Sicherheit
: Nach Brand überprüft Denkmalamt das Lunik in Eisenhüttenstadt

Behörde will nach Feuer eine erneute Bestandsaufnahme vornehmen. Daraus können sich Auflagen für den Eigentümer ergeben.
Von
Stefan Lötsch
Eisenhüttenstadt
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Auf dem Weg zur Ruine: Blickt man vom Zentralen Platz durch die Bäume auf das Hotel Lunik, dann wirkt der Verfall des stadtbildprägenden Gebäudes etwas abgemildert.

Stefan Lötsch

Kabel und Türen sind herausgerissen, Heizungen demontiert, Fenster sind zerschlagen, Verkleidungen von den Wänden gerissen, Möbel, soweit noch vorhanden, zerstört. Überall liegen Schutt und Gerümpel herum. Der denkmalgeschützte Bau mitten im Zentrum von Eisenhüttenstadt ist auf dem besten Weg eine Ruine zu werden. Da passte es ins Bild, dass es im Obergeschoss des Gebäudes vor gut einer Woche gebrannt hat.

Immerhin, der Brand ist jetzt Anlass für das kreisliche Denkmalamt, wieder einmal tätig zu werden und sich mit dem Eigentümer der Immobilie in Verbindung zu setzen. „Mit dem Brandgeschehen vor wenigen Tagen ist jetzt eine veränderte Situation eingetreten, die eine erneute gründliche Bewertung des Gebäudezustandes erfordert“, sagt Mario Behnke, Pressesprecher des Landkreis Oder-Spree, auf Anfrage der MOZ. „Die untere Denkmalschutzbehörde wird sich mit Unterstützung der Feuerwehr und der Stadt Eisenhüttenstadt ein umfassendes Bild machen, welche Schäden durch den Brand selbst und die Löscharbeiten entstanden sind.“ Aus dieser Analyse können sich Auflagen für den Eigentümer ergeben. Sascha Gehm, 1. Beigeordneter des Landkreises Oder-Spree, kündigt an: „Wir werden über die Ergebnisse unserer erneuten Bestandsaufnahme ins Gespräch mit dem Eigentümer gehen. Im Dialog Lösungen zu entwickeln, entspricht unserer grundsätzlichen Herangehensweise. Wenn die Bereitschaft zur Mitwirkung nicht erkennbar wird, muss sich der Eigentümer aber auch darauf einstellen, dass wir zu seinen Lasten Maßnahmen zum Erhalt des Denkmals anordnen werden.“

Landkreis will Gebäude erhalten

Mario Behnke betont, dass der Landkreis ein starkes Interesse habe, auf den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes einzuwirken, gibt aber auch zu: „Der jahrelange Leerstand des Gebäudes hat – das liegt auf der Hand – sicher nicht zur Verbesserung des Gebäudezustandes beigetragen, allerdings besteht bislang eine solide Basis für die Entwicklung des Hauses unter Berücksichtigung denkmalrechtlicher Anforderungen.“ Zur Abwendung von Gefahren sei es wichtig gewesen, durch geeignete Absperrmaßnahmen vor Ort dafür zu sorgen, dass Passanten nicht zu Schaden kommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Landkreis als zuständige Behörde das Gespräch mit dem Eigentümer sucht. 2016 gab es sogar eine Aufforderung zur Mängelbeseitigung. In dem Schreiben, das der MOZ vorliegt, wird bemängelt, dass es offene und kaputte Fenster gibt, durch die man ins Gebäude gelangen kann. Der Eigentümer wurde damals aufgefordert, alle offenen Fenster zu schließen unter Wahrung der originalen Denkmalsubstanz. Außerdem sollten lose Sockelplatten abgenommen werden.

Maßnahmen zur Sicherung

In einem Schreiben aus dem gleichen Jahr kündigte ein Vertreter der Eigentümer-Gesellschaft an, dass er zur Sicherung des Objektes einen Zaun errichten werde. Es sollten sogar Flutlichtstrahler angebracht werden. Der Zaun ist inzwischen errichtet, das Gebäude aber nach wie vor nicht nachhaltig gesichert, was nicht zuletzt der Brand vor gut einer Woche dokumentiert.

In dem Schreiben aus dem Jahr 2016 betont der Eigentümer, dass es das Bemühen gebe, „das Hotel Lunik einer ordentlichen, tatsächlichen und dauerhaften Nutzung zuzuführen“. Es sei bedauerlich, dass es dazu bisher nicht gekommen sei. Die Schuld wurde der Stadt gegeben. Tatsächlich spielte das Lunik auch im letzten Bürgermeisterwahlkampf eine Rolle, als der Eigentümer gegen die damalige Bürgermeisterin schoss, die angeblich Pläne verhindert habe. Aber auch unter dem jetzigen Bürgermeister Frank Balzer scheint sich nicht viel zu bewegen. Bekannt ist, dass es Anfang 2019 ein Gespräch zwischen dem Eigentümer und dem Bürgermeister gab. Was da besprochen oder womöglich verabredet wurde, blieb geheim. Über weitere Gespräche ist nichts bekannt.

Denkmale in der Planstadt

Das ehemalige Hotel Lunik ist eines von mehreren Einzeldenkmalen in Eisenhüttenstadt, die auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg stehen. Vor allem in den Wohnkomplexen I bis III, die für sich schon ein Flächendenkmal bilden, befinden sich 13 schützenwerte Bauten. Dazu zählen die drei Schul- und Kitagebäude. Letztere werden heute teilweise anderweitig genutzt. Einzeldenkmale sind zum Beispiel auch das Krankenhaus und die Kaufhalle in der Saarlouiser Straße.

Das Lunik, eine Stahlbetonskelett-Konstruktion, wurde 1963 nach vorherigen Entwürfen von Herrmann Enders, Willy Stamm und Herbert Härtel errichtet.⇥lö