Bislang hat das Tierheim Am See in Eisenhüttenstadt immer Wege gefunden, um hilfebedürftige Katzen aufzunehmen. Doch derzeit stößt es vor allem wegen der vielen aus der Ukraine mitgebrachten Tieren an seine Grenzen. Vermehrt werden auch kranke Exemplare ausgesetzt, wenn die Besitzer die Kosten nicht mehr tragen können.
Viele Tierheime haben vor allem über soziale Medien für die Stubentiger ein Aufnahmestopp angekündigt. Auch die Verantwortlichen in Eisenhüttenstadt müssen umdenken. Dabei hat Jana Feister es sich seit Gründung ihres Tierheimes an der Vogelsänger Chaussee in Eisenhüttenstadt im Mai 2013 auf die Fahne geschrieben, möglichst jedes notleidende Tier zu unterstützen, wenn es irgendwie geht.

Aufnahmestopp nicht für alle Katzen

Der Aufnahmestopp gilt aber weiterhin nicht für alle Katzen. So hat sie beispielsweise mit den Verwaltungen in Frankfurt (Oder) und Neuzelle einen Vertrag, die Fundtiere aufzunehmen. Für die Stadt Beeskow und für das Amt Schlaubetal gilt dieses nach Absprache, doch bei Anliegen beispielsweise aus Eisenhüttenstadt und aus der Gemeinde Brieskow-Finkenheerd ist damit zu rechnen, dass Jana Feister auch ablehnt. Denn für diese Gemeinden ist die Tierpension in der Oderlandstraße zuständig. Die Kosten für Fundtiere aus Gemeinden, mit denen es keine Verträge gibt, muss Jana Feister eigenständig aus Spenden finanzieren.
Das neue Gebäude für Hunde und Katzen steht im Rohbau. Tierheimleiterin Jana Feister (Vordergrund) will zu Beginn 2023 dort einen Teil ihrer Schützlinge unterbringen.
Das neue Gebäude für Hunde und Katzen steht im Rohbau. Tierheimleiterin Jana Feister (Vordergrund) will zu Beginn 2023 dort einen Teil ihrer Schützlinge unterbringen.
© Foto: Hagen Bernard
Auch wenn Gemeinden dazu verpflichtet sind, die Ausgaben für Fundtiere zu übernehmen, müssen private Tierheime dennoch laut Jana Feister den größten Teil ihrer Kosten selbst tragen.

Aufwendungen für Fundtiere finanziert Gemeinde nur kurzzeitig

Häufig werden die finanziellen Aufwendungen für Fundtiere nur kurzzeitig durch die Gemeinde getragen, danach müssen die Tierheime für Futter, Tierarzt, Personalkosten, Energiekosten und Instandhaltung selbst aufkommen.
Wenn Menschen ihre Privattiere im Tierheim abgeben, müssen sie zwar auch einen Obolus zahlen, dieser reiche jedoch nie aus, um alle Kosten zu decken. „Würde man die Summe verlangen, die in dem Zeitraum der Betreuung bis zur Vermittlung tatsächlich anfällt, könnte niemand mehr die Abgabe seines Tieres bezahlen. Ohne unsere Spender könnten wir so vielen Tieren nicht helfen“, ist sich die Tierheimleiterin sicher.
Doch der zumindest teilweise Aufnahmestopp trifft die Katzen gerade vor dem Wintereinbruch sehr hart. „Das Schicksal, dass einigen von ihnen bevorsteht, wenn wir nicht helfen können, wollen wir uns nicht ausmalen. Leider sind unsere Kapazitäten restlos erschöpft und es ist unmöglich, noch mehr Kätzchen aufzunehmen“, erklärt die Tierheimleiterin ihren Followern über Facebook.

Seit Monaten mehr Katzen aufgenommen als abgegeben

Bei sage und schreibe 79 Katzen ist jedoch eine Grenze erreicht. „Seit Monaten schon nehmen wir mehr Katzen auf, als wir abgeben können. So schlimm wie jetzt war es noch nie. Die derzeit schwierige finanzielle Lage lässt viele vor einer Adoption zurückschrecken. Derzeit gibt es einfach mehr Tiere, die ein Zuhause suchen, als Adoptanten.“
Es sei auch nicht immer jeder Interessent geeignet, eine Katze zu adoptieren. Das ergebe sich aus Gesprächen und den Besichtigungen bei den potenziellen Adoptanten.
Ein späteres Katzenzimmer des neuen Gebäudes des Tierheimes am See in Eisenhüttenstadt.
Ein späteres Katzenzimmer des neuen Gebäudes des Tierheimes am See in Eisenhüttenstadt.
© Foto: Hagen Bernard
Jana Feister hat mit ihren privaten Pflegestellen im Umfeld schon Möglichkeiten gefunden, die Aufnahmekapazität zu erhöhen. Doch auch diese Erweiterung ist nicht unendlich, schließlich erfordert das einen deutlich höheren Verwaltungsaufwand.

Tierheim dient in erster Linie zur Aufnahme notleidender Tiere

Dabei stellt sie jedoch eine Prämisse klar: „Wir sind als Tierheim für die Aufnahme notleidender Tiere zuständig und möchten keine Züchter unterstützen, die unüberlegt Tiere vermehrt haben oder Personen, die bei einem lästig gewordenen Tier den leichtesten Weg wählen.“
Vor allem der halbwilde Nachwuchs unkastrierter Freigängerkatzen mache die Tierheime voll. „Niemand möchte eine scheue Katze adoptieren. Die derzeit gestiegenen Tierarztpreise, darunter auch die Kastrationskosten, werden die Situation in den kommenden Jahren noch verschlimmern. Derzeit ist beispielsweise für eine Kastration eines Katers mit 120 Euro und bei einer Katze mit 160 Euro zu rechnen. „Die Erhöhung der Gebührenordnung für tierärztliche Leistungen trifft auch uns Tierheime sehr hart.“

Neues Gebäude für Katzen und Hunde fast fertig

Für die im Winter frierende Katzen gibt es im Tierheim Am See wieder Hoffnung. Der im September begonnene Rohbau für ein drittes Gebäude mit sechs Räumen für Katzenräume und fünf für Hunde steht bereits, zum Jahreswechsel soll er fertig sein.
Das neue Gebäude für Hunde und Katzen steht im Rohbau. Es soll zu Beginn 2023 bezogen werden.
Das neue Gebäude für Hunde und Katzen steht im Rohbau. Es soll zu Beginn 2023 bezogen werden.
© Foto: Hagen Bernard
„Dafür haben wir als Tierheim zehn Jahre lang immer wieder jeden möglichen Euro zurückgelegt. Doch ohne eine anteilige Förderung vom Land wäre es nicht möglich gewesen.“

Machbare Arbeiten in Eigenleistung

Zwar versuche Jana Feister, zusammen mit Helfern und Sponsoren vieles in Eigenleistung zu erbringen, doch bei einem Gebäude sei eine Firma unerlässlich. Um Geld zu sparen, ist das Tierheim jedoch auf freiwillige Helfer angewiesen. Für Maler- und Fliesenarbeiten ist laut Jana Feister jede helfende Hand willkommen.