Doch die Helene, die sich sozusagen vor seiner Haustür befindet, bietet wesentlich mehr. "Ich habe noch längst nicht alle Ecken entdeckt! Tauchen kann man hier ohne Ende." Dabei versucht der 57-Jährige drei- bis viermal in der Woche abzutauchen –  natürlich nie allein. D – das ist ein ungeschriebenes Gesetz bei Tauchern. Auch im Winter legt er keine Pause ein. "Es gibt doch Trockentauchanzüge", sagt er. Zudem sei das Wasser des zirka 250 Hektar großen Sees in der kalten Jahreszeit etwas klarer. Ein Grund dafür: Es werden durch fehlende Badegäste nicht so viele Sedimente aufgewirbelt. Im Sommer hingegen ist es hin und wieder ganz schön diesig. Die Sichtweite? Reinke überlegt: "Zwei bis fünf oder sechs Meter. Je nachdem, wo man taucht!" Ältere Kumpels aus dem Verein würden aber davon schwärmen, dass man zu Ost-Zeiten teilweise 14 bis 15 Meter weit gucken konnte.
Ja, die Unterwasser-Welt habe sich verändert – auch in den vergangenen fünf Jahren. Reinke, der 2014 seine Leidenschaft fürs Tauchen entdeckt hat, führt das zum einen auf die Setzungen in der ehemaligen Braunkohle-Grube zurück. Zu DDR-Zeiten sei das nachdrückende Grundwasser noch ganz frisch gewesen, die Beschaffenheit des Bodens anders. Außerdem sei der See stark frequentiert. Im Sommer finde man oft Bierbüchsen und Angelutensilien auf dem Grund. "Wir führen sogar Müllsammelaktionen durch. Taucher sind schließlich auch Naturschützer", betont Thomas Reinke.
Die Helene ist dennoch ein beliebtes Tauchterrain. "Sogar Berliner kommen regelmäßig", weiß der Rießener. Die mit der Helene verbundene Katja sei ebenfalls ein gutes Unterwasserrevier. Viele andere Seen in der Umgebung hätten hingegen eine zu schlechte Sichtweite. Und was ihn im Helenesee am meisten reizt, ist das Tauchen zur immer noch vorhandenen Braunkohle, die dort in der Grube von 1930 bis 1956 abgebaut wurde. "Da gibt es tolle Canyons, die der Bagger einst hinterlassen hat." Wer die sehen möchte, muss man allerdings schon etwas tiefer hinab. "Ich als Sporttaucher mache bei  40 Metern Schluss", sagt er.  Fehlen noch 16 Meter bis zur tiefsten Stelle des Sees. Natürlich hält Reinke jedes noch so kleine Detail unter Wasser mit seiner Kamera fest. "Ich mag vor allem mystische Wurzelgebilde", gibt er zu. Aber auch Fahrräder sind zu finden, ein alter Kahn, zwei Auto-Skelette – die extra als Tauchspots versenkt wurden –, genau wie ein Tisch mit Computer. Und bei Helgas Imbiss treffen Reinke und seine Freunde vom Frankfurter Unterwasser-Club sich schon mal auf ein symbolisches Gläschen in der Tiefe. Selbst nachts ist er manchmal unterwegs. "Da ist das noch mal eine ganz andere Welt", schwärmt er.
Wer lieber die Lebewesen in der Helene entdecken möchte, der müsse in einer Tiefe von fünf bis sechs Metern tauchen. Da trifft man dann neben Hechten auch Schleie, Flussbarsche, Welse, Flusskrebse und "solche Kamele", sagt er und deutet mit seinen Händen eine Länge von etwa 80 Zentimetern an. "Karpfen, die grubbern den Boden um, das ist unglaublich." Reinke hat sogar schon mal einen Hai gesehen, berichtet er mit einem Schmunzeln. Den Blechkumpel hat er für einen Tag mal mit runter genommen. Spaß gehört zum Tauchen eben dazu.
Wenn er so durch Armleuchteralgen, Tannenwedel, Laichkraut und Wasserschläuche schwebt, gibt es aber auch besorgniserregende Anzeichen. In manchen Teilen des Sees hätten sich so viele Sedimente auf den Pflanzen abgelagert, dass diese abgestorben seien. Und hier und da sehen die Taucher riesige Bakterienteppiche. An nicht so hoch frequentierten Stellen sei die Unterwasserwelt aber intakt, berichtet er. "Die Helene ist eben speziell." Und die Taucher selbst versuchen auch, das Gleichgewicht des Sees zu erhalten. Um den Hechten beispielsweise Verstecke zum Laichen zu geben, haben sie alte Kiefern im Boden verankert. Die werden nun rege genutzt – auch von nicht so alten Hasen."

Tauchschein  und -kurse


Ein Tauchschein, auch Brevet genannt, ist der Nachweis einer erfolgreich absolvierten Tauchausbildung. Brevets bescheinigen einem Taucher, dass er über ausreichende Fähigkeiten verfügt, um ohne die Begleitung eines Tauchlehrers zu tauchen. Bei Tauchscheinen fürs Sporttauchen handelt es sich nicht um amtliche Dokumente, sie haben Empfehlungscharakter. In einigen Ländern jedoch – wie Australien – ist das Tauchen ohne den Besitz eines Brevets gesetzlich untersagt. Auch Vereine an der Helene bieten nach zertifizierten Standards Tauchkurse an. red