Probewohnen in Eisenhüttenstadt: Weltweites Medienecho und 1300 Bewerbungen

Eisenhüttenstadt findet mit dem Projekt „Probewohnen“ ein weltweites Medienecho. Und auch die Zahl der Bewerbungen überschreitet die Erwartungen deutlich.
Stefan Lötsch- Eisenhüttenstadts „Probewohnen“ sorgte mit 1300 Bewerbungen weltweit für Aufmerksamkeit.
- Projekt zielt auf Fachkräfte und Pendler; Bewerber müssen Deutschkenntnisse (C1) und Aufenthaltserlaubnis haben.
- Zwei Gästewohnungen stehen bereit; Ziel: Einwohner und Fachkräfte gewinnen.
- Viele Bewerber haben falsche Erwartungen; kein Visum-, Reise- oder Studienprogramm.
- Bewerbungsfrist endet am 5. Juli, Projekt stößt auf großes Medienecho.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Reporter aus den USA, Australien, Norwegen, England und Kasachstan interessieren sich für Eisenhüttenstadt. Nicht nur das: Mehrere hundert Interessenten haben sich gemeldet, um sich für gerade einmal zwei Plätze in Eisenhüttenstadt zu bewerben. Die Motivation dafür scheint ganz unterschiedlich zu sein.
Eine bessere Werbekampagne, um auf Eisenhüttenstadt weltweit aufmerksam zu machen, hätte man sich wohl gar nicht ausdenken können, zumal sie zunächst fast gar nichts kostet. „Wir hatten anfänglich gehofft, dass sich 20 bis 30 Interessenten melden“, sagt Julia Basan. Die Mitarbeiterin im Bereich Wirtschaftsförderung im Rathaus verantwortet das Projekt „Probewohnen“. Damit sollten gezielt Fachkräfte, Selbstständige und Berufspendler angesprochen werden, die die Stahlstadt kennenlernen sollen und im besten Fall auch dorthin ziehen.
„Probewohnen“ in Eisenhüttenstadt mit Flut von Bewerbungen
Andere Städte wie Guben praktizieren das auch schon mit Erfolg. Aber was der Aufruf der Stadtverwaltung ausgelöst hat, ist dann doch nicht vergleichbar. Julia Basan drückt es nüchtern so aus: „Das Projekt hat sich weltweit medial verbreitet.“ Sender und Zeitungen aus Australien, USA, England, Schweden und Norwegen haben Reporter in den Osten Brandenburgs geschickt, um darüber zu berichten, dass man dort für 14 Tage umsonst wohnen kann.
Auch das wäre noch nicht so ungewöhnlich, wenn Eisenhüttenstadt und das Werk, die in diesem Jahr 75 Jahre alt wären, nicht Besonderes zu bieten hätten, eine Planstadt, die zusammen mit einem Werk errichtet wurde, gleichsam aus dem märkischen Sand, ein einzigartiges Architekturensemble. Und bevor die Probewohner in den Genuss einer Stadtführung kamen, zeigten Julia Basan und Stadtsprecher Valentin Franze den angereisten Reportern die Stadt.
Das weltweite, mediale Echo kehrt in einer Flut von Bewerbungen zurück. Stand 24. Juni seien 1300 Anfragen eingegangen, sagte Julia Basan im Hauptausschuss. „Wir schlagen weltweit ein“, freute sie sich über die nicht für möglich gehaltene Resonanz. „Es gebe auch Anfragen aus anderen Ländern“, sagte Julia Basan. Und es können noch mehr werden. Denn die Bewerbungsfrist endet erst am 5. Juli.
Auch falsche Hoffnungen von Bewerbern auf „Probewohnen“ in Eisenhüttenstadt
Allerdings scheinen sich auch manche der Bewerber falsche Hoffnungen und Vorstellungen zu machen. Das sieht man schon daran, dass auf der Homepage der Stadt ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht wird, was das Projekt nicht ist. Nämlich kein Einwanderungs- oder Visaprogramm, kein Urlaubs-, Work-&-Travel- oder Studienprogramm. Auch stelle man keine Visa-, Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigungen aus.
Julia Basan sagte im Hauptausschuss, dass es auch Anfragen gebe, die man gar nicht verwerten könne, weil nur die Kopie eines Personalausweises geschickt wurde. Auch gebe es Bewerber, die ein besseres Leben in Deutschland suchen. Dabei gibt es Kriterien für die Bewerbung, zum einen Deutschkenntnisse aus dem Level C1, sowie eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis für Deutschland.
Eisenhüttenstadt will Projekt „Probewohnen“ zunächst klein halten
Zwei Gästewohnungen der städtischen Gebäudewirtschaft stehen für das erste Probewohnen zur Verfügung. „Das ist absichtlich klein angelegt worden“, sagt die Projektleiterin. Die Stadt will Erfahrungen sammeln, was gut ankommt. Für die Gäste ist ein Rahmenprogramm unter anderem mit Firmenbesuchen geplant. Die Probewohner sollen während der Zeit und danach möglichst positiv in sozialen Medien über die Stadt berichten und im allerbesten Fall nach Eisenhüttenstadt ziehen und dort eine Arbeitsstelle übernehmen. Denn die Gewinnung von Einwohnern und Fachkräften steht im Vordergrund.
Wer nicht zum Zug kommt, den bittet die Stadt, dass die Daten, konform mit dem Datenschutz, weitergegeben werden dürfen an Unternehmen, damit diese sich mit potenziellen neuen Arbeitskräften in Verbindung setzen können. Auch wenn es so viele Bewerbungen sind, habe man den Anspruch, den Großteil der Anfragen auch zu beantworten. Auch wenn das Projekt Julia Basan inzwischen den ganzen Tag in Beschlag nimmt, bekennt sie: „Wir sind sehr, sehr froh über den idealen Run.“ Überlegt werden, auf der städtischen Homepage speziell für ausländische Interessenten noch deutlicher auf das Probewohnen aufmerksam zu machen.



