Elke Lang ist tot: MOZ-Mitarbeiterin und Buch-Autorin aus Grünheide gestorben

Elke Lang bei einer Einwohnerversammlung auf der Burg Storkow.
Marcel GädingEinfach aufhören, Notizblock und Stift in die Mottenkiste packen – das konnte und wollte Elke Lang auch als Rentnerin nicht. „Weißt Du eigentlich, wie alt ich bin“, fragte sie mich vor wenigen Wochen mit einem Lachen am Telefon. „Um die 70“, entgegnete ich zielsicher. Da lachte sie noch mehr, und meinte: „Nimm mal zehn dazu, ich bin über 80“.
Schreiben war eine ihrer großen Leidenschaften, davon konnte sie nicht lassen. Ob über eine bunte Fastnacht in Beeskow, den Kultursommer in Bad Saarow, so manchen Feuerwehrausscheid in Storkow oder den Neujahrsempfang in Schöneiche, ihren letzten Text – Elke Lang berichtete für die MOZ von überall dort, wo das Leben tobte. Umso schmerzhafter ist nun ihr Verlust. Nach kurzer schwerer Krankheit ist Elke Lang in der Nacht zum 16. Januar im Alter von 81 Jahren verstorben.
Elke Lang streifte gern barfuß durch die Spreewiesen
Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller Till Sailer, mit dem Elke Lang in einem Haus in Spreewerder in der Gemeinde Grünheide lebte. Jugendlich, manchmal auch forsch, dazu unermüdlich – so haben wir Elke Lang stets erlebt und geschätzt. Wenn man sie telefonisch mal nicht erreichte, lag es meist daran, dass sie mit ihrem Hund über die Spreewiesen streifte – und das fast immer barfuß, egal bei welchem Wetter.
Bei einem Besuch vor einigen Monaten führte sie stolz durchs Haus, zeigte Grafiken bekannter Künstler, Bücher, Briefe. Ein lebendiges Gedächtnis der DDR-Kunst und -Kultur – das war nicht nur das Haus, das war auch sie.

Blick zurück ins Jahr 2017: Elke Lang vor Ort bei einer Katastrophenschutzübung in Storkow, hier mit Stadtwehrführer Frank Ebert.
Marcel GädingLehrerin, Museumspädagogin, Journalistin, Publizistin
Spreewerder wurde erst später zu ihrem Lebensmittelpunkt. Gebürtig stammte Elke Lang aus Sachsen, zum Studium zog es sie dann nach Berlin und an die Pädagogische Hochschule Potsdam, wo sie Deutsch auf Lehramt studierte. Sie arbeitete als Lehrerin unter anderem in Briesen (Mark). In den 1980er-Jahren verschlug es sie mit ihrem Ehemann Lothar Lang, einem bekannten Kunsthistoriker, nach Schloss Burgk an der Saale. Dort war Elke Lang als Museumspädagogin tätig. Nach der Wende kehrte sie zurück in die Hauptstadt, arbeitete für die Berliner Morgenpost, seit Mitte der 90er dann für die Märkische Oderzeitung. Als Redakteurin schrieb sie zudem für das Heimatblatt „Schöneiche konkret“.
Ein wichtiges Anliegen war Elke Lang immer, das Lebenswerk ihres Mannes Lothar Lang zu bewahren, der der wohl profilierteste Kunstkritiker in der DDR war und 2013 verstarb. Gelungen ist ihr das nicht zuletzt 2016 mit der Herausgabe des Buches „Begegnung und Reflexion“, das die aus Sicht Lothar Langs 75 wichtigsten Beiträge enthält, die er zwischen 1957 und 1993 in der Weltbühne veröffentlicht hat.
Auch ihr jüngstes, 2023 erschienenes Buch „Kalkulation und Wagnis. Eine neue Künstlergeneration wird geboren“ widmet sich den Ausstellungen, die Lothar Lang mit Künstlern wie Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus oder Max Uhlig veranstaltete. Von ihr stammt auch das Buch „Barocke Pracht und schlichte Schönheit: Orgeln in Brandenburg“. Das Orgelspiel gehörte neben dem Schreiben zu ihren großen Leidenschaften.
„Da ist sie ja wieder, unsere Frau Lang“
Im Herbst vergangenen Jahres meldete sich Elke Lang in der Redaktion krank. Ein paar Tage später war sie aber zuversichtlich, schnell wieder Termine für die MOZ wahrnehmen zu können. Damit war sie für die Redaktion eine wichtige Stütze, denn sie ließ sich insbesondere bei Veranstaltungen in der Region mit Block und Kamera blicken, um danach darüber zu berichten. Nicht selten wurde sie mit den freundlichen Worten begrüßt: „Da ist sie ja wieder, unsere Frau Lang.“ (mit gäd, gar, tim)


