„Was für ein Tag, was für herrliches Wetter und was für ein Glück wir hier in Neuzelle haben.“ Norbert Kannowsky, Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, hatte das Lächeln am Freitag gepachtet. Und er hatte gleich doppelten Grund dazu: Zum einen ist der komplett fertiggestellte Klostergarten eröffnet worden – ein Meilenstein für die Stiftung, wie Kannowsky betonte, und der Grund dafür, dass nicht nur der Landrat von Oder-Spree, Bürgermeister, Amtsdirektoren und Pfarrer sowie Zisterziensermönche in die Gartenanlage kamen, sondern mit dem Ministerpräsidenten des Landes und der Kulturministerin sogar Politprominenz aus Potsdam.

Auch ein Geburtstagskind unter den Gästen

Den zweiten Grund fürs Lächeln, den verriet Ministerin Manja Schüle, die in einem farbenfrohen Sommerkleid Akzente setzte: Kannowskys Frau Michaela feierte an eben jenem historischen Tag ihren Geburtstag und hatte somit eine illustre Party-Gesellschaft an dem Ort vereint, an dem sie und ihr Mann sich einst das Ja-Wort gaben – allerdings war der Klostergarten damals nur halb so groß und halb so schön.
Festakt im Klostergarten Neuzelle - zu Gast sind auch Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Manja Schüle.
Festakt im Klostergarten Neuzelle - zu Gast sind auch Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wissenschaftsministerin Manja Schüle.
© Foto: Janet Neiser
Um 15.55 Uhr schnitten Dietmar Woidke und Manja Schüle das Band zur Eröffnung des neu hergestellten Gartenteils durch – bei schönstem Sonnenschein. Ab sofort können alle Besucher die fünf Hektar Barockgarten erkunden und staunen. Woidke ist beeindruckt: „Der Stiftung ist Großartiges gelungen! Mein allerherzlichster Dank geht an alle, die über viele Jahre die Planung, Vorbereitung und Umsetzung des Wiederaufbaus des Barockgartens vorangetrieben haben.“
Die schönste barocke Klosteranlage befinde sich nicht etwa in Bayern, sondern in Neuzelle. Das habe er auch dem ehemaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer versichert und diesen sogleich nach Neuzelle eingeladen.

Landrat Rolf Lindemann über das Millionenprojekt Kloster

In die ersten zwei Bauabschnitte im Klostergarten waren 4,5 Millionen Euro geflossen. Der finale Bauabschnitt, zu dem auch die Sanierung des Waschhauses und die Errichtung einer Gärtnerei gehört, begann 2019 und kostete 6,8 Millionen Euro. Insgesamt sind in die gesamte Klosteranlage seit 1993 bereits mehr als 50 Millionen Euro geflossen.
Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke ist kurz nach seiner Ankunft im Klostergarten Neuzelle in Gespräche vertieft.
Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke ist kurz nach seiner Ankunft im Klostergarten Neuzelle in Gespräche vertieft.
© Foto: Janet Neiser
Geld, das laut Oder-Spree-Landrat Rolf Lindemann nicht in die Vergangenheit investiert wurde, sondern in das kulturelle Erbe, in Werke von besonderer Schönheit und Originalität, die heute noch faszinieren. Diese haben ihm zufolge nicht nur einen Erinnerungswert, sondern eine sinnstiftende Bedeutung fürs Heutige.
„Wir leben eben nicht in einer hermetisch abgeschlossenen Gegenwart, sondern stellen uns in übergreifende zeitliche Zusammenhänge. Und viele Menschen schöpfen eben Kraft und Lebenssinn aus den reichen Kulturbeständen, die über die Jahrhunderte von schöpferischen Geistern zusammengetragen wurden – hier in Neuzelle sind es 35 Generationen, auf deren Schultern wir stehen.“ Der 10. Juni sei einer dieser Tage, an denen er eine „barocke Freude am Landratsdasein“ empfinden dürfe.

Kulturministerin spricht über die Mönche

Kulturministerin Manja Schüle erklärte, dass mit Brandenburgs einzig erhaltener barocker Parkanlage in Neuzelle nicht nur ein Gartendenkmal wiederhergestellt, sondern auch ein neuer Kulturort geschaffen worden sei. Ein Kulturort, der Körper und Geist anspreche und Geschichte und Gegenwart miteinander verbinde.

Aktionswochenende im Neuzeller Klostergarten

Sonnabend, 11. Juni
11 Uhr, 12 Uhr, 13 Uhr, 14 Uhr – Gartenführungen, Eintritt frei.
Ab 10 Uhr – gastronomisches Angebote auf dem Stiftsplatz und in der Orangerie.
16 Uhr – Open-Air-Konzert des Dresdner Residenzorchesters, das Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ spielt, Eintritt frei.
Sonntag, 12. Juni
10:30 Uhr, 13:30 Uhr, 15 Uhr – Gartenführungen, Eintritt frei.
11:30 Uhr – Ökumenische Gartenandacht.
Von Freitag bis Sonntag wird der Garten nächtlich beleuchtet.
Sie sagte: „Ich bin überzeugt: Der Klostergarten wird dazu beitragen, dass noch mehr Menschen den Weg nach Neuzelle finden und der Ort weiter an Strahlkraft gewinnt. Und es hat etwas zutiefst Versöhnliches, dass diejenigen, denen wir diesen Garten verdanken, wieder hier sind und erneut Wurzeln schlagen. Die Rückkehr der Zisterzienser unter Prior Simeon und Pater Kilian schlägt nicht nur eine Brücke in die Vergangenheit – sie befruchtet Neuzelle auch als geistigen, religiösen, spirituellen Ort neu.“
Pater Kilian nannte den Klostergarten einen „Ort des Friedens“. Es sei ein Ort der geordneten Lebenskraft, den man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen betrete.

Der Landrat von Oder-Spree

Walter Ederer (1955-2019), der erste Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, sah die von Pater Kilian zitierte Lebenskraft offensichtlich früher als alle anderen. „Er hat die verborgenen barocken Strukturen bereits damals erkannt“, erinnerte Norbert Kannowsky an seinen Vorgänger, der sich schon vor 26 Jahren in die Gartenanlage verliebte. „Er hat dieses Projekt in die Wege geleitet.“ Ederers Weitsicht, seine Visionen und seine Beharrlichkeit haben ermöglicht, dass der Barockgarten heute so aussieht. Kannowsky sagte: „Mit diesem Projekt bereichert das Land Brandenburg die Welt der historischen Gärten.“
Der Klostergarten in Neuzelle im Juni 2022
Der Klostergarten in Neuzelle im Juni 2022
© Foto: Janet Neiser
Landeskonservator Thomas Drachenberg lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. „Nun gilt es, durch eine langfristige Pflege die Erhaltung des Klostergartens Neuzelle als wichtigen Ort der Kulturgeschichte auch in Zukunft sicherzustellen.“