Gesellschaft: Klare Tabus für Jugend-Trainer

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pixabay„Wir verlangen seit 2009 ein erweitertes Führungszeugnis von unseren Trainern“, sagt Karin Lehmann, die Vorsitzende der BSG Pneumant aus Fürstenwalde. Doch das reicht offenbar nicht. Auch der damals 46-jährige Trainer, der im Mai 2018 von Polizisten abgeführt wurde, während er seine Jugend-Mannschaft trainierte, hatte dieses Zeugnis vorgelegt. Der Vorwurf gegen ihn lautete dann: „Verdacht auf schweren sexuellen Missbrauch von Kindern“, sagt Staatsanwalt Ingo Kechichian.
Mit den jungen Fußballern der BSG Pneumant stehe der Vorwurf aber nicht im Zusammenhang. Der Verein reagierte dennoch umgehend. „Wir haben den Trainer sofort suspendiert, die Abteilungsleiter informiert, ihn nicht mehr auf den Platz und in die Halle gelassen, seine Schlüssel eingezogen, eine Elternversammlung einberufen und Informationsmaterial bestellt“, schildert Karin Lehmann das Vorgehen. Auch der Arbeitgeber des Trainers stellte den Mann umgehend vom Dienst frei und beendete das Arbeitsverhältnis später.
Die Mutter eines zwölfjährigen Jungen hatte den Mann angezeigt, nachdem sie auf dem Handy ihres Sohnes einen Chat der beiden gefunden hatte, dem sie entnommen habe, dass sexuelle Handlungen stattgefunden hätten, schildert der Staatsanwalt. Allerdings habe sich der Junge zuvor auf einer Internetplattform als 16-Jähriger ausgegeben, als er mit dem deutlich älteren Mann in Kontakt getreten sei. Dieser soll später Druck auf den Jungen ausgeübt haben. Kechichian rechnet damit, dass die Ermittlungen binnen sechs bis acht Wochen abgeschlossen sein werden. An deren Ende könnte eine Anklage oder die Einstellung des Verfahrens stehen.
Die meisten Vereine setzen auf Prävention. Bei Pneumant müssen alle Trainer einen Ehrenkodex unterzeichnen. Darin heißt es beispielsweise: „Das individuelle Empfinden zwischen Nähe und Distanz, Intimsphäre und persönliche Schamgrenze werde ich akzeptieren.“ Zudem würden Abteilungsleiter Trainer belehren, dass diese nicht in Dusche oder Umkleide zu gehen, ohne angeklopft und die Erlaubnis bekommen zu haben.
„Bei uns müssen die Jugendtrainer ein amtliches Führungszeugnis vorlegen“, sagt Dirk Milz, der Vorsitzende des FV Erkner. Alle zwei Jahre gebe es eine Auffrischung für die Nachwuchs-Trainer. „Wir brauchen jeden Helfenden“, sagt Milz auch. Zum Glück habe man noch niemanden entlassen müssen.
Das große Führungszeugnis ist auch bei Germania Schöneiche Pflicht, sagt der Vorsitzende, Jens Wiedenhöft, schränkt aber ein: „Das ist ein Stück Papier, wir können in die Leute nicht reingucken.“ Wichtig sei Transparenz. Germania hat eigens einen ehrenamtlichen Jugendschutz-Beauftragten ernannt, Carsten Michel. Der Nachwuchs-Trainer hat eine Schulung absolviert und fungiert jetzt als Ansprechpartner für den Fall der Fälle. „Ich bin aber noch nie in Anspruch genommen worden“, sagt der 48-Jährige, „und ich bin auch nicht unglücklich darüber, wenn es so bleibt.“ Auf Sensibilisierung der Übungsleiter setzt auch der Kreisverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), sagt Vorsitzender Chris Kubler.
Wenn Vereine Fragen haben, hilft Steffen Müller von der Brandenburgischen Sportjugend weiter. Generell steige der Beratungsbedarf, hat Müller festgestellt. 25 bis 30 Fälle behandelt er pro Jahr, Tendenz steigend. „Das hat aber nichts damit zu tun, dass es mehr Verbrechen gibt, sondern damit, dass die Leute aufmerksamer und wir bekannter werden“, sagt Müller. Nur einige der Fälle landen vor Gericht, in anderen bestätigt sich der Verdacht nicht, und in wieder anderen handele es sich um eine reine Beratung.