Verstärkte Anstrengungen
Hintergrund des Appells ist nicht so sehr die Sorge um gesunde Ernährung, sondern ist eine Folge der Präventionsmaßnahmen gegen die mögliche Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest. "Noch ist kein Fall in Brandenburg nachgewiesen worden. Die Fundorte auf der polnischen Seite rücken allerdings immer näher ran", erklärte die Dezernentin. Der Landrat hatte deshalb eine Tierseuchenallgemeinverfügung erlassen, die eine verstärkte Bejagung von Schwarzwild vorsieht.
Tatsächlich sind die Abschusszahlen – vor allem im östlichen Bereich des Landkreises – deutlich gestiegen und damit auch das Angebot an Wildfleisch. "Im Landkreis Oder-Spree wurden in den Jahren 2018 im Durchschnitt von 410 und 2019 von 420 Wildschweinen im Monat Proben zur Trichinenuntersuchung im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt abgegeben", teilt Amtstierärztin Petra Senger auf Anfrage mit. "Im Vergleich zu dieser durchschnittlichen Untersuchungszahl, ist in den letzten drei Monaten seit Anordnung der verstärkten Bejagung ein Anstieg auf 991 Stück im November, 938 Stück im Dezember und 595 Stück im Januar zu verzeichnen." Die Amtstierärztin dankt  den beteiligten Jägern an dieser Stelle für ihre Bemühungen, insbesondere in den Jagdgebieten an Oder und Neiße, wo das Risiko der Einschleppung durch infizierte Tiere aus Westpolen sehr hoch ist.
Allerdings bekräftigt sie auch: "Eine wirksame Absenkung der hohen Populationsdichte ist damit jedoch noch nicht zu erreichen. Die Anstrengungen müssen weiterhin verstärkt werden." Und sie sieht bei diesen Anstrengungen genauso wie Gundula Teltewskaja auch das Land in der Pflicht: "Dazu ist eine Entscheidung der Verantwortlichen auf Landesebene über eine wirksame Aufwandsentschädigung und Möglichkeiten der Vermarktung des gesund erlegten Schwarzwildes dringend erforderlich." Daneben werde der Einsatz effektiverer Jagdmethoden notwendig sein, dazu werde es im Landkreis eine Schulung zur Sachkunde im Umgang mit Fallenfang geben.
Immerhin hat sich das Land am Aufbau eines 42 Kilometer langen Schutzzaunes entlang der Oder beteiligt. Allerdings hat der Landkreis damit erheblichen Aufwand. "Die 42 Kilometer müssen täglich kontrolliert und repariert werden. Es ist erstaunlich, wie viel menschliche Energie in die Zerstörung der Anlage gesteckt wird. Wir haben tagtäglich Reparaturen und es werden die Trafos für den Elektrozaun geklaut", schilderte Gundula Teltewskaja die Probleme.
Derweil bereiten sich das Veterinäramt und das Lebensmittelüberwachungsamt intensiv auf einen möglichen Ausbruch der Seuche in der Region vor. Die Dezernentin führte unter anderem aus, dass Mitarbeiter geschult würden. Es gehe auch um Kapazitäten für die Entsorgung möglich befallener Tiere.
Für die Landwirte hätte der Ausbruch der Seuche, die für Menschen ungefährlich ist, schwerwiegende Folgen. "Wir müssen uns bewusst sein: Wenn die Seuche ausbricht, je nachdem wo die Ausbruchsstelle ist, haben die Landwirte zum Teil keine Chancen mehr, ihre Schweine zu verwerten", sagte die Dezernentin.

120 KilometerSchutzzaun

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit Mitte November in Westpolen aus. Der Erreger ist für Wild- und Hausschweine innerhalb weniger Tage meist tödlich. Für Menschen stellt die Krankheit keine Gefahr dar. Die auf polnischer Seite eingerichteten Restriktionszonen reichen bis an die deutsche Grenze und berühren die brandenburgischen Landkreise Spree-Neiße und Oder-Spree. Das Land hat deshalb entschieden, lokal und zeitlich begrenzt mobile Wildschutzzäune auf einer Länge von bis zu 120 Kilometern je nach Gefährdungslage entlang der Hochwasserschutzanlagen einzusetzen. lö