Weihnachten in der DDR
: 7 Dinge, die das Fest im Osten geprägt haben

Weihnachten in der DDR war speziell. Wer im Osten groß geworden ist, wird sich garantiert an diese Dinge erinnern.
Von
Nicole Züge
Frankfurt (Oder)
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Weihnachten in der DDR war ein spezielles Fest. In ein weihnachtlich geschmücktes DDR-Wohnzimmer (wie hier in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg) gehörte gebügeltes Lametta am schlecht gewachsenen Weihnachtsbaum genauso dazu, wie das Album Weihnachten in Familie und viele andere Dinge.

Weihnachten in der DDR war ein spezielles Fest. In ein weihnachtlich geschmücktes DDR-Wohnzimmer (wie hier in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg) gehörte gebügeltes Lametta am schlecht gewachsenen Weihnachtsbaum genauso dazu, wie das Album Weihnachten in Familie, der Nussknacker und ein Schwibbogen aus dem Erzgebirge.

Peter Förster/dpa
  • Weihnachten in der DDR hatte spezielle Traditionen wie gebügeltes Lametta und "Weihnachten in Familie".
  • Typische Deko: Lametta aus Lauscha, Nussknacker, Schwibbogen und Pyramiden aus dem Erzgebirge.
  • Weihnachtsessen: Am 24. Dezember Kartoffelsalat und Würstchen, danach Braten mit Rotkohl.
  • Westpakete halfen bei der Versorgung mit Mangelware wie Südfrüchten und Schokolade.
  • DEFA-Märchen und „Jahresendfeier“ waren feste Bestandteile der DDR-Weihnachtszeit.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Weihnachten in der DDR: Nussknacker und Räuchermännchen stehen auf der guten Carat Schrankwand, Mutti steht in der Küche und schmeckt den Kartoffelsalat ab, während Vati noch ein paar zusätzliche Äste in den Weihnachtsbaum einarbeitet. Dazu läuft „Weihnachten in Familie“ auf dem Plattenspieler. So oder so ähnlich haben viele Menschen im Osten Weihnachten erlebt.

Wir schauen kurz vor dem Weihnachtsfest noch einmal zurück: Eine persönliche und ostalgische Auswahl von 7 Dingen, die Weihnachten in der DDR geprägt haben.

1. Die Weihnachtsdeko: Lauscha-Lametta, Narva-Lichterkette. Geschenkpapier

„Früher war mehr Lametta.“ Zugegebenermaßen ein geflügeltes Wort aus dem Westfernsehen („Weihnachten bei den Hoppenstedts“), aber früher war eben tatsächlich mehr Lametta, auch in der DDR. Das DDR-Lametta kam – wie die berühmten Fadenkugeln – aus dem VEB Glasschmuck in Lauscha (Thüringen) und wurde in vielen Familien über Jahre wiederverwertet. Dazu musste man es ganz vorsichtig „zusammenlegen“, manche bügelten es sogar glatt. Auch die berühmte NARVA-Lichterkette gehörte zu Weihnachten dazu. Die wird heute sogar wieder produziert.

Eine Lampe dreht Hanns Schoenau vom NARVA-GOLUX Glühlampenwerk Oberweißbach GmbH (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) am 02.03.2005 in einer original Narva-Lichterkette in die Fassung. Seit letztem Jahr wird die bereits zu DDR-Zeiten produzierte Lichterkette zum Schmücken von Weihnachtsbäumen wieder in Oberweißbach montiert. Die Produktpalette des Glühlampen-Herstellers reicht von Fahrzeuglampen über Signalsoffitten und Illuminations-Beleuchtungen bis zu original Thüringer Glaslichtschmuck. Seit nunmehr 100 Jahren werden in Oberweißbach Glühlampen hergestellt. Der Ort ist zugleich Ursprung der Lampenherstellung mittels Automaten in Deutschland. Foto: Jens Büttner dpa/lth +++ dpa-Bildfunk +++

Hanns Schoenau vom NARVA-GOLUX Glühlampenwerk Oberweißbach GmbH (Kreis Saalfeld-Rudolstadt) dreht am 02.03.2005 in einer original Narva-Lichterkette eine Lampe in die Fassung. Seit 2004 wird die bereits zu DDR-Zeiten produzierte Lichterkette zum Schmücken von Weihnachtsbäumen wieder in Oberweißbach produziert.

