Recycling: Eisenhüttenstadt: Klärschlamm wird zum Problem
Bisher war er ein durchaus begehrter Stoff als Düngemittel für die Landwirtschaft, inzwischen ist er ein teurer Ladenhüter: Die Entsorgung von Klärschlamm entwickelt sich für die Betreiber von Kläranlagen immer mehr zu einem erheblichen Kostenfaktor — mit steigender Tendenz.
Vor einiger Zeit lag der Preis für die Entsorgung von einem Kubikmeter Klärschlamm bei 31 Euro, inzwischen muss der Trinkwasser– und Abwasserzweckverband Oderaue (TAZV) 71 Euro bezahlen. Dass damit noch lange nicht das Ende erreicht ist, umschrieb Heike Herrmann, Verbandsvorsteherin des TAZV, jüngst in der Verbandsversammlung so: „Andere Verbände wären froh, wenn sie nur 71 Euro zahlen müssten. Es gibt Aufgabenträger, die sind gerne bereit 200 Euro zu bezahlen, wenn sie das Zeug nur loswerden.“
Grund für die Preissteigerung ist, dass die Zweckverbände immer größere Probleme haben, den Klärschlamm loszuwerden. Durch gesetzliche Veränderungen in der Düngemittelverordnung sind die Zeiten verkürzt worden, in denen solche Schlämme auf den Feldern ausgebracht werden dürfen. „Man darf die Klärschlämme an immer weniger Monaten im Jahr verwerten“, erklärt die Verbandsvorsteherin. Darüber hinaus gibt es eine Konkurrenz um die Flächen. Landwirtschaftliche Betriebe haben Biokraftwerke und wollen ihre Gähr–Rückstände selbst auf den Feldern verteilen. Und schließlich gibt Heike Herrmann zu: Die Diskussion um Mikroplastik und Arzneimittelrückstände sind keine Werbung für die Schlämme aus dem Klärprozess. „Die Akzeptanz in der Landwirtschaft, Klärschlamm anzunehmen, hat deutlich abgenommen“, so Heike Herrmann.
Noch ist das Problem beim TAZV nicht ganz so akut. Heike Herrmann erklärte, dass momentan noch 70 Prozent landwirtschaftlich und lediglich 30 Prozent thermisch verwertet würden. Allerdings: Dieses Modell wird es nicht mehr lange geben. 2032 darf Klärschlamm nicht mehr auf die Felder. Die einzige Alternative ist dann die Verbrennung.
Zwei Varianten werden geprüft
„Wir müssen Verbrennungskapazitäten schaffen“, erklärt die Verbandsvorsteherin. Da solch ein Projekt für den TAZV alleine finanziell zu stemmen kaum möglich ist, haben sich der TAZV, die FWA aus Frankfurt (Oder) sowie die Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG (LWG) aus Cottbus zur Klärschlammkooperation Südostbrandenburg zusammengeschlossen, mit dem Ziel, eine Monoverbrennungsanlage zu errichten. Derzeit würde abgeklärt, ob es dafür Fördermittel gibt.
Momentan würden auch zwei Varianten untersucht. Die eine ist, dass die drei Partner für ihren Klärschlammbedarf eine Anlage errichten. Andererseits haben auch schon andere Verbände ihr Interesse bekundet, die Anlage mit Klärschlamm zu beliefern. „Wir haben schon viele Anfragen, sogar aus Sachen“, sagt Heike Herrmann. Eine zweite Variante geht deshalb von einer größeren Anlage aus. Der Vorteil aus Sicht von Heike Herrmann. „Eine größere Anlage verringert drastisch die Kosten.“ Die Anlagen wäre wirtschaftlicher.
Zwei Standorte in der Auswahl
Sogar möglich Standorte wurden schon in den Blick genommen. In der näheren Diskussion sind laut Heike Hermann Eisenhüttenstadt und ein Neubau in der Lausitz in Jänschwalde neben dem bestehenden Kraftwerk. In der Lausitz gebe es ausgebildetes Personal, um die Anlage zu betreiben. Allerdings sei die Standortuntersuchung noch nicht abgeschlossen, betont die Verbandsvorsteherin.
Keine wirkliche Alternative ist die Verbrennungsanlage neben der Papierfabrik in Eisenhüttenstadt, die Strom und Wärme für die Papierfabrik produziert. Bisher dürften dort nur Klärschlämme aus industriellen Kläranlagen verbrannt werden, nicht aber aus kommunalen, erklärt Heike Herrmann. Jürgen Köpke, Bereichsleiter Abwasser beim TAZV ergänzt: Wenn dort andere Klärschlämme verbrannt werden sollten, müsste die Genehmigung verändert werden. Auch die Verbrennung in Zementwerken ist auf Dauer keine Lösung. Denn später muss aus der Asche des Klärschlamms der Phosphor zurückgewonnen werden, was nur in einer Verbrennungsanlage, wie sie geplant ist, funktioniert.


