BER Schönefeld
: Start um 5.20 Uhr – mehr Lärm über Eichwalde und Schulzendorf

Fluglärm sorgt bei Anwohnern in Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf für Unmut. Am BER in Schönefeld starten vermehrt Maschinen in der angegebenen Ruhezeiten.
Von
Jana Scholz
Schönefeld
Jetzt in der App anhören
Abflug vom Berliner Flughafen BER: ARCHIV - 13.05.2024, Brandenburg, Schönefeld: Ein Airbus A319 (Registrierung D-AGWF) der Fluggesellschaft Eurowings fliegt vom Flughafen Berlin Brandenburg (BER) kommend nahe Waltersdorf nach dem Start die sogenannte Hoffmannkurve. Mit dem Flugmanöver nach rechts vermeidet der Pilot das Überfliegen dicht bewohnter Gebiete. (zu dpa: «Eurowings-Flugzeug muss Sicherheitslandung in Berlin machen») Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der BER in Schönefeld und die Flugrouten gehören zusammen wie Topf und Deckel. Aktuell sorgen neben Abweichungen der Flugrouten auch Flüge vor 6 Uhr am Morgen bis nach 23 Uhr für Aufregung in den anliegenden Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf.

Soeren Stache/dpa

Die Sommerferien sind vorbei, aber die Airport-Region rund um den BER in Schönefeld kommt noch immer nicht zur Ruhe. Anwohner der Gemeinden Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf stellen dieser Tage vermehrt fest, dass die Flugzeuge am BER immer häufiger innerhalb des vorgegebenen Nachtflugverbots starten. Das heißt: vor 6 Uhr in der Früh und bis nach 22 Uhr in der Nacht.

Mehr aber noch wird wiederholt die Abweichung der Flugrouten beklagt. Gerade die Maschinen der Airlines Qatar und Turkish Airlines überfliegen derzeit häufig die Wohngebiete in Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen. Der damit einhergehende Fluglärm ist für die Anwohner in Airport-Nähe ein Ärgernis. Aufgrund des anhaltenden Sommerwetters mit tropischen Nachttemperaturen ist es fast unmöglich, abends durchzulüften oder gar am Morgen bei offenem Fenster durchzuschlafen.

Fluglärm innerhalb der Nachtflug-Zeiten?

Was ist zum Beispiel mit der SundAir-Maschine nach Palma de Mallorca? Sie startete regulär laut Flugplan am Montagmorgen um 5.20 Uhr. Und auch die Eurowings-Maschine nach Malaga, die unter der Woche mehrmals morgens um 5.30 Uhr am BER in die Luft geht, hat einen Slot, den die Airline für sich gebucht hat. Laut Übersicht des Nachtflugverbots handelt es sich bei der Mallorca-Maschine um eine Verfrühung, die ab 5 Uhr morgens geschehen kann, dann aber auch noch doppelt gezählt werden muss. Flieger, die ab 5.30 Uhr starten, sind laut Nachtflugregelung grundsätzlich gestattet.

Die Eurowingsmaschine EW8536 ist mehrmals in der Woche die erste Maschine, die um 5.30 Uhr am BER abhebt. Zusätzlich fliegt sie trotz Randzeit auch noch die 15-Grad-Kurve und lärmt so die Anwohner in Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf aus dem Bett.

Die Eurowings-Maschine EW8536 ist mehrmals in der Woche der erste Flieger, der um 5.30 Uhr am BER abhebt. Zusätzlich fliegt er trotz Randzeit auch noch die 15-Grad-Route (Geradeaus-Start) und lärmt so die Anwohner in Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf aus dem Bett.

Screenshot/Flightradar24.com

Aber wenn die Maschinen schon so zeitig in den Süden starten, warum dann ausgerechnet geradeaus – und damit direkt über die Wohngebiete mit den meisten Bewohnern? Warum wird nicht die sogenannte Hoffmann-Kurve genutzt?

Das sagt die Deutsche Flugsicherung

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) belegt das Problem mit Zahlen und teilt mit: „Grundsätzlich ist zu sagen, dass allgemein die Anzahl der An- und Abflüge am Flughafen Berlin-Brandenburg in diesem Jahr 10 Prozent über dem Vorjahreszeitraum liegen. Insofern kann auch daher das Empfinden vieler Anwohner rühren, dass es lauter geworden ist.“

Auch gäbe es keine Veränderungen bei den Flugrouten in den vergangenen Wochen zu verzeichnen. Die Deutsche Flugsicherung weist nochmals darauf hin, dass die Flugrouten Toleranzgrenzen haben und diese sich durch verschiedene Luftfahrzeugtypen, Wetterverhältnisse, Beladung oder Temperatur verändern können. Dies führe dazu, dass die Flugverläufe immer einer gewissen Streuung unterlägen, das geschehe sowohl lateral als auch vertikal.

Start am BER: Hoffmann-Kurve nicht immer möglich

Wenn aber Flugzeuge auf der Südbahn aufgrund ihres Gewichts oder anderer Gründe nicht die Steigleistung auf der nach Süden abknickenden Hoffmann-Kurve einhalten könnten, stünde ihnen die Langversion dieses Abflugverfahrens als reguläres vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung festgelegtes Flugverfahren zur Verfügung. „Diese Route führt über Zeuthen und Schulzendorf“, teilt die Pressestelle der DFS mit.

Und dann wäre noch die derzeitige Hitzewelle ein Thema, die beim An- und Abflug eine erhebliche Rolle spiele. Anja Naumann, Sprecherin der Deutschen Flugsicherung, sagt zu MOZ.de: „Seit Juli verzeichnen wir erheblich mehr Wetterphänomene, insbesondere Gewitter, als im letzten Jahr, wobei Piloten Gewitterzellen umfliegen müssen.“

In diesen Zeiten sind Starts und Landungen am BER erlaubt:

22 Uhr bis 6 Uhr
In diesem Zeitraum gilt das Nachtflugverbot. Generell darf in diesem Zeitraum ausschließlich mit lärmarmen Flugzeugen geflogen werden.

0 Uhr bis 5 Uhr
Reguläre Linienflüge sind in dieser Zeit ausgeschlossen. Notfälle, Post-, Regierungs- und Polizeiflüge fallen nicht darunter.

5.30 Uhr bis 6 Uhr und 22 Uhr bis 23.30 Uhr
Während dieser kurzen Zeitfenster sind planmäßige Flüge grundsätzlich gestattet.

5 Uhr bis 5.30 Uhr und 23.30 Uhr bis 24 Uhr
Verfrühungen als auch Verspätungen von Flugzeugen dürfen ausschließlich diesen Zeitslot nutzen. Jedoch zählen sie im Rahmen der Nachtverkehrszahl doppelt.

BER hält an den geregelten Ruhezeiten für Abflüge fest

Auf Nachfrage teilt die Flughafengesellschaft mit, dass sich das Flugaufkommen am BER in Schönefeld mit dem Ende der Sommerferien nicht verringert habe, es eher gleich geblieben sei. In Sachen Nachtflug und den angrenzenden Zeiten teilte der Hauptstadtflughafen mit, dass es für den Zeitraum vom 26. August bis zum 4. September zwischen 5.30 Uhr und 6 Uhr insgesamt 7 Abflüge gegeben habe. Zwei davon auf der Flugroute, die über Schulzendorf und Eichwalde führt. Auch hätte es zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr insgesamt 19 Abflüge gegeben, wovon kein Flug über die Ortschaften Schulzendorf und Eichwalde gegangen sei.