Jens Büttner/ dpa

Unvergessen sind auch die Lichter-Glocken-Spiele. Eine Art Blechpyramide mit Engeln oder in Weihnachtsbaumform, in der vier Kerzen Platz hatten. Sehr gern vergessen würden sicher viele Menschen die Räuchermännchen. Der Autorin dieser Zeilen geht der Geruch der Räucherkegel noch heute durch Mark und Bein. Es gibt sie nämlich noch zu kaufen und einige Familienmitglieder halten sehr standhaft an der Räucher-Tradition fest. Zur typischen DDR-Weihnachtsdeko gehörten außerdem Nussknacker, Schwibbogen und Pyramiden aus dem Erzgebirge.

Wer im Osten groß geworden ist, hat zudem gelernt, Geschenke so auszupacken, dass das Geschenkpapier keinen Schaden nimmt. Das Papier wurde fein säuberlich zusammengelegt und manchmal auch gebügelt. Was damals der Mangelwirtschaft geschuldet war, würde heute als besonders nachhaltig durchgehen.

2. Weihnachtsessen in der DDR

Die meisten Familien hatten am 24. Dezember abends Kartoffelsalat und Würstchen auf dem Tisch. Erst am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag gab es den Weihnachtsbraten. Der hatte zuvor in vielen Fällen schon einige Monate in der Tiefkühltruhe hinter sich. Die Mangelwirtschaft erforderte gute Planung: Geschenke, bestimmte Zutaten, Dekoartikel oder die Weihnachtsgans wurden über das Jahr hinweg organisiert.

Weihnachten in DDR, hier anhand eines geschmückten Wohnzimmers in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) zu sehen.

Weihnachten in DDR, hier anhand eines geschmückten Wohnzimmers in der DDR-Museumswohnung in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) zu sehen.

Peter Förster/dpa

3. Westpakete zu Weihnachten

Apropos Mangelware! Vieles war im DDR-Alltag nicht leicht zubekommen. Das galt für ganz alltägliche Dinge, wie Kaffee, Schokolade oder Damen-Strumpfhosen genauso, wie für weihnachtliche Waren. So waren Orangeat und Zitronat (als Backzutaten für den Stollen) oder auch Südfrüchte wie Apfelsinen oder Bananen Mangelware. Da kamen die beliebten Westpakete – so man denn Verwandtschaft „drüben“ hatte – gerade recht, vor allem vor Weihnachten! Bedankt hat man sich dann auch, und zwar mit Ostpaketen. Darin zu finden war vor allem Handwerkskunst aus dem Erzgebirge oder ein Dresdner Stollen.

4. Weihnachten in Familie: DIE Weihnachtsplatte

Das christliche Weihnachtsfest und der im Sozialismus verankerte Atheismus – eigentlich zwei Dinge, die so gar nicht zusammenpassten. In der Spätphase der DDR wurden bestimmte Dinge dann doch geduldet, was die 1985 erschienene Platte „Weihnachten in Familie“ von Frank Schöbel, seiner damaligen Lebensgefährtin Aurora Lacasa und deren beiden Töchtern Dominique und Odette beweist.

Frank Schöbels selbst komponierte Lieder wie „Liebe Mama“, „Wir haben einen Weihnachtsbaum“, „Weihnachten in Familie“ und „He, du Weihnachtsmann“ wechseln sich auf dem Album mit alten, christlichen Volksliedern ab. Die Mischung kam an: „Weihnachten in Familie“ wurde mit rund 2 Millionen verkauften Exemplare die am häufigsten verkaufte Platte des Plattenlabels „Amiga“. Frank Schöbel machte das seinerzeit zum erfolgreichsten Einzelkünstler der DDR.

Übrigens ist das Album mittlerweile digitalisiert und kann bei den einschlägigen Musik-Streamingdiensten nachgehört werden. Das wird gern genutzt: „Weihnachten in Familie“ ist vor dem Fest immer wieder in den deutschen Charts zu finden.

