Das Tierheim am See in Eisenhüttenstadt platzt aus allen Nähten. Derzeit sind dort unter anderem 30 Hunde und 70 Katzen untergebracht. „So voll wie jetzt war es noch nie“, sagt die Leiterin Jana Feister. Seit neun Jahren führt sie diese Einrichtung.
„Vor allem die Vermittlung der Katzen läuft sehr schlecht. Wahrscheinlich haben sich die Leute während der Corona-Pandemie mit Hunden und Katzen eingedeckt und sind viele Tiere aus der Ukraine unter der Hand weiter gegeben worden. Auf alle Fälle fehlen mir die Adoptanten und auch die Pflegefamilien, die mal zeitweise ein Tier aufnehmen würden“, führt Jana Feister fort.

Viele Tiere aus der Ukraine

Doch damit steht sie nicht allein. Bundesweit zeichnet sich eine Abgabewelle von Tieren ab, die während der Corona-Zeit erworben und jetzt aus verschiedenen Gründen lästig geworden sind. Das trifft vor allem auf Hunde und Katzen zu. Auch der illegale Welpenhandel hatte während in der Corona-Krise einen Aufschwung erfahren, in diesem Jahr hatten viele Ukraine-Flüchtlinge mangels Alternativen ihre Lieblinge schnell weitergegeben.
Laut Jana Feister verstopfen vor allem beschlagnahmte Listenhunde, auffällig gewordene Herdenschutzhunde, kleine halbwilde Katzen, also Nachkömmlinge sogenannter Freigängerkatzen sowie schwarze Katzen, die wegen der Farbe viele ablehnen, die Tierheime.
Eddy ist 13 Wochen alt. Die Mutter kam tragend ins Tierheim. Rote Katzen sind sonst sehr gefragt, aber Eddy wartet schon seit Wochen vergeblich auf einen Halter.
Eddy ist 13 Wochen alt. Die Mutter kam tragend ins Tierheim. Rote Katzen sind sonst sehr gefragt, aber Eddy wartet schon seit Wochen vergeblich auf einen Halter.
© Foto: Cora Schulenburg
Doch mit Lockerung der Gesundheits-Maßnahmen sind wieder Urlaubsreisen möglich, die Kinder gehen regulär wieder zur Schule und die meisten können inzwischen wie gewohnt arbeiten und haben daher weniger Zeit für das neu angeschaffte Haustier.
Der schwarz-weiße Tom wurde in eine Mülltonne geworfen. Vermutlich war er zuvor auch misshandelt worden.
Der schwarz-weiße Tom wurde in eine Mülltonne geworfen. Vermutlich war er zuvor auch misshandelt worden.
© Foto: Cora Schulenburg
„Ich suche händeringend Leute, die ein Tier zur Pflege bis zur Vermittlung aufnehmen würden. Viele würden es sicherlich können und auch die Bedingungen dafür haben, doch sie trauen sich leider nicht, den ersten Schritt zu machen und Kontakt zu uns aufzunehmen. Viele wissen auch gar nicht, wie dringend notwendig Pflegefamilien sind. Wenn das Tierheim voll ist, können wir keine weiteren Tiere mehr aufnehmen und müssen welche zurücklassen. Jede Pflegestelle rettet in Not in schwierigen Zeiten ein Leben“, sagt die Tierheimleiterin.
Um eine fachgerechte Vermittlung und Auswahl der Interessenten kümmere sich das Tierheim. Die Pflegestellen seien nur mit der Versorgung der Tiere betraut.

