossen, die Praxis von Harald Möller weiterzuführen. Seit der Ausschreibung hat Manuela Herrlett mit dem Weg in die Selbstständigkeit geliebäugelt. „Ich war zunächst etwas skeptisch.“ Dagegen sprachen für die gebürtige Eisenhüttenstädterin zunächst einmal die Angst vor dem Riesenkredit sowie auch ihr fünfjähriges Kind, wie sie erläutert.
Doch gerade ihre Familie und die Bekannten haben der Zahnärztin schließlich die Zweifel genommen. Dass Manuela Herrlett auch noch eine ehemalige Schülerin von Harald Möllers Frau ist, die zahnmedizinische Fachangestellte unterrichtet, war für die 39-Jährige ein weiteres positives Zeichen. „Dann habe ich auf mein Bauchgefühl gehört.“ Da Manuela Herrlett auch viele Wiesenauer kennt, da ihre Großeltern in der Gemeinde gelebt haben, schließt sich auch hier irgendwo der Kreis für sie.
Sicherheit gab ihr letztlich noch eine Weiterbildung für Existenzgründer, welche die Zahnärztekammer in Cottbus angeboten hat, sowie der Austausch mit Kollegen, bei denen sie viele nützliche Tipps mitnehmen konnte. Nicht zuletzt die Freude an ihrem Beruf bestärkt sie darin, den richtigen Schritt zu tun. „Ich mag den Kontakt zu den unterschiedlichen Menschen und den Gedanken, Menschen zu helfen.“
Ab März beginnen dann die Renovierungsarbeiten in den Praxisräumen, um Materialien sowie Technik auf den neuesten Stand zu setzen. Wenn alles nach Plan läuft, möchte die 39-Jährige die Praxis dann zum 1. April eröffnen. Neben der Grundversorgung möchte sich die Zahnärztin auch auf den Bereich der ästhetischen Zahnversorgung spezialisieren.