Auf YouTube gibt es sogar ein Video zur Platte:

5. Der Weihnachtsbaum

Wer ihn nicht selber irgendwo schlagen konnte, hat oft einen Baum aus dem Erzgebirge zu Hause gehabt. Allerdings kommt das oben bereits erwähnte Lied „Wir haben einen Weihnachtsbaum“ nicht von ungefähr. Wer sich nicht mehr erinnern kann, hier ein Auszug aus dem Lied von Frank Schöbel:

„Wir haben einen Weihnachtsbaum, an dem ist nichts zu tadeln
Natürlich Äste hat er kaum und auch fast keine Nadeln
Jedoch gewachsen ist er gut, er ist so hoch wie breit
Und deshalb bringt es mich in Wut, wenn die Familie schreit Alle Jahre wieder die gleiche doofe Tour
Die andern hab'n 'nen Weihnachtsbaum und wir 'ne Witzfigur
„Alle Jahre wieder“, das sag ich klipp und klar
Der Baum ist ganz genauso schön wie der vom letzten Jahr“

Die Kiefern und Tannenbäume waren in der Regel sehr „spillerig“ gewachsen. Viele halfen sich, indem kurzerhand zwei Bäume besorgt wurden. Aus einem sägte man ein paar Äste heraus, die dann in den anderen Baum hineingeklebt wurden.

6. DEFA-Märchen

Wer im Osten aufgewachsen ist, den haben die berühmten DEFA-Märchen durch die Weihnachtszeit begleitet. Noch heute ist es eine lebhafte Tradition, nach dem Weihnachtsessen oder an den Adventssonntagen DDR-Märchen im Fernsehen zu schauen. Diese Tradition hat sich nach der Wende fortgesetzt, irgendwann hielten sogar Videokassetten der beliebten DEFA-Märchen Einzug ins heimische Wohnzimmer.

Auf dem Archivbild vom August 1997 sind Video-Kassetten zu sehen, auf denen Defa-Märchenfilme gespeichert sind, darunter Märchen-Klassiker wie "Die Geschichte vom kleinen Muck", "Froschkönig", "Das kalte Herz" und "Das tapfere Schneiderlein". Auf der Berlinale in der Hauptstadt stellt sich erstmals auch die Gesellschaft vor, die mit der nationalen und internationalen Vermarktung des privatisierten Filmfundus der ehemaligen staatlichen DDR-Filmgesellschaft Defa begonnen hat. Die Berliner Icestorm Entertainment GmbH hat, wie sie am Donnerstag (12.02.1998) mitteilte, die Lizenzrechte für Europas grössten zusammenhängenden Filmstock erworben. dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Auf dem Archivbild vom August 1997 sind Video-Kassetten zu sehen, auf denen Defa-Märchenfilme gespeichert sind, darunter Märchen-Klassiker wie "Die Geschichte vom kleinen Muck", "Froschkönig", "Das kalte Herz" und "Das tapfere Schneiderlein".

Hubert_Link/dpa

Noch heute ist das Anschauen der DDR-Verfilmungen fester Bestandteil vieler familiärer Weihnachtsfeste. Das zeigt sich an den jährlichen Sendeterminen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Rumpelstilzchen oder Das Zaubermännchen“ oder dem „DDR-Dornröschen“, die in der Vorweihnachtszeit wiederholt im Fernsehen gezeigt werden.

7. Die geflügelte Jahresendfigur auf der Jahresendfeier

Der Atheismus in der DDR, trieb seltsame Stilblüten. So wurden betrieblichen Weihnachtsfeiern auch schonmal als „Jahresendfeiern“ umschrieben.

Satirisch überspitzt wurde dann auch der Weihnachtsengel zur „geflügelten Jahresendfigur“. Der 24. Dezember war in der DDR ein normaler Arbeitstag. Allerdings wusste man sich in vielen Kollektiven der volkseigenen Betriebe zu helfen und legte die „Jahresendfeier“ auf den 24.12., sodass erst Weihnachten im Betrieb und danach Weihnachten in Familie gefeiert werden konnte.