Silvesterfeuerwerk: „Wir gucken lieber zu, wie die anderen knallen“

Silvester in Eisenhüttenstadt 2018. Laut Statistischem Bundesamt beschäftigt die pyrotechnische Industrie etwa 3.000 Mitarbeiter in Deutschland. 2019 erzielte die Branche 133 Millionen Euro Umsatz. Produziert wird ausschließlich in Fernost. 2017 war China das Hauptlieferland (zu 97 Prozent).
Bernd Geller - FotIn der letzten Minute dieses Jahres heißt es wieder: „Zehn, neun, acht …“. Es gibt Pfannkuchen, gefüllt sind die Sektgläser und ganz Emsige haben ihr Feuerwerk am Eingang deponiert. Ab 24 Uhr heulen und feuern Feuerwerks–Batterien ihre Ladungen in den Nachthimmel. Seit Jahren sind diese Verbundfeuerwerke der „letzte Schrei“. Top–Artikel, die der Silvester–Rakete den Rang abliefen. Heute ist Verkaufsstart. Doch von einem Kundenansturm kann keine Rede sein.
Die Kunden lassen sich Zeit
„Natürlich gibt es noch Fans, die ganz früh vor dem Markt stehen. Aber heute sind die angebotenen Mengen ganz andere als noch vor ein paar Jahren, als es von Top–Produkten nur zwei, drei Kartons im Markt gab“, sagt der Leiter eines Discounters.
Die Vielfalt bei Feuerwerks–Batterien sei groß. Jede liege mit 20 bis 30 Euro preis–technisch gleich. Sie sind der Hit. Gefolgt von jugendfreiem Feuerwerk oder Leuchtmitteln. Im Durchschnitt gäben Kunden zwischen 50 bis 100 Euro für Feuerwerk aus.
„Wir werden nichts kaufen“, meint ein Ehepaar auf dem Netto–Parkplatz in Wiesenau. „Noch haben wir die Enkelkinder bei uns. Danach verbringen wir ganz ruhig Silvester zu Hause.“ „Wir gucken lieber zu, wie die anderen knallen“, meint eine Seniorin aus Wiesenau und der ältere Herr neben ihr ruft: „Ja, wie die Leute ihr Geld verballern.“ Jüngere „Semester“ wie Oliver Müller (35) aus Brieskow–Finkenheerd sind noch motiviert. „Ich werde ein wenig Tischfeuerwerk für die Kinder und ein paar Batterien kaufen“, meint er, als er den Einkauf in sein Auto einräumt. Für alles zusammen will er aber nicht mehr als 20 bis 30 Euro ausgeben. Damit die Rechnung aufgeht muss er heute Morgen sehr früh in Ziltendorf beim Händler sein. „Da kaufe ich drei bis vier Batterien für fünf bis sechs Euro. Richtig gute Dinger. Das reicht völlig“, sagt er, der als Biogas–Betreuer bei der Bauerngesellschaft Ziltendorf arbeitet. „Die Knaller interessieren uns nicht“, sagen zwei Männer, die beim Bäcker Kaffee trinken. Der eine, Fußbodenleger, wird zu Silvester im „Türmchen“ in Ziltendorf am Tresen stehen. Der andere überwacht als Dispatcher im EKO Produktionsabläufe. Er hat Silvester Spätschicht. Auch Andreas Hensel (53) winkt ab. „Ich kaufe schon seit zehn Jahren kein Feuerwerk mehr“, sagt er, der als Verzinker in der Feuerverzinkerei Voigt & Müller in Frankfurt tätig ist. Feuerwerk zum Jahreswechsel ist auch nichts für eine 57–Jährige aus Kunitz Loose: „Wir leben allein und mir ist das zu teuer. Das Geld verpufft in der Luft." Letztes Silvester, erzählt sie fröhlich, „ist mein Lebensgefährte auf der Couch eingeschlafen und ich saß da, als bei der Fernseh-Übertragung alle feierten.“