Bis dahin aber ist er noch viel allein, weil er sich noch nicht soviel bewegen soll, und das war besonders in der Zeit der massiven Corona-Einschränkungen schwierig für Pablo, wie Iris Sändig sagt. "Er hat sich gelangweilt mit so wenig Kontakt." Versorgt war Pablo so wie die anderen Pferde auch, aber viel allein. Von Mitte März bis Ende Juni galt auf der Anlage nämlich ein strenges Besucherregime, wie die Inhaberin Stefanie Schöpe berichtet. Nicht mehr als vier Reiter durften sich zur selben Zeit auf dem Gelände an der Neuenhagener Chaussee aufhalten und das höchstens für anderthalb Stunden. Das habe manchen schon sehr belastet, hat Stefanie Schöpe beobachtet. "Aber die Einsicht war da, und wir haben das gut hingekriegt."
Allerdings mit Einbußen. In der Zeit der Einschränkungen fanden weder Reitunterricht noch Seminare statt. Auch die beliebten Ponywanderungen konnten nicht stattfinden. Auf das Feriencamp verzichtet Stefanie Schöpe in diesem Sommer auch. Für den Betrieb haben die aus all dem resultierenden Einnahmeverluste zur Folge, dass geplante Investitionen vorerst nicht realisiert werden. Zukunftspläne schmiedet die 36-jährige Pferdewirtin, die zusätzlich ein Studium der Pferdewissenschaften absolviert hat, dennoch. Gerade erst ist Paul auf den Hof gekommen, ein fünf Jahre alter Wallach, der für Reitstunden eingesetzt werden soll.
Der findet mittlerweile wieder statt, wenn auch nur als Einzelunterricht. Ob in den Herbstferien ein Camp stattfinden wird, haben Stefanie Schöpe und ihr Mann Stefan Graf noch nicht entschieden. Dennoch: Die Devise lautet nach vorn gucken. Langfristig soll die Anlage erweitert werden. Die Nachfrage sei auf jeden Fall da, erzählt Stefanie Schöpe. Es gebe auch Anfragen, ob in Schöneiche nicht auch Urlaub mit Pferd möglich ist. Und nach Seminaren, die auf der Anlage auch wieder vermehrt angeboten werden sollen. Stefanie Schöpe, die den Hof im April 2018 gleich nach ihrem Studienabschluss übernommen hat, plant unter anderem Führtraining und Lehrgänge zum Thema der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Da könne man so viel falsch machen, sagt die Pferdewissenschaftlerin, mit etwas Wissen aber auch viel richtig.
Es gibt Wartelisten
Vor allem Berliner nutzen die Schöneicher Anlage, aber nicht nur, und es gibt Wartelisten. In Berlin ist auch Pablos Besitzerin Iris Sändig zu Hause. So oft es geht, kommt sie zu ihrem Pferd nach Schöneiche. Das halten eigentlich alle Besitzer der 30 Einstellpferde so, wie Stefanie Schöpe berichtet. "Und wenn es nur zum Nasekraulen ist." Das liebt Pablo auch – und er hat eine große Sympathie für die Stute Christina entwickelt, die neuerdings auf der Reitanlage zu Hause ist. Sie kam zum Eingewöhnen zunächst in eine sogenannte Eingliederungsbox neben der von Rekonvaleszent Pablo. Die Tiere fanden offensichtlich Gefallen aneinander. Wenn Iris Sändig Pablo jetzt spazieren führt, weil er sich zunehmend wieder mehr bewegen soll, müssen beide immer Halt machen, sobald Christina in der Nähe ist, erzählt die Besitzerin über ihren "Herzensbrecher".