In Bulgarien gibt es zwar ansprechende Tierschutzgesetze und keine Tötungsstationen, dennoch eilt diesem Balkan-Land nicht unbedingt der Ruf voraus, besonders tierfreundlich zu sein. Vor allem in ländlichen Gebieten sind herrschen noch herkömmliche Auffassungen vor. Hund und Katze sind Dinge, die durchaus auch mal schnell entsorgt werden können.
Außerdem ist die Anzahl der maximal zu haltenden Hunde und Katzen stark eingeschränkt und wird seit kurzem bei Verstößen bestraft. Daher landen relativ viele Tiere auf der Straße. Theoretisch werden diese eingefangen und kastriert. Zwar habe sich die Situation vor allem in den großen Städten verbessert, doch insgesamt werden die Bulgaren der Streunerhunden und vagabundierenden Katzen nicht Herr. Viele dieser Tiere erkranken und sterben vorzeitig, dabei läuft jedoch die Vermehrung unkontrolliert ab.

Bei zu vielen Tieren wird in Bulgarien eine Strafe fällig

Tierschützer wirken dem mit zusätzlichen Kastrationsprogrammen und der Vermittlung überzähliger Tiere ins Ausland entgegen. So hat das Tierheim an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt gerade sieben bulgarische Hunde aufgenommen. „Eigentlich wollte ich nur vier von ihnen, doch unsere bulgarische Freundin hat darum gebeten, ihr sieben abzunehmen. Man darf dort nur fünf Hunde halten. Sind es mehr, ist dort seit kurzem eine Strafe fällig“, erklärt Tierheim-Leiterin Ute Valentin.
Übrigens ist bei der Einfuhr nach Bulgarien die Anzahl der Hunde ebenfalls auf fünf begrenzt, es sei denn, man startet bei Rassenschauen. Allerdings gibt es hinsichtlich der Rassen im Gegensatz zu Deutschland keinerlei Einschränkungen.

Die bulgarischen Hunde sind durchweg freundlich

Immerhin scheint es den fünf Monate alten Mischlings-Hunden in Bulgarien nicht ganz schlecht ergangen zu sein. Sie sind gut genährt. Obwohl sie von der Straße kommen, sind es laut Ute Valentin durchweg freundliche Tiere, die sich anfassen und streicheln lassen. Vier von ihnen sind Geschwister.
Allerdings haben die Hundewelpen durchweg recht wenig gelernt. Unter anderem können sie nicht an der Leine gehen. Zwar stehen in den Pässen Namen – schließlich sind sie gechippt, geimpft und kastriert – doch auf diese müssen sie auch noch hören lernen. Die Mundart in Deutschland ist halt eine andere als bislang gewohnt.
Besonders zur Vermittlung empfiehlt Ute Valentin ihren Schützling Maron. Der rotbraune Rüde ist am 5. Mai geboren und auch etwas größer als seine Gefährten. Ihm traut es Ute Valentin am ehesten zu, sich an einen neuen Halter in Deutschland zeitnah anzupassen.
„Er ist sehr anhänglich, lernt schnell, insgesamt ein sehr pfiffiges Kerlchen. Er kommt auch mit seinen Artgenossen sehr gut klar. Wie übrigens alle Hunde aus diesem Transport“, erklärt Ute Valentin.
In dieser Hinsicht hatte sie schon unliebsame Überraschungen erlebt. Kennengelernt im Ausland als niedliche Welpen, waren es drei Monate später nach Ankunft in Eisenhüttenstadt ausgesprochene Angsthunde, die sich kaum vermitteln lassen. Doch die Tierheimleiterin ist fest davon überzeugt, dass diese sieben bulgarischen Hunde auch aus psychischer Sicht den Transport gut überstanden haben.