Tierheim-Chefin muss zunehmend ablehnen

So ist Jana Feister gezwungen, auch mal angebotene Katzen abzulehnen. „Jemand wollte kostenlos bei mir Junge von einer Rassekatze abgeben, die sich versehentlich mit einem Nichtrasse-Kater gepaart hatte. Doch als ich sagte, dass dafür eine Gebühr fällig ist, da ich ja beispielsweise mit Impfungen Unkosten habe, war er beleidigt und nahm davon Abstand. Da hatte wohl jemand den leichtesten Weg gesucht. Außerdem sind wir als Tierheim für die Aufnahme notleidender Tiere zuständig und möchten keine Züchter unterstützen, die unüberlegt Tiere vermehren.“
Katze White wurde ausgesetzt, vermutlich weil sie taub ist. Sie hat sich mit Kater Tom gut angefreundet. Das Tierheim am See in Eisenhüttenstadt will beide nur zusammen vermitteln.
Katze White wurde ausgesetzt, vermutlich weil sie taub ist. Sie hat sich mit Kater Tom gut angefreundet. Das Tierheim am See in Eisenhüttenstadt will beide nur zusammen vermitteln.
© Foto: Cora Schulenburg
In einem anderen Fall wollte ein Mann die Katze seiner verstorbenen Mutter abgeben. Als er merkte, dass er es beim Tierheim nicht kostenlos könne, erklärte er laut Jana Feister, er habe ja noch einen Wassereimer.
„Mich macht es traurig, dass unsere oft ehrenamtliche Tätigkeit so missachtet und Leute versuchen, uns moralisch zu erpressen. Wir lassen uns aber nicht erpressen. Wir wissen aber wiederum, dass ein Tier, wenn wir die Annahme ablehnen, es oft ausgesetzt wird, sich damit selbst überlassen bleibt, im schlimmsten Fall verstirbt oder getötet wird. Und gerade deswegen versucht man als Tierschützer überall zu helfen. Es ist aktuell gefühlt mehr Bedarf an Hilfe da, als man helfen kann.“

Oft sollen Katzen nur paarweise vermittelt werden

Beispielsweise wohnen bei ihr ein Kater und eine Katze zusammen, die sie auch nur zusammen vermitteln möchte. Der Kater wurde in eine Mülltonne geworfen und hat neurologische Probleme, die Katze wurde ausgesetzt, vermutlich weil sie taub ist. Beide will sie nur zusammen vermitteln.
Ebenso hat sie zwei 13 Wochen alte Geschwister, die in der Nähe des Tierheims gefunden wurden und erst einmal eine Nabelbruch-Operation überstehen mussten.
Katze Hope ist zehn Wochen alt. Sie war fast verhungert aufgefunden worden und konnte gerade noch so gerettet werden.
Katze Hope ist zehn Wochen alt. Sie war fast verhungert aufgefunden worden und konnte gerade noch so gerettet werden.
© Foto: Cora Schulenburg
Dass es ein Irrglaube ist, dass Katzen Einzelgänger wären, sei laut Jana Feister vielen Tierhaltern bekannt. Ganz im Gegenteil seien Katzen sogar sehr soziale Tiere und Jana Feister möchte die individuellen Bedürfnisse ihrer Schützlinge in jedem Fall berücksichtigen. So vermittel sie sozial lebende Katzen nicht einzeln in eine reine Wohnungshaltung. Doch das erschwere die Vermittlung, da manche Interessenten nur Einzeltiere halten wollen. „Unser Grundsatz ist aber, immer im Interesse der Tiere zu entscheiden“, sagt sie.
Die beiden Kätzchen Lisa und Rufi wurden vor kurzem unweit des Tierheimes am See in Eisenhüttenstadt ausgesetzt. Bei beiden war eine Nabelbruch-Operation notwendig. Diese haben sie gut überstanden. Nun suchen die 13 Wochen alten Geschwister ein neues Zuhause. Beide sollen zusammen vermittelt werden.
Die beiden Kätzchen Lisa und Rufi wurden vor kurzem unweit des Tierheimes am See in Eisenhüttenstadt ausgesetzt. Bei beiden war eine Nabelbruch-Operation notwendig. Diese haben sie gut überstanden. Nun suchen die 13 Wochen alten Geschwister ein neues Zuhause. Beide sollen zusammen vermittelt werden.
© Foto: Cora Schulenburg
Doch irgendwie muss sie ja in ihrem Tierheim Platz schaffen, damit wieder besonders bedürftige Vierbeiner nachrücken können.