Wasserverkehr: Zwillingsschachtschleuse in Eisenhüttenstadt mit immer weniger Schleusungen
Maren Schmelzer, Leiterin des Außenbezirkes Fürstenwalde beim Wasserstraßen– und Schifffahrtsamt Berlin, will die Schleuse auch künftig attraktiv halten, und zudem den Verkehr auf dem Oder–Spree–Kanal beleben. „Es gibt bundesweit eine große Anzahl bedeutender Schleusen, die Zwillingsschachtschleuse ist aber in ihrer Art einmalig und aus gutem Grund ein technisches Denkmal.“
Wohl auch deshalb waren jüngst erneut 15 Personen — Kinder und Erwachsene — zu einer Führung im Rahmen des diesjährigen Feriendiploms zu Gast. Dabei wurden sie direkt Zeuge einer Schleusung — ein Sportboot wurde von der Oder in den Kanal befördert. Das dauerte rund 30 Minuten an. Im Idealfall werden normalerweise ganze Bootsgruppen geschleust. Um die Wartezeiten aber in einem gewissen Rahmen zu halten, werden auch vermehrt Einzel–Schleusungen durchgeführt.
Attraktivität steigern
Maren Schmelzer spricht von stark schwankenden Zahlen, was die Anlage betrifft. Aufgrund der oft niedrigen Wasserstände in der Oder sei die Zahl der passierenden Boote sogar rückläufig. „Das liegt an der schlechten Schiffbarkeit der Oder“, erklärt die Leiterin des Außenbezirkes. In den letzten zehn Jahren seien es zwischen 900 und 2000 Boote gewesen, die jährlich die Zwillingsschachtschleuse passiert hätten. Gegenmaßnahmen gegen diese Entwicklung seien in Form von verschiedenen baulichen Projekten bereits geplant, um somit wieder eine größere Tauchtiefe im Wasser zu erreichen.
Eine Schleuse werde aber unabhängig von den Zahlen immer gebraucht, erklärt Maren Schmelzer und betont die Bedeutung für den Wasserverkehr. „Es wird keine Option sein, die Schleuse eines Tages dicht zu machen. Der Kanal geht nicht ohne Schleuse und die Schleuse nicht ohne Kanal“, erklärt die Sprecherin des Wasserstraßen– und Schifffahrtsamtes. Aus touristischer Sicht, wie auch das große Interesse an den Führungen im Rahmen des Ferienprogramms zeigt, sei die Anlage zudem ein wichtiges Aushängeschild für Eisenhüttenstadt und die ganze Region.
„Auch deswegen ist die Zwillingsschachtschleuse erhaltungswürdig. Man muss den Blick aber auch nicht nur auf eine Schleuse richten, sondern auf den ganzen Kanal. Beispielsweise in Fürstenwalde steht eine neue Schleuse auf dem Programm“, führt die Außenbezirksleiterin weiter aus.
Prinzipiell ist die Schleusung kostenlos, wenn Bootsfahrer passieren möchten, wie aus der Führung am Mittwoch hervorgeht. Der finanzielle Gegenausgleich erfolgt stattdessen über den Mitgliedsbeitrag in den jeweiligen Bootsvereinen, welche wiederum für diese Leistung bezahlen. Sinnvoll sei es natürlich, sich vorab, beispielsweise telefonisch, anzukündigen, sodass es nur in Ausnahmefällen zu Einzelschleusungen kommt.
Das technische Denkmal ist die letzte von vier Schleusen, die auf dem Weg zur Oder passiert werden müssen. Über 6000 Tonnen Stahlbeton wurden für den Bau, der am 1. August 1925 begann, verwendet. Die besondere Betriebsart, in der eine Kammer Ober– und die andere Unterwasser hat, spart 50 Prozent Wasser im Vergleich zu Einzelkammerschleusen.

