Apotheke und Streik
: Apotheken-Notdienst für Eisenhüttenstadt und das Umland

In Eisenhüttenstadt, Brieskow-Finkenheerd, Müllrose und Neuzelle bleiben am 14. Juni 2023 die Apotheken geschlossen. Medikamente für den Notfall gibt es in Notdienst-Apotheken.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Am 14. Juni 2023 bleiben die öffentlichen Apotheken in Eisenhüttenstadt und den umliegenden Ämtern geschlossen. Ein Apotheken-Notdienst wurde eingerichtet, allerdings muss man dafür ein paar Kilometer fahren.

Janet Neiser

Wer am 14. Juni beim Arztbesuch in Eisenhüttenstadt ein Rezept ausgestellt bekommt, der muss 30 oder ein paar Kilometer mehr fahren, um eine Apotheke zu finden. Denn am 14. Juni sind die Apotheken bundesweit zum Protest aufgerufen. Und in Eisenhüttenstadt, Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und Müllrose bleiben die Apotheken an diesem Mittwoch auch flächendeckend geschlossen. Für Notfälle haben Notdienst-Apotheken geöffnet – aber eben nicht in den genannten Orten.

Dass sich alle Apotheken in und um Eisenhüttenstadt beteiligen, stößt bei hiesigen Apothekern auf Wohlwollen. „Wir sind alle aufgerufen, denn wir sitzen ja alle im gleichen Boot“, betont Sabine Hempel, Chefin der Altstadt-Apotheke in Fürstenberg. „Wir machen alle mit, weil es so nicht weitergeht.“ Man müsse mal ein Signal senden.

Die Notdienst-Apotheken am 14. Juni 2023

Etliche Patienten haben sich bereits in den vergangenen Tagen mit Medikamenten eingedeckt, die ansonsten knapp geworden wären. Die Apotheker hatten vorab darauf hingewiesen. Auch Ärzte sind informiert über den Protesttag. Und wer tatsächlich ein dringendes Rezept an diesem Tag einlösen möchte, dem bleibt nur eine Notdienst-Apotheke.

Das sind im Falle der Menschen in Eisenhüttenstadt sowie in den umliegenden Ämtern folgende: die Alexander-Tschirch-Apotheke Guben in Guben, Tel. 03361 2387, die Spree-Apotheke in Beeskow, Tel. 03366 21494 sowie die Europa-Apotheke in Frankfurt (Oder), Tel. 0335 40152880. Einen Aufschlag in Notdienst-Apotheken muss man der Apothekerin zufolge nur an Sonn- und Feiertagen sowie nachts bezahlen. Nicht aber an so einem Tag wie dem 14. Juni.

„Dass wir wirklich einen ganzen Tag schließen, das ist, glaube ich, noch nie passiert. Einen halben Tag, das gab es mal“, sagt sie. Und das sei noch gar nicht so lange her. Mit dem Protesttag wolle man die Menschen aufmerksam auf Probleme der Apotheken machen.

„Gesundheit statt Mangel“

„Wir machen den Protest nicht für ein höheres Einkommen für uns“, betont Sabine Hempel. „Wir wollen unsere Leistungen beibehalten, aber das können wir nicht unter diesen Bedingungen. Wir sind so am Limit, dass wir persönlich keine Reserve haben“, sagt sie auch mit Blick auf den Personalnotstand und Lieferengpässe. Nicht umsonst heißt es auf einem Plakat an der Magistral-Apotheke in der Lindenallee „Gesundheit statt Mangel“.

Apothekerin Sabine Hempel glaubt, „dass manche, die Dinge beschließen, keine Ahnung haben, wie eine Apotheke funktioniert und sich finanziert“.

Und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bestätigt, dass die Apothekerschaft mit dem Protesttag auf gesundheitspolitische Entscheidungen der Bundesregierung reagiere. „Für unseren Berufsstand steht fest: Die Bundesregierung hat diesen Protesttag provoziert“, erklärte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Regina Overwiening auf der Internetseite der ABDA.

Wirtschaftliche Perspektive fehlt

Weiter heißt es dort: „Lieferengpässe, Personalnot und eine seit Jahren bestehende Unterfinanzierung. Weil die Bundesregierung in ihren Gesetzesvorhaben immer wieder die Probleme der öffentlichen Apotheken übergeht, destabilisiert sie die Arzneimittelversorgung in Deutschland.“ Seit Monaten weise man auf die brisante Lage hin. Die Apothekenteams würden jeden Tag Leben retten, in dem sie alternative Präparate für nicht verfügbare Arzneimittel beschaffen.

Die Magistral-Apotheke in Eisenhüttenstadt macht an der Tür klar, dass sie am Protest teilnehmen wird.

Janet Neiser

„Anstatt die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln über die Apotheken vor Ort zu stabilisieren, wird sie geschwächt. Jeden Tag müssen Apotheken schließen. Hochschulabsolventinnen und -absolventen unseres Faches können sich immer seltener den Gang in die Selbständigkeit vorstellen, vor allem, weil die wirtschaftliche Perspektive fehlt. Darauf müssen wir aufmerksam machen“, so Gabriele Regina Overwiening.

Die Apotheken vor Ort haben ihre Kunden bereits seit Tagen darüber informiert, dass sie am Protesttag am 14. Juni 2023 teilnehmen. So, dass diese sich auf die Situation einstellen konnten.