Tierheim Eisenhüttenstadt
: Leiterin übergibt nach 24 Jahren – so geht es weiter

Nach 24 Jahren hat die 77-jährige Ute Valentin das von ihr gegründete Tierheim an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt abgeben. Das sind ihre Pläne.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Haben die Tierpension an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt viele Jahre geprägt: die langjährige Leiterin und Gründerin Ute Valentin (rechts) und ihr langjähriger Mitarbeiter Roland Zahn, der sich vor allem um Heizung und Hunde kümmerte. Mit dem Leitungswechsel seit Jahresbeginn wollen beide schrittweise etwas kürzertreten.

Haben das Tierheim in Eisenhüttenstadt viele Jahre geprägt: die langjährige Leiterin und Gründerin Ute Valentin (rechts) und ihr langjähriger Mitarbeiter Roland Zahn. Mit dem Leitungswechsel wollen beide schrittweise etwas kürzertreten.

Hagen Bernard
  • Ute Valentin übergibt nach 24 Jahren das Tierheim Eisenhüttenstadt an Alina Thiele.
  • Valentin gründete das Tierheim und führte es ehrenamtlich; sie plant nun mehr Freizeit.
  • Nachfolgerin Thiele, 23 Jahre alt, übernimmt das Tierheim mit vielen neuen Plänen.
  • Valentin und Mitarbeiter Roland Zahn wollen sich künftig zurückziehen.
  • Valentin plant, privat als Pflegestelle für Tiere zu arbeiten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nach vielen Jahren ist Ute Valentin mal wieder drei Wochen am Stück im Urlaub gewesen. Da hatte die 77-jährige Eisenhüttenstädterin ihre in der Nähe von Hamburg lebenden beiden Töchter besucht. Möglich war es nur, da sie aus Altersgründen zum Jahreswechsel ihre Tierpension an der Oderlandstraße an die 23-jährige Alina Thiele abgegeben hat.

In dieser Einrichtung steckt ihr Herzblut. „Seit 8 Uhr bin ich da, ich werde wohl um 16 Uhr gehen, also wie gewohnt“, sagt Ute Valentin zwei Tage nach ihrer Rückkehr. „Doch ich werde mir wohl jetzt häufiger ein Wochenende freinehmen oder so wie gerade verreisen.“

Tierheim Eisenhüttenstadt nach 24 Jahren ohne Ute Valentin

Privat hat Ute Valentin einiges nachzuholen, obwohl sie dieses Tierheim 24 Jahre im Ehrenamt geführt hatte. Diese ehrenamtliche Basis brachte ihr den Luxus, Anliegen und Probleme mit Umsicht und Ruhe und vor allem freundlich anzugehen. Schließlich war diese Tätigkeit das, wovon sie viele Jahre geträumt hatte. „Ich wollte schon immer in einem Tierheim arbeiten. Zu DDR-Zeiten gab es ja so etwas nicht, doch vom Westen her kannte man es ja.“

Sicherlich kommt die Tierliebe von ihrer Mutter, die sich immer einen Dackel gehalten hatte. Ende der 1950er-Jahre war ihr Vater aus Lübeck in die Stahlstadt gekommen. „Er hat mir nie gesagt, warum er hierhergekommen ist“, erklärt Ute Valentin. Sie hatte die ersten acht Klassen in der Erich-Weinert-Schule gelernt, die neunte und zehnte Klasse verbrachte sie in der Schule 4, wo das heutige Gymnasium ist.

Ute Valentin begann zunächst im Tierheim am Klärwerk

In der Oderlandstraße 3 war zur Jahrtausendwende heimisch geworden, als sie mit ihrem vor 13 Jahren verstorbenen Mann, einem ehemaligen Meister am Hochofen bei ArcelorMittal, dieses Anwesen erworben hatte. Zuvor hatte Ute Valentin viele Jahre als Industriekauffrau beim Kraftverkehr in Eisenhüttenstadt gearbeitet. Als dieser Betrieb wenige Jahre nach der Wende geschlossen wurde, hatte sie nach einer Phase der Arbeitslosigkeit eine Tätigkeit im Eisenhüttenstädter Tierheim am Klärwerk an der B112 aufgenommen.

