Es waren schreckliche Sekunden, die Ines Jagielski am Tag danach schildert. Am Mittwochabend sei sie mit ihrer Mutter gegen 18 Uhr von der Wohnung in der Mittelschleuse zu ihren Auto gelaufen. Dabei hatten sie einen kleinen Zwergschnauzer. „Wir wollten noch eine Runde laufen“, erzählt sie.
Von einem der Hochhäuser habe ein Mann sie vom Balkon aus angesprochen und gewarnt, dass sie abhauen sollen, weil zwei Wölfe rumlaufen würden. Und dann ging es sehr schnell: „Wir haben Schatten gesehen und dann haben sich zwei Wölfe auf den Hund gestürzt. Ich habe nach den Wölfen getreten, meine Mutter, die geschrien hat, ist kurz zu Boden gegangen. Die stand völlig unter Schock.“ Sie selbst habe den Hund an der Leine hochgezogen. Die Wölfe ließen dann doch ab. Bald danach kamen Anwohner, um zu helfen. Ein Anruf bei der Polizei bleib ergebnislos. „Die sagten, dass das nicht ihr Aufgabengebiet ist.“

Tierarzt versorgte die Bisswunden

Die beiden Frauen haben den verletzten Hund noch gegen 19.20 Uhr in der Tierarzt-Praxis von Roman Kahlisch in Fürstenberg behandeln lassen. Der bestätigt den Vorfall. „Das klang glaubhaft, was die Frauen erzählt haben“, sagt er. Anhand der Bisswunden lasse sich aber nicht feststellen, ob sie von Wölfen stammen oder nicht. An einer Stelle musste die Wunde geklammert werden, die Bisse waren nicht lebensgefährlich. Erstaunt zeigt er sich, dass die Wölfe keinerlei Scheu vor den Menschen hatten, auch, dass der kleine Hund die Attacke überlebt hat.

Wölfe greifen nur freilaufende Hunde an

Diese Beobachtungen von Roman Kahlisch machen auch Lutz Ittermann, ehrenamtlicher Wolfsbeauftragter für den Landkreis stutzig. Dass Wölfe Hunde angreifen ist überhaupt nicht außergewöhnlich. „Das ist realistisch. Wölfe erkennen in Hunden Artgenossen. Wölfe sind so gestrickt, dass sie ihr Rudel verteidigen“, erklärt der Experte. Freilaufende Hunde im Wald wären deshalb immer einem Risiko ausgesetzt. „In der Regel haben sie keine Chance.“
Und Lutz Ittermann drückt es drastisch aus: „Wölfe sind so konditioniert, dass sie wissen, wie man effektiv tötet.“ Dass der kleine Zwergschnauzer den Angriff überlebt hat, findet auch er erstaunlich. Lutz Ittermann erklärt auch, dass Hunde eigentlich geschützt sind, wenn sie in Begleitung ihres Herrchen oder Frauchen an der Leine geführt werden. „Das Herrchen ist der Schutz des Hundes.“ Er empfahl deshalb, die Wolfshotline anzurufen, damit der Vorfall näher untersucht werden kann. Denn wenn sich bestätigt, dass es sich um einen Wolfsangriff handelt, könnte das auf ein problematisches Verhalten der Wölfe schließen lassen.
Ines Jagieski ist derweil sicher, dass es die Raubtiere waren. „Die sind ganz anders als Hunde gelaufen und als ich nach ihnen getreten habe, war das, als wenn ich gegen Watte trete“, schildert sie, dass das Fell der Tiere sehr dicht war.

Eisenhüttenstadt liegt mitten im Wolfsterritorium

Dass Wölfe in Eisenhüttenstadt gesichtet werden, hält Lutz Ittermann dagegen nun nicht für ungewöhnlich. „Eisenhüttenstadt liegt mitten im Wolfsterritorium“, erklärt der Experte. „Das ist nicht ungewöhnlich.“ Reviere gibt es im Raum Brieskow-Finkenheerd, bei Treppeln und im Schlaubetal, für einen Wolf alles keine Distanzen, die nicht leicht zu überwinden wären.
Auch dass zwei Wölfe gleichzeitig in der Stadt auftreten, ist nicht auszuschließen. „Wölfe sind ein Familienverband, können auch als Duo auftreten.“ Im April war in Schönfließ ein Wolf gesichtet und fotografiert worden. Im November erregte ein Wolf Aufsehen, der in Neuzelle fotografiert worden war.

Experten untersuchen Haare der Tiere

Ines Jagielski sagt derweil, dass der eine Anwohner des Hochhauses gesagt habe, er habe die Tier vor drei Tagen schon einmal gesehen. Derweil hatten sich am Donnerstag bei ihr Experten des Landesumweltamtes angekündigt, die den Vorfall untersuchen wollen, die auch die Haare untersuchen, die die 43-Jährige gesichert hat.
Vorfälle mit Wölfen habe es noch nicht gegeben, heißt es derweil von Seiten des Tiergeheges, das sich in der Nähe der Stelle befindet, wo sich der Vorfall am Mittwoch ereignet hat. „Wir hatten bisher keinen Wolfsriss.“
Derweil sind die Haare untersucht worden und es steht fest: Die Tiere, die den kleinen Hund angegriffen haben, waren Wolfshunde.