DDR-Geschichte: Gosener Stasi-Atombunker wird Lernort
Es war ein Typenbau, sagt Jörg Diester vom Verein Bunker-Dokumentationsstätten. Diester ist aus Koblenz am Rhein und beschäftigt sich in seiner Freizeit seit vielen Jahren viel mit Spionagegeschichte; der Verein betreut den westdeutschen Regierungsbunker bei Ahrweiler. Die Anlage in Gosen ist für den Pressesprecher der Handwerkskammer sozusagen das Gegenstück, die andere Seite der deutsch-deutschen Medaille.
Dass in den Gosener Bergen ein Atombunker der Stasi steht, ist in der Region seit langem bekannt. Diesters Verein will im Sommer mit regelmäßigen Führungen durch das unterirdische Bauwerk beginnen.
Originale Duschen
Hinter einer schweren Metalltür in der Halle führt eine steile Treppe abwärts. Duschen, mit denen eine atomare Verseuchung abgewaschen werden sollte, sind im Original zu sehen. Lange, schmale Gänge führen an Schlafkammern und Dolmetscherkabinen vorbei. Auf einem alten Regal liegt noch alte Tütensuppe. In Raum 14 steht das Bett mit einer Matratze für Markus Wolf, den schillernden Chef der DDR-Auslandsspionage. Er hat es nie benutzt. Zur „Einweihung“ der Anlage sei er dagewesen, berichtet Diester. Eine Übung habe es im Spionage-Bunker jedoch nie gegeben. Fünf Mitarbeiter hätten die Anlage einsatzbereit gehalten. Bis zu acht Tage hätten in dem Gosener Bunker 135 Mitarbeiter ausharren können, sagt Diester.
Führungen durch den Gosener Bunker gab es früher gelegentlich schon, damals lagen sie in der Hand des Wernsdorfer Vereins Ahnengeschichte. Die Anlage war damals stockduster und völlig verwahrlost. Diester und seine Mitstreiter haben seit der Übernahme vor mehreren Monaten massenweise Schutt herausgeräumt, etwa 600 Kilogramm, schätzt er.
Wurden vor einem Jahr noch Taschenlampen verteilt, drückt Diester jetzt auf eine Fernbedienung und macht Licht an. Diester ist jetzt persönlich Mieter des Bunkers geworden. Eigentümer ist die Paasche AG, der das gesamte Gelände in den Gosener Bergen gehört. Deren kaufmännischer Leiter Uwe Bober bestätigt, dass man einen befristeten Mietvertrag geschlossen habe. „Nach dem Sommer wollen wir uns zusammensetzen und überlegen, wie es weitergeht“, sagt Bober. Die Paasche AG sehe sich auch in der gesellschaftlichen Verantwortung, das Objekt zu öffnen.
Zwei Schwerpunkte
Ab Juli soll es Führungen geben, mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten: deutsch-deutsche Bunkerspionage sowie Bunker-Technik. Die erste Führung ist für den 2. Juli vorgesehen. Die Teilnahme kostet zehn Euro., ermäßigt fünf Euro, Kinder unter zwölf Jahren frei. Die Zufahrt zu dem Bunker, darauf legt Diester Wert, ist nicht möglich, es gibt einen Sammelpunkt des Eichwalder Ausbaus. Anmeldung ausschließlich über die Internet-Seite www.bunker-gosen.de, dort auch weitere Termine und Detailinformationen.