Dieses hatte Ute Valentin einige Zeit mit Wally Forgbert geleitet. Als jedoch „zu viele dort bestimmen wollten“, baute sich die langjährige Fallschirmspringerin mit ihrem Mann und Harry Berndt ihr eigenes Tierheim in den Gebäuden des ehemaligen Häftlings- und Verwaltungslagers Stalag II-B auf. Das hatte lange als Ausbildungsstätte für Lehrlinge des BMK Ost fungiert und dann einige Jahre nahezu leer gestanden. Zum Zeitpunkt, als Ute Valentin übernahm, waren nur noch zwei Räume genutzt worden. Daher war das ganze Gebäude zwar recht leer, jedoch noch intakt.

Denkmalschutz spielte damals keine Rolle

„Damals hatte der Denkmalschutz für dieses Gelände keine solche Rolle wie jetzt gespielt. Bei solchen Auflagen wie jetzt hätte ich mir wahrscheinlich einen anderen Ort gesucht.“ Übrigens war das Tierheim am Klärwerk ein Jahr nach ihrem Weggang aus finanziellen Gründen aufgelöst worden.

Schrittweise richtete es sich Ute Valentin ein. Von den Ämtern Schlaubetal, Neuzelle, Brieskow-Finkenheerd und von der Kommune Eisenhüttenstadt hatte sie umgehend die Verträge zur Abnahme der Fundtiere. Damit war eine Einnahmequelle sicher.

Der Tierschutzverein pachtete die Räume, Fußboden und Heizung wurden umgestaltet, es entstanden Hundezwinger, Katzenausläufe. Dafür gab es zahlreiche Helfer. Die „Harten Jungs“ gestalteten die vier Katzenausläufe und stellten Wände auf, die Firma Heckmann unterstützte mit Material und Schweißarbeiten, Jörg Herrmann mit seinem Tierschutz „Augen auf, wir helfen Tieren“ greift dieser Tierpension regelmäßig unter die Arme, Baggertino aus Müllrose hilft regelmäßig bei Erdarbeiten und dann gibt es noch zahlreiche weitere Helfer und Förderer.

Unter den Mitarbeitern sind sowohl geringfügig Beschäftigte als auch solche wie Ute Valentin, die unentgeltlich wirken. Das trifft auch auf Roland Zahn zu. Er kam, als Harry Berndt beerdigt war, also vor eineinhalb Jahrzehnten. Roland Zahn ist der Mann für die Heizungen, erledigt zahlreiche weitere handwerkliche Arbeiten und kümmert sich viel um die Hunde. „Wir haben uns angewöhnt. Erst die Tiere, also Saubermachen und Füttern. Erst dann kommen wir.“ Oft finden dann beide erst in der Mittagszeit Zeit zum Essen und für ein Gespräch. Nach der Übergangsphase will auch er etwas kürzertreten.

Ute Valentin drückt ihrer Nachfolgerin im Tierheim die Daumen

„Ich bin ja so froh, dass das Tierheim bestehen bleibt. Ich hoffe, dass alles gut geht und meine Nachfolgerin ihre vielen großen Pläne umsetzen kann“, erklärt Ute Valentin. Selbst möchte sie mit ihrem Zuhause „ein bisschen Pflegestelle machen“. Derzeit hat sie kurioserweise keinerlei Haustiere im eigenen Haushalt. Ihre beiden 17-jährigen Katzen sind im vergangenen Jahr gestorben.

Im Nachhinein hat Ute Valentin ihr Tierheim-Projekt nicht bereut. „Ich wollte das immer machen und habe dabei auch viele schöne Stunden gehabt.“ Allerdings seien mit den Tieren immer Schicksale verbunden. „Auch wenn man sie liebgewinnt, muss man sich von ihnen trennen können. Schließlich geht es um ihr Wohl.“ Kein Tier möchte sie besonders erwähnen. Haften geblieben sind ein Zirkus-Schwein, das wegen der Afrikanischen Schweinepest vorübergehend bei ihr untergebracht war, ein sprechender Papagei, eine Eule oder auch ein verletzter Schwan. Der wurde dann wieder am Kanal ausgesetzt, wo ihn bereits seine Familie begrüßt hatte.