BER Schönefeld: KLM startet weniger laut – 15-Grad-Route häufig genutzt

Ab sofort wollen Maschinen der niederländischen Fluggesellschaft KLM auf Intersection Take-offs am Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld verzichten.
picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Patrick PleulDa die Sommerferien dieses Jahr erst Mitte Juli begonnen haben, war der August der Reisemonat schlechthin. Allein am letzten Ferienfreitag zählten die Betreiber des BER 85.778 Besucher und im Gesamtmonat August ganze 2,39 Millionen Passagiere.
Doch Zahlen machen meist nur eine Seite glücklich. Bei den Anwohnern in den umliegenden Städten und Gemeinden wie Schulzendorf, Zeuthen und Eichwalde haben die insgesamt 16.520 Starts und Landungen dagegen eher für Missfallen gesorgt. Na klar, wegen des Fluglärms.
Hoffmann-Kurven-Erfinder überzeugte KLM von leiseren Starts
Einer der in Sachen Fluglärm seit Jahren anpackt und kämpft ist der Eichwalder Marcel Hoffmann. Er ist auch der Erfinder der gleichnamigen Hoffmann-Kurve. Jüngst bestätigte er, dass es ihm gelungen sei, die niederländische Fluggesellschaft KLM davon zu überzeugen, von den sogenannten Intersection Take-offs auf der Südbahn abzusehen. Das bedeutet, dass die Maschinen Richtung Amsterdam nun unter Ausnutzung der kompletten Startbahn vom BER abheben und sich somit der Fluglärm in Teilen verringert. „Mit der Ausnutzung der gesamten Startbahn gibt es keine Probleme, dass man die Hoffmann-Kurve nicht sauber fliegen kann“, sagt Marcel Hoffmann zu MOZ.de.

Marcel Hoffmann entwickelte nicht nur die Hoffmann-Kurve für die Abflüge des BER, sondern setzt sich seit Jahren gekonnt für die Lärmentlastung in der Airport-Region ein.
Bernd Settnik/dpaWarum allerdings nur die niederländische Fluglinie und nicht auch etwa Qatar oder United Airlines, die sich ebenfalls mit viel Lärm und der Route über die 15-Grad-Route vom BER verabschieden? Der einstige Pilot sagt: „Die KLM fiel mir während meiner Lärmrecherchen am meisten auf. Sie nutzen die Südbahn, aber fliegen die Hoffmann-Kurve nicht korrekt aus. So kommt es zu den Abweichungen auf der Flugroute und dem vermehrten Lärm in der Region.“ Was Marcel Hoffmann noch sagt, ist, dass wenn es Abweichungen gäbe, diese vor dem Anlassen der Turbinen an die Deutsche Flugsicherung herangetragen werden müssten. „Wenn ein Pilot einschätzt, dass er ein Performance-Problem hat, darf er die Notfallroute nutzen.“

Auf diesen Flugrouten heben die Flieger am Hauptstadt-Airport BER in Schönefeld ab. Für Ärger sorgen immer wieder die Abweichungen der Hoffmann-Kurve (hier als D07R-1Q-West benannt) und die „Notfallroute“ mit der Kennung D07R-1Z.
Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/SreenshotUnd genau diese Route ließ es in den Randgemeinden Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen im August ziemlich laut werden. Ganze 152 Mal wurde die „Notfallroute“, die auch als 15-Grad-Route oder Geradeaus-Strecke bekannt ist, genutzt – das sind 71 Überflüge mehr als noch im Juli. Aber ob das tatsächlich Notfälle waren oder nur der Bequemlichkeit der Piloten in Verbindung mit den Intersection-Starts am BER geschuldet war, wagt Marcel Hoffmann nicht zu bewerten. Seine viel diskutierte Hoffmann-Kurve wurde im Monat August windbedingt ganze 807 Mal für Abflüge am BER genutzt. Im Vergleich zum Vormonat (384 Abflüge) hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.
Als Nächstes will Hoffmann die Gespräche, die er mit KLM führte, auch an die türkischen Fluglinie Pegasus Airlines herantragen. Laut dem Eichwalder Kurven-Erfinder fliegen die auch zu laut vom BER ab.
