Durchgangsverkehr
: Wenn in Neu Zittau die Wände wackeln

Viele Vorstöße für eine Ortsumgehung gingen von Neu Zittauern aus. Geholfen haben sie den Anwohnern bisher noch nichts.
Von
Kerstin Ewald
Neu Zittau
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Genervt: "Man könnte aggressiv werden", sind sich Heinz Braun und Klarissa Strunk einig. Sie wohnen an der Spreebordstraße, Neu Zittaus Hauptverkehrsader, und wünschen sich eine schnelle Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Kerstin Ewald

Küchenboden erzittert

Szenenwechsel: In der geräumigen Küche von Klarissa Strunk und Heinz Braun in der Spreebordstraße zittert der Fußboden. „Spüren Sie das?“, fragt Klarissa Strunk: „Wenn ein Lkw vorbeifährt, wackelt das Haus, wir haben schon Risse im Mauerwerk. Die Lkws müssen raus aus Neu Zittau“, findet Klarissa Strunk, „man muss sich doch nicht alles gefallen lassen!“. So ähnlich wie das Paar, sehen es viele Anwohner der Hauptstraße. Nur Geschäftsleute freuen sich über den Durchfahrtsverkehr. Vor einiger Zeit sammelte Heinz Braun Unterschriften. Doch für ein Bürgerbegehren reichte es nicht, und man gab auf. „Das sind Landesstraßen, da können wir im Ort nichts ausrichten“, hörten Leidgeplagte oft von Kommunalpolitikern. So wandte man sich an übergeordnete Stellen — erfolglos.

Viele Vorstöße für eine Ortsumgehung gingen inzwischen von Neu Zittauern aus. Einer der hartnäckigsten Verfechter der Ortsumfahrung ist seit fünfundzwanzig Jahren der 88–jährige Rudolf Ganglmayer. In den 90er Jahren war er Neu Zittauer Bürgermeister. Er hat eine Variante mitentwickelt, die den Verkehr von Erkner zwischen Schönschornstein und Wernsdorfer Straße um Neu Zittau herumleitet. Dazu wurde in den 90ern ein Raumordnungsverfahren durchgeführt. Ein kleiner „Schnipel“ der Strecke steht seitdem in der „Landesstraßenbedarfsplanung“ als „indisponibel“. Wortbedeutung: „Nicht verfügbar“. Was das genau meint, war ad hoc weder vom Infrastrukturministerium noch vom Landesbetrieb Straßenwesen zu erfahren.

Gerade haben Ideen zur Verkehrsentlastung wieder Auftrieb erhalten. So stimmte der Kreistag in seiner letzten Sitzung für einen Antrag, der auf zügige „Entlastung der Gemeinde Neu–Zittau und der Stadt Erkner vom Durchgangsverkehr“ abzielt. „In Aussicht stehende Industrieansiedlungen dürfen nicht zur Zuspitzung bereits bestehender unzumutbarer Belastungen für die Bevölkerung führen“, heißt es im Beschluss — initiiert von der Fraktion die Linke/Piraten.

Kreistag will Verkehrsentlastung

Der etwas schwammigen Formulierung sind einige vorangegangene Kompromisse anzumerken. „Wir haben die konkrete Lösung offen gelassen, da sich der Verkehr mit der Tesla–Ansiedlung weiterentwickelt“, erklärt Fraktionsvorsitzender Artur Pech (Die Linke). Die angezählte Entlastung Erkners und Neu Zittaus kann entweder durch Straßenbau oder durch Ausbau des ÖPNVs erreicht werden, erklärt Pech. Der Landrat soll — mit dem Beschluss im Rücken — bei verschiedenen Gremien entschieden auftreten.

Die lange Version einer Umgehung könnte beispielsweise von der Autobahnanschlussstelle Friedersdorf über eine auszubauende L39 und eine zu rekonstruierende Brücke über den Oder–Spree–Kanal führen. Dies zeigt Amtsdirektor Joachim Schröder auf der Karte im Amt Spreenhagen. Er ist schon lange für die Verwaltung Neu Zittaus zuständig und glaubt nicht, dass der aktuelle Antrag viel ausrichten wird. „Solange niemand in der Landesregierung sagt, ‚Jetzt geht’s los’, tut sich auch nichts“, glaubt Schröder.