Flüchtlinge in Königs Wusterhausen
: Wie ein Café Migranten beim Ankommen hilft

Flüchtlinge erzählen im Sprechcafé von ihren Erfahrungen in Königs Wusterhausen und erfahren dort Unterstützung. Was sie erlebt haben und wer ihnen hilft.
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Deutsch lernen

Sprechcafé in Königs Wusterhausen: Tom Nagel liest mit einem Besucher eine Zeitung in einfacher Sprache.

Maria Häußler
  • Sprechcafé in Königs Wusterhausen unterstützt Flüchtlinge beim Deutschlernen und Ankommen.
  • Ehrenamtliche helfen bei Anträgen, Jobsuche und organisieren gemeinsame Aktivitäten.
  • Fahim aus Afghanistan lobt seinen Deutschlehrer, bemängelt aber die isolierte Unterbringung.
  • Ein junger Mann aus dem Tschad äußert Sorgen wegen Wahlergebnissen und Rassismus.
  • Sprechcafé wurde vor 8 Jahren gegründet, bietet auch Sprachkurse an.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In zwei Stuhlkreisen sitzen etwa dreißig Menschen, mal stockend, mal selbstbewusst stellen sie sich auf Deutsch vor: Eine Frau aus der Ukraine ist wegen der Ruhe und der Natur von Berlin nach Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) gezogen, ein Mann aus der Türkei erzählt, dass er bald in Zeuthen Häuser bauen und sie verkaufen will und ein Mann aus Usbekistan hat sich für einen Masterstudiengang beworben.

Das Sprechcafé in Königs Wusterhausen bietet jeden Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr einen Raum, um Deutschkenntnisse zu verbessern und sich auszutauschen. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Besucher auch häufig bei Fragen zu Anträgen, der Arbeits- oder der Wohnungssuche. Sie unternehmen auch manchmal zusammen Ausflüge, bekochen sich gemeinsam mit Gerichten aus ihren Heimatländern oder basteln vor Weihnachten zusammen Kränze aus Zweigen.

Flüchtlingsheim im Wald von Königs Wusterhausen

Der 30-jährige Fahim M. kommt aus Afghanistan und lebt seit eineinhalb Jahren in Deutschland. „Ich bin so froh, dass ich Herr Nagel getroffen habe“, sagt er und deutet auf einen älteren Herrn neben sich: „Mein Deutschlehrer an der Volkshochschule. Er hat mir viel beigebracht.“ Seine Erfahrungen in Deutschland seien bisher eher positiv, bis auf die Unterbringung.

„Jeden Tag muss ich fast eine Stunde in die Stadt fahren“, sagt er. Tom Nagel erklärt, dass in Uckley am äußersten Rand von Königs Wusterhausen, ein Heim für Geflüchtete mitten im Wald steht. „Man fährt mit dem Bus und dann sind es noch zwanzig Minuten Fußweg“, sagt er und betont die Entfernung. Viele Geflüchtete würden ihr Fahrrad an der Autobahnbrücke anschließen, um es schneller zu schaffen, erzählt er. „Am schlimmsten ist aber, dass sie dort keine deutschen Nachbarn haben“, sagt Nagel. Der Austausch sei wichtig. Der Bus nach Königs Wusterhausen fährt jede Stunde einmal.

Auf dem Tisch liegen Kekse und daneben eine Zeitung mit nur vier Seiten. Zwischen den Zeilen und Absätzen ist mehr Abstand als bei einer Tageszeitung. „Klar & Deutlich, leicht lesbare Zeitung“, steht auf der ersten Seite, darunter wird erklärt, was der Zensus ist — nämlich eine Volkszählung.

„Die hab ich extra für dich mitgebracht“, ruft Nagel und greift nach der Zeitung als ein junger Mann hereinkommt. Er trägt eine Arbeitshose und spricht fließend Deutsch. Gerade komme er direkt von seinem Ausbildungsplatz als Elektriker ins Sprechcafé, wie er erzählt. Der 19-Jährige will seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Warum? „Ich will zuerst etwas erreichen!“, antwortet er. Nagel widerspricht: „Du hast eine Ausbildung, sprichst gut Deutsch und hast ein eigenes Zimmer gefunden, mithilfe eines Kontakts aus dem Sprechcafé“.

Wut auf das Wahlergebnis in Brandenburg

Der Jugendliche aus dem Tschad schüttelt nur den Kopf. Wegen der Wahlergebnisse in Brandenburg hätte er das Gefühl, dass er unerwünscht ist, sagt er. „Mein erster Gedanke war, ‚darf ich überhaupt bleiben‘?“ Er sei geduldet, erzählt er. Wegen seiner Ausbildung konnte er einen Antrag stellen, um ein weiteres Jahr in Deutschland zu bleiben. Die Frage nach seinen Rassismuserfahrungen in Königs Wusterhausen verneint er zuerst – und erzählt dann doch von einem Fall. „Ein bisschen wütend“ habe ihn das schon gemacht. Dann zuckt er mit den Schultern. „Man kann sich selbst ändern, aber andere nicht“, sagt er und beugt er sich zusammen mit Nagel über die Zeitung.

Veranstaltungen Sprechcafé

Wir kochen und essen gemeinsam am 2. November, 11 Uhr
Bürgertreff Fontaneplatz, Herderstr. 8-9, 15711 Königs Wusterhausen

Abenteuer Farbe: Aquarellmalerei am 7. November, 16-18 Uhr
Bürgerhaus KW, Eichenallee 12, 15711 Königs Wusterhausen

Vor mehr als acht Jahren hat Hella Meyer-König das Sprechcafé mitgegründet, das die Stadt und der Landkreis fördern. Damals kamen viele Geflüchtete in Deutschland an, vor allem aus Syrien. Viele Geflüchtete kennen sich bereits, andere stellen sich das erste Mal vor. Im oberen Stockwerk wird bei Bedarf auch ein Sprachkurs angeboten.

„Besonders interessant finde ich, die Geschichten der Menschen zu hören“, sagt Meyer-König, „und zu erfahren, was ihnen wichtig ist.“ Die Rentnerin hat hier Freundschaften geschlossen und viele Geflüchtete auch außerhalb des Sprechcafés unterstützt. Auf die Fragen zum Rechtsruck antwortet sie: „Wir haben darauf geachtet, dass wir die Politik ganz rauslassen.“