Einzelhandel
: Regionale Produkte aus Erkner erobern die Ladenregale

Bislang finden sich in den Supermärkten, Discountern und Baumärkten der Region nur wenige Waren, die auch von hier kommen. Doch es werden langsam mehr.
Von
Manja Wilde
Erkner
Jetzt in der App anhören
  • Im Gondelkopf: Der von Dagmar Eckart in Erkner geröstete Kaffee ist im von Christopher Große geleiteten Edeka-Center so platziert, dass er den Kunden auch auffällt.

    Im Gondelkopf: Der von Dagmar Eckart in Erkner geröstete Kaffee ist im von Christopher Große geleiteten Edeka-Center so platziert, dass er den Kunden auch auffällt.

    Annette Herold
  • Dünger aus Buchholz: René Meißner, Leiter von Toom in Fürstenwalde-Süd, und Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz, präsentieren das regionale Produkt.

    Dünger aus Buchholz: René Meißner, Leiter von Toom in Fürstenwalde-Süd, und Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz, präsentieren das regionale Produkt.

    Manja Wilde
1 / 2

Ihre Produkte stehen aus gutem Grund in einem so genannten Gondelkopf quer an einer langen Regalreihe. Kleinere Anbieter müssten schon die Chance haben, mit ihren Waren aufzufallen, sagt Christopher Große. Mehr als 20.000 Artikel werden in dem Markt geführt, da können die Kleinen schnell untergehen. Dennoch sieht der Marktleiter im Handel mit regionalen Produkten eine große Chance. "Mehl und Zucker verkaufen alle“, sagt er. Es gehe darum, den Kunden mehr zu bieten als andere.

Darum hat Große nicht lange gezögert, als Henry Röber auf ihn zukam. Der stellt in seinem Fürstenwalder Ein–Mann–Betrieb hochwertige Liköre her und setzt damit eine 1895 von seinem Urgroßvater begründete Tradition fort. Eigentlich produziert Röber für die Gastronomie, doch ihn erreichten zunehmend Anfragen, wo es seine Liköre zu kaufen gebe. Das Internet war für ihn keine Option, zu anonym. Also fragte auch er in Erkner nach und kann seine Produkte nun in den Markt liefern. Das Verfahren vor der Listung bei Edeka hat er dafür in Kauf genommen und ist nun bei der Kette im System. Inzwischen beliefert er noch sieben weitere Märkte in der Region.

Nicht jeder möchte das Verfahren auf sich nehmen. „Wir haben keinen größeren Abnehmer“, sagt Werner Menzel, der seit 2009 Obstweine und Obstbrände in seiner Kulturbrennerei in Streitberg herstellt. Rund 1500 Liter produziert er davon im Schnitt pro Jahr — mehr wäre kein Problem. Doch nachdem Menzel sich mit den Voraussetzungen für einen Regal–Platz im Supermarkt vertraut gemacht hat, nahm er Abstand. So wie Bernd Janthur, der mit seinem Sohn Martin Müller eine Imkerei in Briesen betreibt. „Es gibt ganz schöne Hürden“, sagt der 59–jährige Berufsimker. Das Hygienezertifikat des Amtes reiche nicht.

Dafür gibt es in den Fürstenwalder Toom–Baumärkten seit einigen Monaten ein anderes tierisches Produkt aus der Region: Dünger, produziert aus der Gülle der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz. „Das ging ganz schnell und unkompliziert“, sagt René Meißner, Geschäftsführer des Baumarktes in Süd. „Innerhalb von zwei, drei Wochen war das Produkt bei uns gelistet. Wenn ich Nachschub brauche, telefonieren wir“, erklärt er. Aktuell sei der Dünger das einzige Produkt aus der Region. Generell, betont er, sei er offen für alle Angebote, die zu einem Baumarkt passen. Auch beim schwarzen Netto gibt es regionale Produkte wie die Hefeklöße von Oderfrucht aus Frankfurt. In vielen Märkten unterschiedlicher Ketten stehen zum Beispiel Florena–Produkte in den Regalen, deren Ursprung im Sachsen liegt.

Wenn Kleine wachsen

„Es kommt ja immer darauf an, was für jemanden regional ist“, sagt Martin Walter, Inhaber des Schöneicher Edeka–Marktes. „Für einen ist es nur die nähere Umgebung, für den Nächsten Brandenburg und für den Übernächsten Ostdeutschland.“ Produkte, die nicht von Großkonzernen stammen, gehören jedenfalls schon lange zum Sortiment. Und manchem haben Walters über die Jahre auch beim Wachsen zugesehen. So hat Hemme–Milch aus der Uckermark damit begonnen, seine Milch selbst auszuliefern, auch nach Schöneiche. Inzwischen werden diese Molkerei–Produkte über das Freienbrinker Frischelager in viele Märkte der Kette gebracht.