Der Andrang auf die polnischen Tankstellen ist trotz der Steuersenkung in Deutschland seit Anfang Juni ungebrochen. So kann sich auch Elzbieta Czemko, Verkaufsleiterin der aus Eisenhüttenstädter Sicht nächstgelegenen Tankstelle in Nähe der Grenzbrücke „Neißewelle“ in Coschen, über ausbleibende Kundschaft nicht beschweren.
Obwohl es keiner ihrer Angebotstage am Dienstag beziehungsweise Donnerstag war, herrschte an den Zapfsäulen reger Betrieb. 1,91 Euro kostete am 29. Juni das bleifreie 98E, was unserem Super Plus entspricht. In Eisenhüttenstadt lag zeitgleich dafür der Preis bei 2,06 Euro. 1,74 Euro kostete das bleifreie 95E, also entsprechend dem Super E5, 1,93 Euro war dafür in Eisenhüttenstadt zu zahlen. Diesel war in Zytowan mit 1,75 ausgewiesen, in Eisenhüttenstadt mit 2,02 Euro.

Für Vielfahrer lohnt es sich weiter

Auch wenn die Spanne im Frühjahr oft bei 30 Cent je Liter und darüber gelegen hatte und es nunmehr weniger geworden ist, lohnt es sich für viele offensichtlich immer noch. „Ich komme aus Neuzelle. In der Regel spare ich beim Tanken um die 20 bis 25 Cent. Wenn ich wie heute 60 Liter tanke, sind es mindestens zwölf Euro“, sagt ein Mann aus dem etwa 15 Kilometer entfernten Neuzelle.
Er möchte seinen Namen nicht nennen. „Ich arbeite in Neuzelle und bin nur zum Tanken hier. Ich fahre nicht so viel. Doch wer täglich einen längeren Arbeitsweg hat, den kann ich verstehen. Da kommen monatlich bestimmt um die 50 Euro zusammen. Ich schaue mir vorher die Preise nicht an, ich komme einfach mal vorbei.“

Verwaiste Geschäftsstraßen in deutschen Grenzstädten

Dabei verweist er darauf, dass er regelmäßig auch in Deutschland sich seinen Sprit hole. „Man sieht es ja an den verwaisten Geschäftsstraßen in Frankfurt und Guben, was passiert, wenn die Leute so viel in Polen einkaufen. Doch wenn zum Monatsende nichts mehr im Portemonnaie ist, dann kann ich das verstehen.“
Neben ihm wird ein Transporter mit LOS-Kennzeichen betankt. „Bei 30 Cent Unterschied pro Liter lohnt es sich schon, obwohl ich nicht extra danach suche. Ich bin Restaurator und arbeite europaweit. Ich habe gerade in dieser Gegend zu tun. Außerdem wohne ich in der Nähe“, sagt der Fahrer.

Kunden kommen nahezu ununterbrochen

Die Zapfsäulen werden regelmäßig angefahren. Es sind nur Deutsche zu sehen. Obwohl sie mit dem Kundenandrang recht zufrieden ist, sind es derzeit für die Geschäftsstellenleiterin Elzbieta Czemko schwierige Bedingungen. Vor allem deshalb, weil sie nur schlecht kalkulieren kann.
So wird sie in der kommenden Woche an ihren Aktionstagen den Diesel für 1,72 Euro und Super für 1,71 Euro anbieten. Mit solch langfristig geplanten Aktionen verfährt sie seit langem so, zuletzt hatte sie das mal kurzfristig ausgesetzt. Doch was ist, wenn in Polen der Sprit-Preis weiter ansteigt?

Nur wegen Steuersenkung ist polnischer Sprit noch preiswert

Ohne die Steuern lägen die polnischen Spritpreise ohnehin europaweit über dem Schnitt. Da die polnische Regierung die Steuersenkung auf acht Prozent für Kraftstoffe bis zum 1. November verlängert hat, ist damit zu rechnen, dass die Power-Tankstelle in Zytowan weiterhin preiswerter agieren kann als die benachbarten deutschen Tankstellen.
Immerhin ist mit einer Limitierung des Sprit-Angebotes wie im Frühjahr nicht zu rechnen. Da war der Kraftstoff in ganz Polen mal kurzzeitig knapp. Bei ihr können die Kunden daher weiterhin auch problemlos ihre mitgebrachten Kanister füllen.

Backwaren sind hoch begehrt

Damit ihre Power-Tankstelle auch das vierte Geschäftsjahr unbeschadet übersteht, verlässt sie sich weiterhin nicht nur auf die Einnahmen auf dem Kraftstoff- und Tabak-Sektor. So sei die Nachfrage nach Bankwaren zuletzt bei ihr immens gestiegen. Selbst die Erhöhung auf die dreifache Menge reiche bei ihr derzeit nicht aus. Neu bei ihr sind diverse alkoholische Angebote. Zwar führe sie keinen Wodka aus der Ukraine oder Russland, dafür aber polnischen in so mancherlei originellen Umverpackungen.
Trotz aller Widrigkeiten auf dem Ölmarkt ist sie optimistisch, dass ihre Tankstelle in dem kleinen Ort weiterhin konsequent angefahren wird. Schließlich habe sich in den drei Jahren bei ihr ein fester Kundenstamm herausgebildet, der nicht unbedingt vorher die Preise abgleicht.